„Es war frustrierend. Ich möchte mich aber auch nicht zu lange mit der Vergangenheit beschäftigen. Ich habe in meine Karriere einige Fortschritte gemacht und gezeigt, dass ich eine Chance in der besten Liga verdient habe. Hoffentlich kann ich mich hier zeigen“, so Gawanke. „Im Hinterkopf hatte ich immer auf einen Trade gehofft und dass meine Karriere in Nordamerika noch nicht vorbei ist. Ich bin glücklich und dankbar für diese Möglichkeit. Als ich gehört habe, dass die Sharks Interesse haben, musste ich nicht zweimal überlegen und wusste, dass ich das machen werde. Ich freue mich darauf, jetzt loslegen zu können. Zum Glück hat sich alles zum Guten gewendet. Ich bin sehr froh, hier zu sein.“
Der Tapetenwechsel scheint nicht nur dem Sportler, sondern auch dem Menschen Gawanke gut zu tun. „Zu allererst habe ich mich gefreut, dass ich hier endlich mal schönes Wetter habe“, sagte er mit einem Lachen, angesichts vieler Sonnenstunden und warmer Temperaturen in Nord-Kalifornien, verglichen mit den dunklen Wintern mit klirrender Kälte in Winnipeg. „Meine Freundin und ich haben schon viel sehen können. Wir waren auf Alcatraz und in Santa Cruz. Die Sonne scheint immer, das habe ich in den letzten Jahren vermisst. Aufstehen und nach draußen gehen – das ist ein ganz neues Lebensgefühl.“
In einer Reihe mit Ferraro
Die Vorfreude von Gawanke auf die Sharks war groß – und beruht auf Gegenseitigkeit. Trainer David Quinn stellte ihn in einem Abwehr-Tandem mit Top-Verteidiger Mario Ferraro auf.
„Er hat viel Erfahrung und ist ein großartiger Spieler“, sagt Gawanke über Ferraro. „Es hat da draußen Spaß mit ihm gemacht. Er redet viel, er feuert die Jungs an und hat einen tollen Charakter. Er hat mir in den ersten Wechseln sehr geholfen.“
Quinn, der Gawanke bei der Weltmeisterschaft 2023 in Finnland und Lettland als Nationaltrainer der USA gleich zweimal gegenüberstand, scheint viel mit dem Deutschen vorzuhaben. „Er hat mir schon bei der WM gefallen und habe mich darauf gefreut, dass wir ihn bekommen haben, denn ich wollte unbedingt einen rechtsschießenden Verteidiger mit seinen Offensivfähigkeiten und seiner Mobilität haben“, sagte San Joses Coach. „Er wird seine Chance bekommen.“
Der Vergleich mit Karlsson
Sollte es Gawanke tatsächlich ins Top-Pärchen schaffen, wäre er der direkte Nachfolger von Erik Karlsson. Der dreimalige Norris-Trophy-Gewinner und Top-Verteidiger der Vorsaison wurde zu den Pittsburgh Penguins getradet. Damit ist der Platz neben Ferraro vakant und scheint wie gemalt für einen mobilen und schussstarken Rechtsschützen.
„Ich glaube, dass keiner erwartet, dass ich hierherkomme und direkt die Rolle eines Erik Karlsson übernehme“, meinte Gawanke darauf angesprochen. „Es ist schwer, mich mit so einem großen Spieler zu vergleichen. Es war trotzdem cool, ihn hier zumindest ein paar Tage erleben zu dürfen, denn er war immer mein Vorbild. Hoffentlich bin ich einer der Spieler, der seinen Platz nun einnehmen kann. Ich muss mich jetzt erstmal zeigen und für einen Platz in der Aufstellung bewerben. Es gibt also noch ein paar Schritte zu gehen.“
Insbesondere bei seinem Defensivspiel will sich Gawanke verbessern: „Daran muss ich arbeiten, wenn ich es in die NHL schaffen möchte. Darauf konzentriere ich mich. Auch in der Vorbereitung lag darauf der Fokus. Ich konnte mich zuletzt schon steigern und will das weiterhin tun. Ich muss darüber hinaus noch fitter werden. Schon in den letzten Jahren habe ich Muskeln und Kraft aufgebaut, jetzt muss ich sie noch schneller bewegen können und eine bessere Ausdauer bekommen, um auf einem so hohen Level meine Leistung bringen zu können. Ich habe im Sommer an Fett verloren, das ist immer gut.“