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Für Markus Eisenschmid bleibt die NHL ein Ziel

Der junge Mannheimer Stürmer überzeugte in der 1. DEL-Playoff-Runde mit sechs Toren vor den Augen der NHL-Scouts

von Stefan Herget @NHLde / NHL.com/de Chefautor

Willkommen bei Outside the NHL. Während der Saison 2018/19 wird euch NHL.com/de jeden Samstag mit Einblicken und Stories über die Eishockey-Welt außerhalb der NHL versorgen. In dieser Ausgabe geht es um Markus Eisenschmid, der sich durch Tore in den DEL Playoffs für höhere Aufgaben empfehlen will.

Es lief beim Stand von 3:3-Unentschieden in der SAP Arena die 39. Minute in Spiel 5 der DEL-Playoff-Serie zwischen den Adler Mannheim und den Thomas Sabo Ice Tigers aus Nürnberg. Der Ex-NHL- und jetzige Adler-Stürmer Marcel Goc wollte den Puck vor das gegnerische Tor spielen, doch der Pass wurde vom Schläger eines Verteidigers abgefälscht und flog in hohem Bogen vor das Tor der Nürnberger. Dort erfasste Gocs Teamkollege Markus Eisenschmid die Situation sehr schnell und beförderte die Scheibe aus der Luft zum wichtigen 4:3 ins Netz.

Es war Eisenschmids sechster Treffer im fünften Spiel der Playoffs. Er führt damit die Torschützenliste an und verdeutlicht einmal mehr, warum ihn die Adler im vergangenen Sommer aus Nordamerika zurück nach Deutschland holten. Doch nicht nur Tore mit viel Instinkt und Geschick, wie das geschilderte, zeichnen den 24-jährigen Marktoberdorfer aus, sondern genauso eine besondere Stärke im Powerplay. Mit zwölf Toren bei nummerischer Überlegenheit von seinen insgesamt 20 Treffern war er in der Hauptrunde der beste Spieler aller 14 DEL-Teams in dieser Kategorie. Auch in den Playoffs gegen Nürnberg traf er zwei Mal in Überzahl. In der Manier, wie es Alex Ovechkin von den Washington Capitals ähnlich praktiziert, hämmerte Eisenschmid den Puck vom linken Bullykreis aus nach dem Zuspiel direkt unter die Latte.

 

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Seine weiteren Tore waren ebenfalls von der schöneren Sorte und zeigten, welches Potenzial in ihm steckt. Schnörkellos im Abschluss und ein präziser Schuss, gepaart mit einer feinen Technik, wie bei seinem ersten Treffer in Spiel 1, als er von außen kommend nach innen zog, dabei zwei Gegner austanzte und mit einem satten Handgelenkschuss vollendete.

"Ich gehe raus und versuche mein Bestes zu geben", verdeutlicht Eisenschmid im Interview mit NHL.com/de. "Wenn ich das tue und meine Leistung abrufe, dann fallen auch die Tore."

Solche erfolgreichen Momente hätte Eisenschmid vielleicht die letzten Jahre mehr gebraucht, um in Nordamerika sesshaft zu werden und eine Chance in der NHL zu bekommen. 2013 wagte er, aus den Nachwuchsabteilungen des ESV Kaufbeuren kommend, den Sprung über den Atlantik und schloss sich dem kanadischen WHL-Team Medicine Hat Tigers an. Seine Leistungen dort führten dazu, dass der Stürmer im Jahr 2015 ohne jemals gedraftet worden zu sein, zum Trainingscamp der Montreal Canadiens eingeladen wurde und anschließend einen Vertrag bei den St. John's IceCaps, dem damaligen Farmteam der Canadiens, unterzeichnen konnte.

