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Seit dem 12. März pausiert die NHL wegen der Coronavirus-Pandemie. Die Liga verkündete am 26. Mai den Neustart mit 24 Mannschaften, die in einem neuen Format den Stanley-Cup-Sieger 2020 bestimmen werden. Die vier besten Teams der beiden Conferences sind für die Stanley Cup Playoffs qualifiziert und spielen in einer Vorrunde ihre Platzierungen aus, während die jeweils weiteren acht in einer Qualifikationsrunde im Best-of-5-Modus die restlichen vier Teilnehmer an den Playoffs pro Conference ermitteln. Für sieben Teams ist die Saison beendet. In der heutigen Ausgabe: Saisonrückblick der Ottawa Senators

Die Zukunft der Ottawa Senators schien gut zu sein, als sie in den Stanley Cup Playoffs 2017 überraschend, aber keineswegs unverdient ins Eastern Conference Finale gegen den späteren Cup-Sieger Pittsburgh Penguins einzogen und dort nur denkbar knapp im siebten Spiel scheiterten. Zuvor hatten sie die reguläre Saison 2016/17 nach 44 Siegen und 98 Punkten (44-28-10) als Zweiter der Atlantic Division abgeschlossen.

Keiner hätte gedacht, dass die Senators in der Folgesaison 2017/18 derart einbrechen, nur 28 Siege und 67 Punkte (28-43-11) erringen und auf den siebten und damit vorletzten Platz in der Division abstürzen würden. Danach begann ein Ausverkauf der 2017 so erfolgreichen Mannschaft, der sich 2018/19 verstärkte, als es mit 29 Siegen und 64 Punkten (29-47-6) zum letzten Platz in der Division noch schlechter lief.

Einer der im Rahmen der Umformierung des Kaders am 13. September 2018 getätigten Transfers könnte sich in den nächsten Wochen extrem auszahlen. Dann nämlich, wenn die Senators beim NHL Draft 2020 neben ihrem eigenen Zug in der ersten Runde auch noch den von den San Jose Sharks beim Wechsel von Verteidiger Erik Karlsson losgeeisten Draft-Pick der ersten Runde anwenden können. Eine glückliche und unerwartete Fügung für die Kanadier ist, dass die Sharks in dieser Saison unerwartet schlecht als Letzter der Western Conference abschnitten. Die Senators haben somit neben ihren 13,5 Prozent Gewinnchance auf den Nummer-1-Draft auch noch zusätzlich die 11,5 Prozent der Sharks. Sie werden auf jeden Fall zwei Züge unter den besten sieben haben.

"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Beim Plan des Neuaufbaus waren wir immer der Meinung, dass der Draft 2020 einer der tiefgreifendsten seit vielen Jahren sein wird", sagte General Manager Pierre Dorion im April. "Wir schätzen uns sehr glücklich, dass wir die Chance auf zwei Züge unter den ersten fünf haben und wir werden hierfür bereit sein."

Diese positiven Aussichten auf die Zukunft haben die Senators und ihre Fans auch bitter nötig. Die Saison 2019/20 war nun schon die dritte ernüchternde hintereinander. Der neue Trainer D.J. Smith konnte dem Team noch nicht die erhofften Impulse zur Wende geben. Ähnlich wie in den zwei Vorjahren verbuchte Ottawa in den bis zum Abbruch der regulären Saison am 12. März absolvierten 71 Spielen nur 25 Siege und 62 Punkte (25-34-12). Am Ende stand der siebte Platz in der Atlantic zu Buche. Damit waren die Senators zugleich Vorletzter der Eastern Conference und der gesamten Liga.

Top 10 Spielzüge der Senators... bisher

Weitere Zahlen sehen unter diesen Umständen ebenfalls nicht berauschend aus. 191 erzielte Tore bedeuten immerhin den 24. Platz in der Liga, während die 243 Gegentreffer den zweitschlechtesten Wert nach den Detroit Red Wings darstellten. In Überzahl konnten nur 30 Tore bei 211 Gelegenheiten markiert werden, was einer bescheidenen Quote von 14,22 Prozent, die gut sechs Prozentpunkte unter dem Ligadurchschnitt liegt, entspricht. In Unterzahl war die Erfolgsquote mit 76,09 Prozent (175 von 230) etwas besser, aber trotzdem knapp vier Prozentpunkte unter dem Durchschnitt.

Erste Erkenntnisse aus dem wiederholt dürftigen Abschneiden gab Dorion in dieser Woche bekannt. Die Senators werden am freien Markt keine Spieler langfristig anwerben, sondern verstärkt auf ihre jungen Akteure setzen.

"Letztes Jahr haben wir Veteranen verpflichtet, von denen wir glaubten, dass sie den jüngeren Spielern helfen können zu wachsen und damit dem gesamten Team", erklärte der General Manager. "Diesmal werden wir keinen unrestricted Free Agent langfristig oder für mehrere Jahre binden. Das ist etwas, was wir definitiv nicht anstreben."

Inwiefern die Senators überhaupt am Free-Agent-Markt zugreifen werden, hängt laut Dorion davon ab, welche Züge sie im Draft bekommen. Es sei ein Unterschied, ob man die Züge 1 oder 2 bekomme oder die Nummer 5 und 6. "Die Spieler auf Position 1 und 2 haben eine größere Chance, gleich im nächsten Jahr in der NHL zu spielen", erläuterte Dorion. "Dennoch wissen wir, dass wir zwei sehr gute Spieler erhalten werden."

Zu den zwei erwähnten Picks in der ersten Runde könnte noch ein weiterer von den New York Islanders aus dem Trade von Jean-Gabriel Pageau hinzukommen sowie vier Züge in der zweiten Runde und zwei in der dritten Runde. Gut möglich ist auch, dass die Senators eines ihrer Zugriffsrechte im Draft für einen Trade verwenden werden, wie Dorion einräumte.

Egal, wie sich die nächsten Wochen und Monate entwickeln werden, die Fans der Senators sehnen sich nach einer besseren Zukunft. Sollten Dorion und sein Team das richtige Händchen beweisen, könnten die Senators tatsächlich bald wieder eine deutlich bessere Rolle in der NHL spielen. Die wegen des Abbruchs geschichtsträchtige Saison 2019/20 wäre dann in der Klub-Historie nur noch eine Randnotiz.