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In dieser Ausgabe: Rögle BK ist ein NHL-Sprungbrett für deutschsprachige Talente
Für den Deutschen Moritz Seider diente der schwedische Klub Rögle BK bereits als Sprungbrett für die NHL. Gleiches könnte bald für den Österreicher Marco Kasper gelten. Nicht zuletzt wegen seiner überzeugenden Auftritte beim Team aus Ängelholm setzte ihn das Central Scouting der NHL im Midterm Ranking für den NHL Draft 2022 auf den siebten Platz bei den internationalen Skatern.
Lange Zeit war Rögle eine klassische Fahrstuhlmannschaft, die zwischen der ersten und zweiten Liga in Schweden hin- und herpendelte. Das hat sich nach dem letzten Wiederaufstieg 2015 geändert. Seitdem hat der Klub eine erstaunliche Entwicklung in der Svenska Hockeyligan (SHL) vollzogen. Während es zunächst vornehmlich darum ging, den erneuten Abstieg zu verhindern, hat sich Ängelholm in jüngster Zeit zu einer Topadresse in der SHL gemausert. 2019/20 schloss das Team die Hauptrunde als Dritter ab. 2020/21 landete es auf dem zweiten Rang. In den Playoffs des vergangenen Jahres endete der Siegeszug erst im Finale. Dort zog Rögle mit 1:4 in der Serie gegen die Växjö Lakers den Kürzeren zog.

"Wir haben hier eine großartige Organisation und ein interessantes Team. Wir sind inzwischen in der SHL etabliert und jetzt sogar in der Lage, um die Meisterschaft zu kämpfen", sagte General Manager Chris Abbott in einem für die Webseite der Champions Hockey League (CHL) produziertem Interview. "Unser Ansatz ist es, jungen Spielern eine Chance zu geben und ihnen dabei zu erlauben, Fehler zu machen. Zugleich fordern wir jedoch von ihnen, dass sie sich in unser System einfügen, mit dem wir unsere Spiele gewinnen wollen. Man muss als Talent schnell aus seinen Fehlern lernen und seine Möglichkeiten konsequent nutzen. Das ist die unabdingbare Voraussetzung dafür, wenn man einmal in die NHL kommen will."
Nach Ansicht von Abbott befindet sich Kasper in dieser Hinsicht auf einem guten Weg. "Er hat sich vorgenommen, jedes Mal, wenn er auf dem Eis steht, besser zu werden. Mit dieser Einstellung hat er eine große Zukunft vor sich", so der General Manager von Rögle.
Der 17 Jahre alte Angreifer wechselte zu Saisonbeginn 2020/21 von seinem Heimatklub EC KAC nach Ängelholm. "Klagenfurt ist zwar auch eine gute Organisation. Aber das schwedische Eishockey ist im Allgemeinen natürlich viel besser. Ich dachte, dass ich mein Spiel dort wesentlich besser entwickeln kann als daheim", begründete er laut der CHL-Webseite den Schritt.
Im Januar 2021 feierte Kasper im Alter von 16 Jahren sein Debüt in der SHL. In seiner Premierensaison brachte er es auf zehn Einsätze in der Hauptrunde und einen Assist. Bei seinen sechs Auftritten in den Playoffs ging er leer aus. In der laufenden Spielzeit sind für ihn bislang 27 Spiele und sechs Scorerpunkte (vier Tore, zwei Assists) verzeichnet.

Wenn alles optimal läuft, könnte Kasper in dieser Saison gleich zwei Meistertitel gewinnen. In der CHL steht Rögle nach dem Halbfinalsieg gegen den Topfavoriten Frölunda Göteborg im Endspiel und in der schwedischen Liga grüßt die Mannschaft mit 61 Punkten aus 32 Spielen vom ersten Tabellenplatz.
Den NHL Draft versucht der junge Kärntner so gut es geht auszublenden. "Ich habe mir vorgenommen, nicht allzu sehr daran zu denken. Ich will aber natürlich alles dafür tun, um mein Niveau zu verbessern und der beste Spieler zu werden, der ich sein", sagte er.
Ein Beispiel, wie schnell es von Schweden in die USA gehen kann, hat Kasper vor Augen. Für seinen Teamkollegen Seider führte das Intermezzo 2020/21 in Ängelholm direkt in die NHL. Das Jahr in der SHL habe ihn reifer gemacht, seine Direktschüsse seien in dieser Zeit besser geworden und er habe gelernt, "dumme Fehler" abzustellen, beschrieb der Deutsche diese für ihn wichtige Lernphase. "Die SHL ist meines Erachtens die Liga, die der NHL im Moment von der Qualität her am nächsten kommt", sagte er in einem Interview auf der Webseite von Rögle.

Nach der Hauptrunde standen für Seider alles in allem 41 Spiele und 28 Scorerpunkte (sieben Tore, 21 Assists) zu Buche. Mit dieser Ausbeute war er der zweitbeste Blueliner seiner Mannschaft hinter seinem Defensivpartner Eric Gelinas, der 34 Zähler (acht Tore, 26 Assist) in 46 Partien sammelte. Die Plus-Minus-Bilanz wies einen ausgezeichneten Wert von +14 aus. In den Playoffs verbuchte der Offensivverteidiger fünf Punkte (ein Tor, vier Assists) in 13 Begegnungen.
Am Ende fehlte nicht viel und Seider wäre als schwedischer Meister zu den Detroit Red Wings gestoßen. Doch Växjö erwies sich für Rögle als eine Nummer zu groß. Trösten durfte sich der ehemalige Mannheimer damit, dass er nach dem verlorenen Finale als Verteidiger des Jahres in der SHL ausgezeichnet wurde.