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NHL.com/de stellt fünf der derzeit bekanntesten deutschsprachigen Spieler der NHL vor und blickt auf ihre Leistungen auf der internationalen Bühne im Laufe ihrer Karrieren zurück.
Diese Woche: Roman Josi

Die Vorfreude ist groß. Roman Josi fiebert den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking entgegen. "Ich hatte ja das Privileg, in Sotschi zu spielen, was eine wirklich coole Erfahrung war", erzählte er im Interview mit NHL.com/de. "Wenn man für sein Heimatland spielen kann, macht das Olympia noch spezieller. Es ist eine große Ehre, und ich bin wirklich froh, dass die NHL beschlossen hat, mitzumachen."
Im Februar 2014, als die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi stattfanden, war Josi erst 23 Jahre alt und befand sich in seiner dritten NHL-Saison. Die Schweiz zählte damals zu den Geheimfavoriten auf eine Medaille, nachdem die Weltmeisterschaft 2013 mit der Silbermedaille endete. Josi gehörte bereits bei jener WM zu den neuen Superstars im Eishockey, bewies mit vier Toren und fünf Assists seine Effektivität und wurde als wertvollster Spieler des Turniers ausgezeichnet.

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Auch bei den Olympischen Winterspielen 2014 war Josi ein Hoffnungsträger. In der Vorrunde bezwang die Schweiz Tschechien und Lettland, unterlag dafür allerdings gegen Schweden. Kurios: Alle drei Partien endeten jeweils mit einem 1:0. In der Viertelfinal-Qualifikation kam es für die Schweiz zum erneuten Aufeinandertreffen mit Lettland. Diesmal allerdings mit dem glücklicheren Ende für die Akteure vom Baltikum. Die Letten gewannen mit 3:1. Bitter für Josi: Er blieb bei Olympia ohne Scorer-Punkt.
Wenn die Schweiz am 9. Februar 2022 das erste Vorrundenspiel gegen Russland bestreitet, wird er diese Durststrecke beenden wollen. Die weiteren Gegner sind Tschechien und Dänemark. Josi hat sein Ticket für Olympia bereits so gut wie sicher. Er wurde gemeinsam mit Nico Hischier von den New Jersey Devils und Timo Meier von den San Jose Sharks vorläufig für den Olympischen Kader nominiert. Das bedeutet: Sofern diese Spieler gesund und für die Teilnahme an den Olympischen Spielen spielberechtigt sind, werden sie in den endgültigen Mannschaftskader aufgenommen. Dieser wird im Januar 2022 bekanntgegeben.
Ähnliches: [Im Schweizer Olympia-Kader stehen Hischier, Josi und Meier]
Josi hat bereits jetzt eine Vorstellung davon, wer im Finale um die Goldmedaille das entscheidende Tor erzielen könnte. "Nico Hischier", lautet sein Tipp. "Er ist ein wirklich guter Spieler. Und ich hoffe natürlich, dass die Schweiz gewinnt. Nico ist jetzt Kapitän in New Jersey und verfügt über eine Menge Talent und Erfahrung. Also hoffe ich, dass er es macht."
Gleichwohl könnte auch Josi selbst der Mann für die entscheidenden Tore sein. Der Verteidiger ist im Trikot der Nationalmannschaft ähnlich effektiv wie in der NHL. 64 Spiele absolvierte er bei den Großturnieren für die Schweiz, verbuchte dabei neun Tore und 24 Assists. Zwei Mal gewann er bei einer Weltmeisterschaft die Silbermedaille. Nach 2013 wiederholte sich der Triumph bei der Weltmeisterschaft 2018. Insgesamt vertrat er seine Nationalmannschaft bei acht Weltmeisterschaften.
Auch wenn er gemeinsam mit seiner Frau Ellie und seinem im Februar geborenen Sohn im fernen Nashville lebt, liegt ihm der Eishockey-Sport seines Heimatlandes am Herzen. Den Beweis erbringt er nicht nur durch seine Leistungen im Trikot der Nationalmannschaft, sondern auch durch sein Engagement beim SC Bern. Der 31-Jährige unterstützt seinen Jugendverein, bei dem er 2006/07 als Profi debütierte. Gemeinsam mit Ex-Profi Mark Streit ist Josi ein Minderheitsaktionär.
"Der SCB ist mein Herzensklub, bei dem ich mit vier schon angefangen habe, Eishockey zu spielen", erzählte er im Gespräch mit dem Blick. "Ich bin fünf Minuten vom Stadion aufgewachsen, war natürlich an jedem Heimspiel dabei. Habe alle Juniorenstufen durchlaufen, bis ich schließlich für die erste Mannschaft spielen und den Meistertitel gewinnen durfte. Bern ist meine Heimat. Dieses Engagement ist eine große Herzensangelegenheit." Nach seiner aktiven Laufbahn könne er sich sogar vorstellen, eine Funktion beim Klub einzunehmen.

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Doch an ein Karriereende ist noch längst nicht zu denken. Josi steht bis zum Jahre 2028 bei den Predators unter Vertrag. Seine Leistungen sind auch in dieser Saison überragend. Mit sechs Toren und 16 Scorer-Punkten ist er (gemeinsam mit Adam Fox von den New York Rangers) der effektivste Verteidiger der NHL.
"Ich habe ihn immer schon geschätzt. Was er kann, ist beeindruckend", lobt auch Paul Maurice, der Trainer der Winnipeg Jets. Josi und Maurice haben eine gemeinsame Vergangenheit. Maurice war 2016 einer der Assistenztrainer des Team Europe beim World Cup, zu dessen Kader Josi gehörte. Als Außenseiter in das Turnier gestartet, belegte Europa in der Endabrechnung den zweiten Platz hinter der Auswahl Kanadas.
"Seit ich einige Zeit mit ihm zusammen beim World Cup of Hockey 2016 verbracht habe, ist er in meinem Ansehen noch einmal gestiegen", sagt Maurice. "Er ist ein absoluter Spielmacher aus dem Rückraum. Josi ist in der Lage, offensiv aggressiv und dynamisch zu agieren und all das erreicht er mit seinen herausragenden Schlittschuhfähigkeiten."
Genau diese Qualität wird Josi bei den Olympischen Winterspielen im Dienst der Schweiz einbringen müssen, soll sich der Traum von einer Medaille wirklich erfüllen.