Die Boston Bruins, das Team von Ex-Bundestrainer Marco Sturm, haben am Sonntag im Rahmen der Navy Federal Credit Union Stadium Series 2026 eine große Chance liegen lassen. Im Raymond James Stadium von Tampa Bay verspielten die Gäste vor imposanter Kulisse von rund 65.000 Zuschauern eine scheinbar komfortable Führung und unterlagen den Tampa Bay Lightning am Ende mit 5:6 nach Shootout. Besonders bitter: Zur Spielmitte hatten die Bruins bereits mit 5:1 geführt und das Geschehen scheinbar unter Kontrolle.

Ähnliches: Lightning stürmen in Stadium Series zum Comeback

Was folgte, war ein Einbruch, wie ihn selbst langjährige NHL-Beobachter nur selten erleben. Die Lightning kämpften sich Tor um Tor zurück, während Boston zunehmend die Sicherheit verlor. Am Ende stand nicht nur eine schmerzhafte Niederlage, sondern auch eine verpasste Gelegenheit im engen Rennen um die Plätze für die Stanley Cup Playoffs.

Ein Spiel, das selbst Profis sprachlos machte

„So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte Center Matthew Poitras nach seinem erst zweiten Einsatz in der Saison 2025/26. „Das war wahrscheinlich das verrückteste Spiel, an dem ich je teilgenommen habe. Es kam mir auch wie ein extrem langes Spiel vor.“ Poitras brachte damit auf den Punkt, was viele Spieler nach Abpfiff empfanden: Fassungslosigkeit.

Auch Torjäger David Pastrnak rang nach Worten. „Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was passiert ist. Ich verstehe das nicht“, erklärte der Tscheche. Dabei hatten die Bruins einen Start hingelegt, der kaum besser hätte sein können. Allein im ersten Drittel feuerten sie 20 Schüsse auf das Tor der Lightning ab – ein Wert, der in der Geschichte der NHL-Freiluftspiele nur einmal erreicht wurde, 2014 von den Los Angeles Kings gegen die Anaheim Ducks.

Zur Spielmitte schien Boston alles im Griff zu haben. Die Defensive stand stabil, offensiv nutzte man die sich bietenden Chancen konsequent. Doch mit dem zweiten Tor des Tages der Lightning begann das Momentum zu kippen. Kleine Fehler, verlorene Zweikämpfe und fehlende Klarheit im eigenen Spielaufbau luden den Tabellenführer der Atlantic Division förmlich zur Aufholjagd ein.

BOS@TBL: Lightning nutzen drei Mal in sechs Minuten die Überzahl

Sturm sucht das Positive – Frust überwiegt

Trainer Sturm versuchte nach der Partie, trotz der Enttäuschung positive Aspekte hervorzuheben. „Es hat insgesamt natürlich Spaß gemacht, hier dabei gewesen zu sein. Die Menschen in Tampa, die Zuschauer und die gesamte Atmosphäre waren wirklich toll“, sagte der Deutsche. „Ich bin sehr stolz auf meine Jungs und ihre Leistung insgesamt. Wir nehmen diesen Punkt mit. Heute sind wir enttäuscht, aber morgen ist ein neuer Tag.“

Gleichzeitig analysierte Sturm die entscheidenden Faktoren nüchtern. „So wie das Spiel gelaufen ist, hatten wir einfach nicht die nötige Gelassenheit. Hockeytechnisch waren sie nicht besser als wir. Sie waren auch nicht härter, aber sie haben ihre Chancen genutzt. Wir haben die Ruhe verloren – und das hat uns einen Punkt gekostet.“

Deutlich kritischer äußerte sich Doppeltorschütze Morgan Geekie. „Wir wissen, dass sie ein großartiges Team sind. Aber es ist extrem ärgerlich, dass wir zwischenzeitlich so deutlich geführt haben, das Spiel kontrollierten und es dann einfach wieder abgegeben haben“, sagte er. „Gerade in unserer Division und angesichts dessen, worum wir gerade spielen, tut das besonders weh.“

BOS@TBL: Geekie schießt sein zweites Tor der Stadium Series

Tabellensituation verschärft Enttäuschung

Die Niederlage wog auch deshalb schwer, weil sie unmittelbare Auswirkungen auf die Tabelle hatte. Die Lightning waren mit einer Bilanz von 34-14-4 als Spitzenreiter der Atlantic Division in die Partie gegangen. Boston, mit 32-20-3 auf dem zweiten Wildcard-Platz liegend, hatte die große Chance, den Rückstand auf drei Punkte zu verkürzen – und das auf der ganz großen Bühne eines Outdoor-Games.

Stattdessen vergrößerte Tampa Bay den Abstand sogar um einen Zähler, hat mit 74 Punkten aus 53 Begegnungen nun sechs mehr als Boston, das nach 56 Einsätzen bei 68 Zählern steht. Der Trost, als neuntes Team in der Geschichte eines NHL-Freiluftspiels zumindest die Verlängerung erreicht zu haben, verpuffte bei den Bruins schnell. Zum dritten Mal überhaupt fiel die Entscheidung bei einem Outdoor-Spiel im Shootout, nachdem zuvor sechs Partien in der Overtime entschieden worden waren.

Auch statistisch bot die Begegnung Spektakel: Mit fünf Toren im Mitteldrittel wurde der höchste Wert in einem Outdoor-Spiel seit dem Winter Classic 2022 erreicht. Insgesamt 80 Torschüsse (Lightning 46, Bruins 34) bedeuteten zudem die zweithöchste jemals registrierte Schussanzahl in einem NHL-Freiluftspiel. Doch all das konnte die Verlierer kaum trösten.

„Das tut sehr weh“, fasste Verteidiger Charlie McAvoy die Gefühlslage zusammen. „Die Art und Weise, wie das passiert ist, war extrem bitter mitzuerleben.“ Das spektakulärste Comeback der Franchise-Geschichte der Lightning ließ die zwischenzeitliche Vier-Tore-Führung der Bruins schnell verblassen – und machte den Abend in Tampa für Boston zu einer schmerzhaften Erinnerung.

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