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Die Tampa Bay Lightning haben mit dem zweiten Stanley-Cup-Sieg in Folge Geschichte geschrieben. Angesichts dieses Erfolges blickt NHL.com/de auf die besten Meisterschaftsteams aus jedem Jahrzehnt der Post-Expansions-Ära zurück.

In dieser Folge: 1967 bis 1970 - Die Montreal Canadiens von 1968
Der Stanley Cup Titel, den die Montreal Canadiens im Jahre 1968 erringen konnten, mag im Rückblick nicht zu den glanzvollsten Triumphen der Ligageschichte zählen, und doch machen ihn die Umstände, unter denen er errungen wurde, zu etwas ganz Besonderem.
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Im Sommer zuvor fand eine beachtliche Vergrößerung der Liga statt. Nach der Expansion von 1967 hatte sich die NHL in ihrer Größe nicht nur von einem Tag auf den anderen von sechs auf zwölf Teilnehmer verdoppelt, es wurde dadurch zugleich eine solide NHL-Präsenz im Westen der USA aufgebaut. Vor 1967 war die Liga jahrzehntelang stabil geblieben. Mit den Montreal Canadiens, Toronto Maple Leafs, New York Rangers, Boston Bruins, Chicago Blackhawks und Detroit Red Wings, waren in ihr die uns heute als 'Original Six' bekannten Mannschaften aktiv.
Die Besitzer der sechs etablierten Franchises sträubten sich lange Zeit gegen eine Ausweitung der Liga, da diese in der vertrauten Form erfolgreich war. Gleich mehrere Faktoren veranlassten sie jedoch in den 1960er-Jahren dazu diese große NHL-Erweiterung für das Jahr 1967 zu genehmigen. Zum einen wünschten sich damals die für einen neuen Kontrakt in Frage kommenden Fernsehsender von Verantwortlichen der Liga eine Expansion, um landesweit mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Gleichzeitig veränderte die Vorstellung, dass die rivalisierende WHL mit einer starken Aufstellung westlicher US-Teams einen Wettbewerbsvorteil erhalten würde, die Ansichten der Klubbesitzer und Macher in der NHL. Auch die American Football League (AFL) hatte sich, in dieser Zeitspanne der Geschichte, zu einem ziemlichen Erfolg entwickelt und belegte, dass aufstrebende Ligen in Nordamerika zu einem sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg werden können.

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Letztendlich ermutigten all diese äußeren Umstände die Eigentümer der sechs NHL-Teams dazu, der Erweiterung zu diesem Zeitpunkt positiv gegenüberzustehen und sie am Ende auch zu beschließen. Dennoch war zu dieser Zeit längst nicht jeder Eishockeyfan und -Funktionär mit der Expansion einverstanden. Eishockey-Puristen waren vielfach der Meinung, dass die sechs bestehenden NHL-Teams - die durch die Erweiterung 1967 allen Beobachtern als 'Original Six' bekannt wurden - quasi heilig waren und nicht angetastet werden sollten.
Praktisch gesehen befürchtete man, dass die Expansion den sportlichen Wert in der Liga verwässern und die Qualität des Spiels verringern würde - vor allem, wenn die Expansion schnell und in großem Umfang erfolgte und nicht schrittweise. Die Tatsache, dass entsprechend der konkreten Pläne, zudem keine Mannschaft aus dem Eishockeymutterland Kanada dabei sein sollte, verärgerte viele dieser ablehnenden Kräfte zusätzlich.
Die sechs Expansionsteams, die vom NHL Board of Governors, trotz der Widerstände einiger, letztendlich in den Kreis der Liga neu aufgenommen wurden, waren die California Seals (San Francisco/Oakland), Los Angeles Kings, Minnesota North Stars, Philadelphia Flyers, Pittsburgh Penguins und St. Louis Blues. Jede Expansionsstadt musste einem der ursprünglichen sechs Standorte zwei Millionen US-Dollar zahlen, um in die NHL aufgenommen zu werden - ein damals sehr hoher finanzieller Preis.

