Ein besseres Drehbuch hätte man für ein Eishockeyspiel kaum schreiben können. In der Navy Federal Credit Union Stadium Series 2026 ging es zwischen den Tampa Bay Lightning und den Boston Bruins unter freiem Himmel hin und her. In einem Spiel, das jede Menge Tore und Härte hatte, setzten sich die Lightning als Heimteam im Raymond James Stadium vor gut 65000 Zuschauern am Ende nach einem 1:5-Rückstand mit 6:5 im Penaltyschießen durch.

Die Torhüter Andrei Vasilevskiy und Jeremy Swayman hatten alle Hände voll zu tun. Vasilevskiy hielt 28 Schüsse für Tampa, Swayman zeigte für Boston 41 Paraden. Der Star des Spiels war Nikita Kucherov mit vier Punkten (ein Tor, drei Assists). Für die Lightning war es der dritte Sieg in Folge.

„Großartiges Spiel“, freute sich Vasilevskiy am Ende über das Comeback. „Es war echt kalt. Wir sind leider nicht so gut ins Spiel gekommen. In der ersten Hälfte hatten sie uns im Griff und wir lagen mit 1:5 zurück. Dann das Spiel so zu gewinnen, ist unglaublich.“

Dominanter Start der Bruins

Brandon Hagel lieferte zunächst einen Blitzstart für die Lightning. Er stürmte vom Eröffnungsbully weg nach vorne und traf nach nur elf Sekunden mit einem Schuss aus dem Slot auf Vorlage von Nikita Kucherov und Darren Raddysh. Es war das schnellste Tor jemals in einem Outdoor-Spiel.

BOS@TBL: Hagel bringt Lightning in der Stadium Series früh in Führung

Das sollte für Tampa allerdings der einzige Grund zur Freude im ersten Drittel bleiben. Die Bruins dominierten unter ihrem deutschen Trainer Marco Sturm die übrigen 20 Minuten, auch da die Lightning drei Mal auf die Strafbank mussten. Zur ersten Drittelpause lautete das Torschussverhältnis 20:8.

In der zwölften Minute fing Michael Eyssimont einen Versuch zu klären im gegnerischen Drittel ab und bediente Alex Steeves im Slot, der für den Ausgleich sorgte. Vier Minuten später fälschte Morgan Geekie vor dem Tor einen harmlos anmutenden Schuss von Charlie McAvoy ab und der Puck trudelte zwischen den Schonern von Torwart Andrei Vasilevskiy durch über die Linie. Knapp zwei Minuten vor der Pause fälschte Viktor Arvidsson ebenfalls vor dem Tor einen Schuss von McAvoy ab und sorgte so für das 3:1.

Boston gnadenlos effizient

Der zweite Spielabschnitt war ein Spiegelbild der ersten 20 Minuten, genauso dominant, nur umgekehrt. In einem Spiel, das auch emotional an fahrt aufnahm und zunehmend ruppiger wurde, feuerten die Lightning 22 Torschüsse ab und ließen nur neun zu. Allein in diesem Drittel gab es elf Strafen, unter anderem gegen die beiden Torhüter, die sich während einer Spielunterbrechung trafen, um die Fäuste fliegen zu lassen.

Trotzdem kam Boston zu seinen Chancen und nutzte sie gnadenlos. Marc Kastelic eroberte die Scheibe in der 23. Minute in der neutralen Zone. Er spielte zu Matthew Poitras in die Mitte ab und der verwertete seine Chance mit einem Rückhandschuss aus dem Slot. Es war sein erstes Saisontor in seinem zweiten Spiel.

Marat Khusnutdinov nahm den Lightning den Puck einige Minuten später im Drittel der Bruins ab und schickte David Pastrnak zum Konter los. Der spielte vor dem Tor einen Querpass auf den mitlaufenden Geekie und der Torjäger sorgte mit seinem 32. Treffer der Saison in der 29. Minute für das 5:1.

BOS@TBL: Geekie schießt sein zweites Tor der Stadium Series

Powerplay bringt Lightning wieder ins Spiel

Für den Rest des Mittelabschnitts sollten sich die Bruins durch eine Serie von Strafen dann selbst in Schwierigkeiten bringen und den Lightning das Comeback ermöglichen. Während McAvoy auf der Strafbank saß, verwertete Oliver Bjorkstrand in der 31. Minute eine Chance im Powerplay und gab damit den Startschuss für die Aufholjagd.

Ähnliches: Bruins verspielen Traumstart auf großer Bühne

In der 35. Minute verkürzte Raddysh mit einem Direktschuss von der blauen Linie bei doppelter Überzahl auf 3:5. Sean Kuraly kassierte eine weitere Strafe und Nick Paul nutzte die erneute doppelte Überzahl, indem er in der 37. Minute eine Hereingabe von Jake Guentzel aus nächster Nähe ins Tor weiterleitete. Tampa verwertete drei von acht Powerplays, während Boston bei drei Gelegenheiten ein Mal in Überzahl traf.

„Da müssen wir besser sein“, erklärte Sturm. „Am Ende ist man für sein Spiel verantwortlich und wenn du einem Spieler wie Kucherov zehn Minuten im Powerplay gibst, hast du etwas falsch gemacht.“

BOS@TBL: Lightning nutzen drei Mal in sechs Minuten die Überzahl

Spannung pur zum Abschluss

Im Schlussabschnitt bekamen beide Teams ihre Defensive und ihre Disziplin in den Griff. Es gab keine weiteren Strafen und nur 7:5 Torschüsse zugunsten der Lightning. Einen dieser Versuche nutzte aber Kucherov. In der 52. Minute zog er direkt aus dem rechten Bullykreis ab und erzwang damit die Verlängerung. Er hatte zuvor bereits drei Tore vorbereitet. Für Tampa war es das erste Vier-Tore-Comeback der Franchise-Geschichte.

„In der zweiten Hälfte haben wir einfach zu unserem Spiel gefunden“, erklärte Vasilevskiy schlicht. „So einfach ist das. Wir haben dann nicht viel zugelassen. Aus irgendeinem Grund haben wir die ersten 30 Minuten einfach verpasst. Dann haben wir aber wichtige Powerplaytore geschossen und Kucherov hat im dritten Drittel getroffen.“

Die Lightning dominierten die Verlängerung, doch zwischenzeitlich jubelten die Bruins kurz irrtümlich. David Pastrnak hatte den Puck im Tor untergebracht, allerdings hatte der Schiedsrichter die Partie zuvor bereits unterbrochen, sodass das Tor nicht zählte. Stattdessen musste der vermeintliche Torschütze wegen Stockschlags auf die Strafbank. Im Penaltyschießen entschied am Ende Guentzel die Partie als einziger erfolgreicher Schütze.

„In der Verlängerung dachte ich, dass Pasta getroffen hat, stattdessen war es eine Strafe. Das ganze Spiel war verrückt“, sagte Vasilevskiy. „Aber wir haben gewonnen, das passt.“

Tampa baut seinen Vorsprung an der Spitze der Atlantic Division damit auf vier Punkte vor den Detroit Red Wings aus. Vor der Olympia-Pause stehen für die Lightning noch zwei Heimspiele an, am Dienstag gegen die Buffalo Sabres und am Donnerstag gegen die Florida Panthers.

Boston verpasste die Chance, in der Atlantic Division mit den drittplatzierten Montreal Canadiens gleichzuziehen und hält weiterhin die erste Wildcard der Eastern Conference. Für sie steht am Mittwoch noch ein Auswärtsspiel gegen die Panthers an.

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