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In dieser Ausgabe: Jokerit Helsinki behauptet sich als Solitär in der KHL

Jokerit Helsinki ist ein bemerkenswerter Solitär in der Eishockey-Landschaft. Seit der Saison 2014/15 mischt das Team als einziger Vertreter aus Skandinavien und dem ehemaligen Westteil Europas in der Kontinental Hockey League (KHL) mit. Der Erfolg der Finnen in der von russischen Spitzenklubs dominierten Liga kann sich durchaus sehen lassen. Seit dem KHL-Einstieg qualifizierte sich Jokerit jedes Mal für die Playoffs um den traditionsreichen Gagarin Cup. Und auch in diesem Jahr will die von der NHL-Legende Jari Kurri als Eigner und General Manager maßgeblich zusammengestellte Mannschaft bei der Titelvergabe ein Wörtchen mitreden.
Der Rückkehr von Kurri zum seinem Heimatverein ging ein Paukenschlag voraus. Bei einer denkwürdigen Pressekonferenz am 28. Juni 2013 hatte der damalige Klubchef Harry Harkimo den Verkauf der Hartwall Arena von Helsinki und den Abschied von Jokerit aus der finnischen Liiga verkündet. Beim selben Termin gab er die Verpflichtung des früheren Stürmerstars als General Manager bekannt.
Kurri gewann in den 1980er-Jahren mit den Edmonton Oilers fünfmal den Stanley Cup. Für die Oilers, die Los Angeles Kings, die New York Rangers, die Mighty Ducks of Anaheim und die Colorado Avalanche bestritt er 1251 Spiele in der regulären Saison und sammelte 1398 Scorerpunkte (601 Tore, 797 Assists). In den Stanley Cup Playoffs kamen 233 Zähler (106 Tore, 127 Assists) aus 200 Einsätzen hinzu. Seit 2000 ist er Mitglied der IIHF Hall of Fame und seit 2001 der Hockey Hall of Fame. Mit Teemu Selanne folgte ihm 2017 ein zweiter ehemaliger Jokerit-Spieler und Stanley Cup Champion in beide Ruhmeshallen.

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Jokerit tritt in der Western Conference der KHL in der Bobrov Division an. 2016/17 holte sich das Team den Gruppensieg. Darüber hinaus stehen vier zweite und zwei dritte Plätze auf Divisionsebene zu Buche.
In der laufenden Saison liefert sich der sechsfache finnische Meister ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit SKA St. Petersburg. Mit 64 Punkten aus 47 Spielen steht die Mannschaft mit dem einprägsamen Joker-Emblem auf der Brust an zweiter Position in der Bobrov Division. Der Rückstand auf SKA beträgt vier Zähler. Allerdings hat St. Petersburg eine Partie mehr ausgetragen. In der der Western Conference steht momentan Dynamo Minsk zwischen Spitzenreiter SKA und dem Tabellendritten Jokerit.
Während seiner Amtszeit als General Manager ist es Kurri stets gelungen ein wettbewerbsfähiges Team ins Rennen um den KHL-Titel zu schicken. Das Gros der aktuellen Mannschaft stellen Akteure aus Finnland und Schweden. Hinzu kommen Profis aus den USA, Kanada, Tschechien und Dänemark.

Von den Top-Spielern verfügen fast alle über NHL-Erfahrung. Zu ihnen zählt Torhüter Anders Lindback, der es zwischen 2010 und 2016 für die Nashville Predators, die Tampa Bay Lightning, die Dallas Stars, Buffalo Sabres und die Arizona Coyotes auf 130 Auftritte in der regulären Saison und fünf in den Playoffs brachte. Er ist die unumstrittene Nummer eins im Tor von Jokerit. In der laufenden Spielzeit hat er 28 Begegnungen absolviert und dabei eine Fangquote von 91,3 Prozent und einen Gegentorschnitt von 2,15 vorzuweisen.
Eine NHL-Vergangenheit besitzen zudem die Blueliner Philip Holm (Vancouver Canucks) und Otto Leskinen (Montreal Canadiens) sowie die Top-Stürmer Brian O´Neill (New Jersey Devils), Niklas Jensen (Canucks), Alex Grant (Anaheim Ducks, Coyotes) und Jordan Schroeder (Canucks, Minnesota Wild). Holm ist mit 25 Zählern (zehn Tore, 15 Assists) der mit Abstand punktbeste Verteidiger von Jokerit. Nach ihm folgen Niklas Friman (16) und Leskinen (15). Die teaminterne Scorerwertung führt O'Neill mit 42 Punkten (neun Tore, 33 Assists) vor Jensen (34) und Schroeder (29) an.
Kapitän von Jokerit ist Marko Anttila. Der mittlerweile 36 Jahre alte Haudegen machte Finnland 2019 zum Weltmeister. Beim 3:1 im Finale gegen Kanada schnürte der Flügelstürmer einen Doppelpack. Obwohl er beim NHL Draft 2004 von den Chicago Blackhawks ausgewählt wurde, blieb ihm eine Karriere in Nordamerika verwehrt.
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General Manager Kurri, seit Mai 2019 zugleich alleiniger Besitzer von Jokerit, hält große Stücke auf Anttila. Nach seinen Worten ist er aus der Mannschaft nicht wegzudenken. "Er leistet jeden Tag hervorragende Arbeit für das Team, auf und abseits des Eises. Dass er dieser Tage ins Aufgebot der Nationalmannschaft für die Olympischen Spiele in Peking berufen worden ist, beweist seinen nach wie vor hohen Stellenwert fürs finnische Eishockey", sagte er.
Bei Jokerit wird Anttila mindestens bis Ende der kommenden Saison auf Torejagd gehen. Der Klub und der Stürmer einigten sich vor Kurzem darauf, vorzeitig von der vertraglich fixierten Option auf eine Verlängerung des Arbeitsverhältnisses über die Spielzeit 2021/22 hinaus Gebrauch zu machen.
Vielleicht, so zumindest die leise Hoffnung aller Beteiligten, gelingt Anttila im Dress von Jokerit ja noch einmal so ein Coup wie vor zweieinhalb Jahren mit Finnland bei der Weltmeisterschaft.