Kopitar-Doughty-Carter

Ab dem 1. November nimmt NHL.com/de mit seiner 31 in 31 Serie jedes Team genauer unter die Lupe. Von den wichtigsten Geschehnissen und Spielern bis hin zu Stärken und Schwächen, bieten wir eine umfassende Bestandsaufnahme der Klubs in der Liga.

In dieser Ausgabe geht es um die Los Angeles Kings.
Die Stadt Los Angeles ist von sich aus schon nicht die geeignete Bühne für Mittelmaß, oder gar Unterdurchschnittliches. Vor diesem Hintergrund ist es für die Verantwortlichen und Fans der Kings kein akzeptabler Dauerzustand, dass ihr NHL-Team nicht um den Stanley Cup-Titel mitspielt.
Die Organisation, die in der Vorsaison lediglich auf Rang 28 abschloss und damit die Postseason zum zweiten Mal in Serie klar verpasste, befindet sich aktuell noch immer in einem von Rückschlägen geprägten Neuaufbau.
Nach den Meisterschaften der Jahre 2012 und 2014 verpasste man es bei den Kings, den Kader rechtzeitig entsprechend zu verjüngen und in einem möglichst fließenden Übergang eine Mannschaft zu entwickeln, die zumindest dauerhaft vage Erfolgsaussichten auf eine Spitzenplatzierung in der Liga hat.
Jetzt wird der Kader im Tabellenkeller auf eine erfolgreichere Zukunft in der NHL ausgerichtet. Helfen soll dabei der Nummer-Zwei-Pick aus dem NHL Draft 2020, Quinton Byfield. Doch bis der erst 18-jährige Center in der Lage sein wird die Kings zu neuen Erfolgen zu führen, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit erst einmal weiterhin viel Geduld gefragt sein.
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Die Schlüsselspieler
Mit seit Jahren fest etablierten Größen der NHL wie Anze Kopitar, Dustin Brown, Drew Doughty oder auch Jonathan Quick im Team, macht der Kader der Kings auf den ersten Blick noch immer den Eindruck eines Titelkandidaten. Dabei haben alle diese Stars der NHL ihre besten Tage schon eine Weile hinter sich. Und noch immer vertraut man in Kalifornien auf ihre Künste, sind sie es, die Los Angeles zurück in den Kreis der Playoff-Teilnehmer führen sollen. Das ist sicherlich auch nicht ausgeschlossen, selbst wenn ihre Statistiken nicht mehr den Glanz früherer Tage versprühen. So brachte es Torhüter Quick in der zurückliegenden regulären Saison lediglich noch auf eine durchschnittliche Fangquote von 90,4 Prozent. Von 42 Starteinsätzen gelang es dem 34-Jährigen 16 Mal als Sieger das Eis zu verlassen. Kapitän Kopitar, inzwischen auch schon 33 Jahre alt, brachte es in 2019/20 in 70 Spielen immerhin auf 21 Tore und 41 Assists. Doch im Alter von über 30 ist die Zeit der verbliebenen Führungsspieler aus erfolgreichen Zeiten der Kings in der NHL nicht mehr unbegrenzt verfügbar. Die Jungen sind gefordert die Lücke zu den alten Recken schnellstmöglich zu schließen.

