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Schwierige Umstände setzen zuweilen besondere Kräfte frei. Einen Beleg für die Gültigkeit dieser These lieferten am Freitag die Montreal Canadiens bei ihrem triumphalen 5:0-Sieg in Spiel 2 der Serie in der ersten Runde der Stanley Cup Playoffs gegen die Philadelphia Flyers.

Nach der Niederlage in Spiel 1 waren die Canadiens in Zugzwang. Ein 0:2 in der Gesamtwertung gegen den glänzend aufgelegten Kontrahenten aus Pennsylvania wettzumachen, wäre eine enorme Herausforderung gewesen. Erschwerend kam hinzu, dass Coach Claude Julien aus gesundheitlichen Gründen eine Zeit lang fehlen wird. Er musste kurzfristig nach Montreal zurückreisen und bekam dort einen Stent eingesetzt. Wann er wieder an der Bande steht, ist noch unklar. Bis dahin schwingt Co-Trainer Kirk Muller das Zepter.

Die Canadiens überstanden die schwierige Situation mit Bravour. Ihre Vorstellung gegen die Flyers in Spiel 2 in der Scotiabank Arena von Toronto war von Anfang bis Ende eine runde Sache. Vier Akteure stachen hervor. Tomas Tatar und Jesperi Kotkaniemi schnürten jeweils einen Doppelpack. Max Domi gelangen drei Assists und Carey Price wehrte 30 Schüsse bei seinem zweiten Shutout in der laufenden Postseason ab.

MTL@PHI, Sp2: Price springt rüber, stoppt Grant

Für Tatar waren es nicht nur die Premierentreffer in den diesjährigen Playoffs, sondern zugleich seine ersten Scorerpunkte. "Schön, dass es heute mit dem Toreschießen so gut geklappt hat. Wir waren von Beginn an voll da und haben richtig gut gespielt", meinte der Angreifer, der mit 22 Treffern in der regulären Saison gemeinsam mit Brendan Gallagher die teaminterne Torschützenliste der Canadiens anführte. "Am Ende ist es egal, wer trifft. Wichtig ist nur, dass wir ansprechend spielen und Erfolg haben. Mit dem Spiel heute Abend können wir sehr zufrieden sein."

Einen Befreiungsschlag vollzog Center Domi. Nachdem er bei seinen ersten fünf Einsätzen in den Playoffs in Sachen Scorerpunkte komplett leer ausgegangen war, glänzte er diesmal als dreifacher Vorbereiter. Co-Trainer Muller ließ ihn zusammen mit Jesperi Kotkaniemi und Jonathan Drouin auflaufen. In dieser Konstellation fühlte er sich sichtlich wohl. "Es ist kein Geheimnis, dass Jo und ich uns sehr gut verstehen und wir viel Zeit miteinander verbringen", sagte Domi. "Natürlich spielen wir auch gerne zusammen. Es hat eine Menge Spaß gemacht, heute Abend mit ihm aufs Eis zu gehen. KK (Kotkaniemi - d. Red.) war ebenfalls hervorragend. Wenn alle vier Angriffslinien so gut funktionieren, sind wir als Team nur schwer zu schlagen."

Bei Kotkaniemi ist in den Playoffs eine Leistungsexplosion zu beobachten. Mit vier Treffern aus sechs Spielen ist er derzeit der erfolgreichste Torschütze seiner Mannschaft. Nach den bescheidenen Darbietungen des 20 Jahre alten Stürmers in der regulären Saison war damit nicht unbedingt zu rechnen. In 36 Hauptrunden-Begegnungen hatte er den Puck lediglich sechsmal ins Netz befördert. Zu wenig für die eigenen Ansprüche und die der sportlich Verantwortlichen bei Montreal. Die Folge war, dass Kotkaniemi ins AHL-Farmteam geschickt wurde. Rechtzeitig zu den Playoffs tauchte er wieder aus der Versenkung auf.

MTL@PHI, Sp2: Kotkaniemi im Powerplay mit seinem 2.

Co-Trainer Muller zeigte sich begeistert von den Darbietungen des Finnen in der Endrunde. "Kein Spieler will gerne nach unten gehen. Da hat jeder seinen Stolz. Aber er hat den Schritt gemacht und davon profitiert. Er ist dadurch ein besserer Spieler geworden, vor allem schneller und stärker, wie man jetzt sieht. Seit wir in Toronto sind, hat er einen wirklich großen Einfluss auf unser Team gehabt", lobte er den Angreifer.

Muller erhielt nach dem Triumph in Spiel 2 viele Glückwünsche, darunter auch einen von Claude Julien. "So lange das Spiel lief, habe ich mein Telefon selbstverständlich nicht gecheckt. Danach habe ich aber sofort nachgesehen und entdeckt, dass er zu den ersten Gratulanten gehörte. Ich widme Claude und seiner Familie diesen wichtigen Erfolg", sagte der Übergangscoach.

Nach dem überzeugenden Auftritt in Spiel 2 gegen die Flyers und dem damit verbundenen Ausgleich in der Best-of-7-Serie haben die Canadiens ein wenig Zeit zum Durchschnaufen. Spiel 3 wird am Sonntag (8 p.m. ET, Mo. 2 Uhr MESZ; NBC, CBC, SN, TVAS, NHL.TV) in Toronto ausgetragen.