Im Januar 2017 schien Eisenschmid seinem Traum, irgendwann in der NHL zu spielen, erneut einen Schritt näher gekommen zu sein, als er einen Zwei-Wege-Vertrag mit Montreal abschloss. Doch auf eine Nominierung fürs NHL-Team wartete er vergebens. Stattdessen musste er sich in der Saison 2017/18 bei den Laval Rockets, dem neuen Farmteam der Kanadier, durchschlagen. Dort kam er in 57 AHL-Spielen auf sechs Tore und zehn Assists.

Eisenschmid entschied sich, nachdem er im April 2018 für die deutsche Nationalmannschaft debütierte, in seine Heimat zurückzukehren und unterschrieb für zwei Jahre in Mannheim. Das Kapitel NHL hat er deswegen längst noch nicht abgehakt. Dominik Kahun hat es schließlich im vergangenen Sommer vorgemacht, als er sich nach dem Wechsel vom Deutschen Meister EHC Red Bull München im Trainingscamp der Chicago Blackhawks durchsetzte und in den NHL-Kader spielte. Vor seiner Zeit in München hatte Kahun vergeblich versucht, über die kanadische Juniorenliga in der NHL zum Zuge zu kommen.

"Ja natürlich, es ist möglich", antwortet Eisenschmid kurz und prägnant, aber klar auf die Frage, ob die NHL weiterhin ein Thema sei. "Klar sind die Tore hilfreich, aber darum geht es momentan nicht. Wichtiger ist, dass ich konstant spiele, meine Leistung bringe und dem Team helfe zu gewinnen."

Ein Fakt, der dabei nicht unrelevant sein dürfte, ist, dass gerade in dieser Saison viele NHL-Scouts den Weg zu den Spielen der Mannheimer gefunden haben. So war beim Spiel 2 der Playoff-Serie in Nürnberg neben sechs Scouts von verschiedenen NHL-Teams kein Geringerer als General Manager Don Sweeney von den Boston Bruins höchstpersönlich auf der Pressetribüne anwesend.

Der Grund dafür war aber nicht Eisenschmids Leistung, sondern ein junger Verteidiger der Adler namens Moritz Seider, der es im Midterm-Ranking des NHL Central Scouting auf den sechsten Platz der internationalen Skater geschafft hat und der damit ein Kandidat für die erste oder zweite Runde beim NHL Draft 2019 sein dürfte, sollte diese Einschätzung in der abschließenden Wertung im April bestätigt werden.

"Sie sind alle hier, um Mo anzuschauen und sehen natürlich das Spiel und die anderen Spieler auch, ob noch jemand auffällt", betont Eisenschmid auf diese Tatsache angesprochen. "Diese Gelegenheit wäre sonst nicht gegeben." Eine Chance also auch für ihn, sich zu präsentieren.

 

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Die NHL verfolgt Eisenschmid nach eigener Aussage regelmäßig. "Ich sehe mir Spiele und Highlights an, auch aus persönlichen Gründen, denn ich will noch was lernen", erzählt er. "Schließlich sind die besten Spieler der Welt in dieser Liga vertreten."

Bei allen Spekulationen und Wünschen weiß Eisenschmid, dass es derzeit andere Prioritäten für ihn gibt. Das Ziel, die tolle Hauptrunde mit dem ersten Platz am Ende zusätzlich noch mit dem Gewinn der Meisterschaft in den DEL-Playoffs zu krönen, steht für ihn absolut im Vordergrund.

"Wir kämpfen seit Saisonbeginn für ein klares Ziel und haben uns eine gute Ausgangsposition dafür geschaffen", betont er. Mit seinen Toren schlägt er daher gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Er könnte sich Deutscher Meister nennen, dürfte sich seine Nominierung zur Weltmeisterschaft sichern und könnte dort weitere Scouts beeindrucken, um vielleicht schon im Sommer eine Einladung zu einem NHL-Trainingscamp zu erhalten.

Nachdem Eisenschmid nie gedraftet wurde und sein mit Montreal geschlossener Vertrag ausgelaufen ist, besitzt kein NHL-Team mehr die Rechte an ihm. "Ich bin frei verfügbar", sagt er verschmitzt lächelnd und zieht von dannen.

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