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Jedes Original Six-Team konnte elf Feldspieler und einen Torwart für den durch die Erweiterung erforderlich gewordenen Expansion Draft vor dem Zugriff der Neulinge schützen. Die Kings hatten den ersten Pick und wählten Terry Sawchuk (Toronto), den überragenden und zukünftigen Hall of Fame-Torwart. Neben diesem wechselten in dieser Phase viele prominente Akteure die Arbeitgeber. Bernie Parent (Bruins) zog es zu den Flyers, Glenn Hall (Blackhawks) zu den Blues, Cesare Maniago (Rangers) nach Minnesota, Joe Daley (Red Wings) nach Pittsburgh und Charlie Hodge (Canadiens) zu den Seals. Das altbekannte Machtgefüge in der NHL war folglich mächtig durcheinandergeschüttelt.
Viele anfängliche Kritiker an der Expansion mussten im Nachhinein rasch einräumen, dass sie sich in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Erweiterung der Liga getäuscht hatten. Als Ergebnis der Expansion von 1967 gewann die NHL insgesamt deutlich an Stärke. Diese sollte ihr in den Folgejahren sehr dabei helfen, mit der kommenden Herausforderung durch die WHL besser umzugehen. Quasi über Nacht hatte sich die NHL zudem, von einer überwiegend an ihren sechs Standorten beachteten Profiliga, zu einer Organisation entwickelt, die schnell eine starke Anhängerschaft in ganz Nordamerika entwickeln würde. Die Bühne für die weitere Erfolgsgeschichte bis hinein in die Gegenwart wurde dadurch erfolgreich bereitet.
Sportlich begannen die ersten Monate der Saison 1967/68 für den späteren Champion aus Montreal nach dem unruhigen Sommer der Expansion in der East Division alles andere als ideal. Mit deutlich mehr Konkurrenz konfrontiert, hatten die Canadiens zunächst wenig sportlichen Erfolg und lagen nach 33 absolvierten Spielen der regulären Saison auf dem letzten Platz der Liga.
Am Ende der Spielzeit hatten sie jedoch Platz an der Spitze der NHL und der East Division erobert. Der große Erfolg des Teams in der zweiten Saisonhälfte war zum Teil Jean Beliveau zu verdanken, der während der Saison sein 400. NHL-Tor erzielte und die Marke von 1.000 Karriere-Punkten erreichte. Trotzdem waren die großen Einzelspieler in diesem Jahr Akteure von anderen Mannschaften. So gewann Stan Mikita (Blackhawks) unter anderem die Art Ross und die Hart Memorial Trophy, Derek Sanderson (Bruins) die Calder Memorial Trophy. Die Vezina Trophy ging zumindest an Montreals Rogatien Vachon und Gump Worsley.

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In den Stanley Cup Playoffs schalteten die Canadiens in der ersten Runde Boston mit 4:0-Siegen aus. Es folgten Triumphe gegen Chicago (4:0) und den Vertreter der neuen West Division, die Blues (4:0). Souveräner kann man die Meisterschaft nicht für sich entscheiden.
Die Canadiens bewiesen nach schwachem Start in die Spielzeit ihr ungewöhnliches Durchhaltevermögen, als sie ihren 15. Stanley Cup gegen die Neulinge aus St. Louis, eines der Expansionsteams, im Finale mit 4:0-Siegen sicherten.
In der Folgesaison 1968/69 konnten sie ihren Triumph in einer Neuauflage des Stanley Cup Finales von 1968 gegen die Blues sogar noch einmal wiederholen.
Die Expansion Teams aus dem Westen des Kontinents erreichten in den ersten Jahren noch keine konkurrenzfähige Form. Drei Mal in Serie erreichten die Blues als Herausforderer zu Beginn ihrer Zeit zwar das Finale, doch auch im Frühsommer 1970 zogen sie, diesmal gegen die Bruins, mit 0:4 klar den Kürzeren.
Der Angriff der Expansion-Teams, er wurde in den 1960-er-Jahren, von den Traditionsmannschaften noch klar abgewehrt. Die Etablierten, mit den Canadiens an der Spitze, schmetterten die neuen Herausforderer in dieser Zeitspanne mit aller Deutlichkeit ab. Etwas, was ihnen im weiteren Lauf der Geschichte später nicht mehr gelingen sollte.