Olympia-Historie: So gewann die Schweiz 1948 Bronze
29 Monate nach dem 2. Weltkrieg war die Schweiz bei den Olympischen Winterspielen in St. Moritz erfolgreich

© PressFocus/MB Media/Getty Images
Zwei Mal gewann die Eishockey-Nationalmannschaft der Schweiz bei den Olympischen Winterspielen eine Bronzemedaille. Das Kuriose: Es geschah beide Male in der gleichen Stadt. St. Moritz war 1928 und 1948 Austragungsort der Winterspiele. 1928, als die Olympischen Winterspiele erstmals überhaupt eigenständig ausgetragen wurden, hatte die Schweiz trotz einer abschließenden 0:13 Niederlage gegen Kanada den 3. Platz in der Finalrunde belegt und somit eine Medaille gewonnen.
St. Moritz sollte bereits im Jahre 1940 erneut der Schauplatz der Olympischen Winterspiele sein. Das IOC (Internationales Olympisches Komitee) machte diese Entscheidung wegen Differenzen bezüglich der Ski-Wettbewerbe allerdings rückgängig und vergab die Spiele an Garmisch-Partenkirchen. Schlussendlich fielen sie wegen des Zweiten Weltkriegs komplett aus.
Acht Jahre später konnten die Winterspiele dann erstmals wieder stattfinden. Der Grund für den Austragungsort: St. Moritz verfügte knapp 29 Monate nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs noch über die nötige Infrastruktur, die aus den Winterspielen 1928 resultierte. Auch die neutrale Haltung der Schweiz während des Krieges soll bei der Entscheidungsfindung eine Rolle gespielt haben.
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Der Eishockey-Sport war im Vorfeld der Olympischen Winterspiele von Unstimmigkeiten geprägt. Der Ursprung des Ärgers: Im Jahre 1946 hatten sich mit der Amateur Athletic Union (AAU) und der Amateur Hockey Association (AHA) zwei Eishockey-Verbände in den USA gebildet. Kurios: Weil keine Einigkeit bestand, welcher Verband die Nationalmannschaft für die Winterspiele stellen darf, reisten gleich zwei US-Teams nach St. Moritz.
Niemand wusste also genau, welche Spieler das Eis betreten würden, wenn die USA im Auftaktspiel auf den Gastgeber Schweiz trifft. Das IOC zog die Konsequenz und erklärte das komplette Eishockey-Turnier (zumindest vorerst) als nicht olympisch. Wegen der daraus resultierenden Unsicherheit, ob das Turnier überhaupt gewertet werden würde, machten sich einige Nationalteams für die vorzeitige Abreise bereit.
Erst am 5. Februar, als die Olympischen Winterspiele fast beendet waren, einigten sich die Beteiligten. Das Eishockey-Turnier fand die normale Anerkennung. Schlussendlich wurde die USA nachträglich qualifiziert, weil das Team entgegen der Regel mit Profispielern angetreten war. Auch in Kanada war Eishockey zu dieser Zeit bereits weitestgehend professionalisiert. Um den Amateurstatus einhalten zu können, ließen die Kanadier eine Auswahl der Royal Canadian Air Force antreten.
Neun Nationalmannschaften nahmen an dem Wettbewerb teil. Das Turnier wurde im Ligabetrieb ausgespielt. Jede Mannschaft musste also acht Partien bestreiten. Die insgesamt 36 Spiele fanden im Olympia-Eisstadion Badrutts Park sowie auf den Kunsteisbahnen Palace Rink und Suvretta Rink statt.
Das Wetter erschwerte die Zeitplanung. Starker Schneefall und intensiver Sonnenschein wechselten sich zeitweise ab, sodass die Spiele teilweise um 8 oder 9 Uhr morgens ausgetragen werden mussten. Die äußeren Umstände und die abgelegene Kunsteisbahn Palace Rink wirkten sich negativ auf das Zuschauerinteresse aus. Großbritannien spielte im Palace Rink zwei Mal vor lediglich zehn zahlenden Zuschauern.
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Das Interesse am Gastgeber-Team war ungleich größer. Mit einem 5:4 gegen die USA erwischte die Schweiz einen guten Turnierstart. Einen Tag später ereignete sich das 16:0 gegen die Italiener, die letztendlich sieglos auf dem letzten Tabellenplatz landeten. Auch mit Österreich (11:2), Großbritannien (12:3), Schweden (8:2) und Polen (14:0) hatte die Schweiz wenig Mühe. Überhaupt boten die Olympischen Winterspiele viele torreiche Spiele. Die Partie zwischen den USA und Italien endete mit 31:1.
In den letzten beiden Spielen warteten übermächtige Gegner auf die Schweiz: die Tschechoslowakei und Kanada. Gegen die Tschechoslowaken bestand nach zwei Dritteln noch eine theoretische Siegchance, als der Rückstand gerade einmal 1:3 betrug. Doch im Schlussdrittel erhöhte die Tschechoslowakei mit vier Treffern auf 7:1.
Während die Tschechoslowaken für ihre starke Technik bewundert wurden, standen die Kanadier für einen ungewöhnlich harten und schnellen Spielstil. Die Schweiz unterlag gegen die Nordamerikaner mit 0:3. Das direkte Aufeinandertreffen zwischen Kanada und der Tschechoslowakei endete bereits zuvor mit dem seltenen Endstand von 0:0, sodass die Kanadier lediglich aufgrund des besseren Torverhältnisses Platz 1 ergatterten und die Goldmedaille umgehängt bekamen.
Der effektivste Spieler der Schweiz ist Ulrich Poltera gewesen, der 14 Tore erzielt und fünf weitere Treffer vorbereitet hatte. Vier Jahre später war er bei den Olympischen Winterspielen 1952 in Oslo Fahnenträger der Schweizer Delegation. Zum Aufgebot der Schweiz zählte auch Richard Torriani, der später unter anderem die Schweizer Nationalmannschaft trainierte und mit dem EHC Visp 1962 den Schweizer Meistertitel gewann. 1997 wurde er in die IIHF Hall of Fame aufgenommen.
Schweiz gewann nach 1948 nie wieder eine Olympische Medaille. Die besten Ergebnisse der folgenden Jahre waren der 5. Platz im Jahre 1952 und der 6. Platz im Jahre 2006.

