LAK@VGK: Kopitar nutzt Nachschuss im Powerplay

Sie könnten nachrücken
Neben der aktuellen Draft-Hoffnung Byfield verfügen die Kings schon über etliche andere hoffnungsvolle Talente im Unterbau ihrer Organisation. Zu nennen wären hier in erster Linie Alex Turcotte, Arthur Kaliyev und Gabe Vilardi.
Center Turcotte kam im Vorjahr in Reihen der Wisconsin Badgers zum Einsatz, wo er in 29 Spielen neun Tore und 17 Assists erzielte. Aktuell ist er an die Eisbären Berlin ausgeliehen, wo er sich fit hält. Derzeit ist noch offen, wo er in der kommenden Spielzeit seine Entwicklung vorantreiben soll. Denkbar ist, dass er in Berlin bleibt. Schließlich besteht zwischen den Kings und Eisbären eine Kooperation. Aber auch eine Rückkehr in die Staaten ist denkbar.
Flügelstürmer Kaliyev wird eine große Zukunft bei den Kings vorausgesagt. Für die Hamilton Bulldogs in der OHL überzeugte er mit 95 Toren und 105 Assists aus 124 Begegnungen. Er verfügt zudem bereits über Erfahrungen aus fünf Spielen (vier Treffer, zwei Assists) für das Team der USA bei den vergangenen Juniorenweltmeisterschaften. Der Pick Nummer 33 aus dem NHL Draft 2019 wird beim Saisonstart zunächst in Hamilton erwartet, dürfte aber auch im Trainingscamp der Kings seine Visitenkarte abgeben. Spätestens im kommenden Herbst sollte sein Weg in die NHL führen.
Center Vilardi hatte bereits im Vorjahr in zehn Spielen die Möglichkeit die Verantwortlichen in der Organisation von seinen Künsten in der NHL zu überzeugen. Der Nummer-Elf-Pick aus dem NHL Draft 2017 ist ein gefährlicher Zwei-Wege-Center, konnte in Los Angeles mit drei Toren und vier Assists auf sich aufmerksam machen, bevor die Liga aufgrund von Bedenken bezüglich des Coronavirus am 12. März die reguläre Saison vorzeitig beenden musste. In Ontario gelangen ihm in 32 Einsätzen neun Tore und 16 Vorlagen. Der 21-Jährige könnte es in der anstehenden NHL-Spielzeit zur festen Größe im Kader der Kings bringen.

Gabriel-Vilardi-Recalled-LA-Kings

Stärken
Es fällt schwer bei einem Team, das so tief im Tabellenkeller die Saison abschloss von echten Stärken zu sprechen. In der Offensive lagen sie bei den Kings in keinem Falle. Mit nur 177 erzielten Toren lag Los Angeles auf Rang 30 der Liga. Lediglich den Detroit Red Wings gelangen mit 142 noch deutlich weniger Erfolgserlebnisse.
Im Vergleich dazu lag die Defensive mit 209 Gegentreffern immerhin noch im Mittelfeld der Liga. Rang 18 im Ligavergleich hätten in dieser Einzelstatistik zumindest zur Teilnahme an der Qualifikation zu den Stanley Cup Playoffs gereicht, an der ja 24 Mannschaften teilnehmen durften. Von einer echten Stärke zu sprechen fällt in Anbetracht der durchschnittlichen Statistik jedoch auch hier schwer. Los Angeles muss sich in allen Bereichen deutlich verbessern, wenn es sportlich wieder zur Spitzengruppe gehören will.
Entwicklungspotenzial
Nicht nur die erfolgreiche Vertragsunterzeichnung von Byfield macht den Verantwortlichen der Organisation in diesen Tagen Hoffnung auf eine sportlich erfolgreichere Zukunft. Der im Wandel befindliche Kader der Kings ist nach den mageren Jahren zuletzt insgesamt mit einer beachtlichen Talenttiefe bestückt. Das Potenzial ist also durchaus da.
Es fehlt den Jungen jedoch ein wenig die Zeit um sich in Ruhe, zwischen gestandenen Profis entwickeln zu können. In einer Stadt wie Los Angeles ist man traditionell nicht sehr geduldig mit Talenten. Es zählt hier der Erfolg von heute und morgen. Kaum jemand wartet gerne ein paar Jahre auf einen erkennbaren Fortschritt. Diese Ungeduld ist in der Filmstadt besonders ausgeprägt. Man kann nur hoffen, dass sie den Talenten gewährt wird. Auch wenn es allen im Umfeld des Klubs schwerfällt….
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Playoff-Chancen
Nur die allergrößten Optimisten sehen die Kings in der kommenden Postseason. Dafür waren die Kaderveränderungen in diesem Herbst bisher schlicht zu gering. Die jungen Talente, die es im Kader durchaus zu genüge gibt, werden sich steigern. Ob das alleine jedoch ausreicht, um das Team schon im kommenden Frühjahr wieder in die K.o.-Phase zu führen, muss mit Skepsis betrachtet werden. Nur bei einem wirklich optimalen Saisonverlauf werden sich die Kings in die obere Tabellenregion hieven können. Zu erwarten ist lediglich eine marginale Verbesserung im Vergleich zur Vorsaison. Es braucht noch Geduld bei denen, die es mit Los Angeles halten.