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Die Capitals dürften gewarnt sein

Torontos Stürmer Kapanen schoss zwei Tore in Spiel 2. Capitals müssen auf die 4. Reihe aufpassen

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Mit ihnen haben nur wenige gerechnet, vielleicht auch nicht die Washington Capitals. Brian Boyle, Matt Martin und Kasperi Kapanen lauten die Namen in chronologischer Reihenfolge ihrer Geburtsjahre 1984, 1989 und 1996. Bei den Toronto Maple Leafs bilden sie die vierte Sturmformation und sie sind, wie in Spiel 2 der Eastern Conference Erstrundenserie deutlich zu sehen war, mehr als nur eine Ergänzungsreihe, die etwa nur zum Einsatz kommt, damit die Teamkollegen etwas mehr Zeit zur Erholung bekommen, oder deren Aufgabe einzig darin besteht, den Spielfluss des Gegners zu zerstören.

Auf einem solchen hohen sportlichen Niveau benötigt ein Team, das heutzutage im Eishockey erfolgreich sein will, vier Sturmreihen die Torgefahr ausstrahlen - gerne wird dann auch von der Tiefe im Kader gesprochen. Aufgrund ihres ausgeglichen besetzten Kaders beendeten die Capitals die reguläre Saison 2016/17 als punktbestes Team der Liga, aufgrund ihrer erfahreneren Spieler galten sie als der haushohe Favorit gegen die Maple Leafs, die mit neun Playoffdebütanten in die Serie gingen.

"Ich glaube nicht, dass auch nur einer von uns hierhergekommen ist, um einfach nur Erfahrung zu sammeln. Wir wollten hier richtig dabei sein", sagte Torontos Schlussmann Frederik Andersen im Anschluss des 4-3 Overtimeerfolgs. Mit seinen 27 Auftritten für die Anaheim Ducks zählt der 27-jährige Däne zu jenen mit der meisten Playoffpraxis.

Gerade einmal 17 NHL-Spiele hat Kapanen bestritten, acht Tage ist es her, dass der 20-Jährige am 8. April dieses Jahres sein erstes NHL-Tor markieren konnte, und nun bezwang er zweimal Vezina Trophy Gewinner Braden Holtby im Tor der Capitals.

Video: TOR@WSH, Sp2: Kapanen erzielt Sieg in zweiter OT

Dank Kapanens Treffer in der zweiten Overtime konnten die Ahornblätter die Playoffserie zum 1-1 ausgleichen. Bereits das 2-2 im zweiten Drittel, nachdem die Hausherren zuvor durch zwei Powerplaytore in Führung gegangen waren, ging auf das Konto des 20-jährigen Stürmers. "Ich bin voller Tatkraft. Es waren zwei wichtige Tore und ich glaube unser Team hat heute ein richtig gutes Spiel abgeliefert. Wir hatten uns einen Sieg erhofft und ich bin sehr glücklich, dass er uns gelungen ist."

Es war ein Achtungserfolg, an dem die vierte Reihe der Maple Leafs ihren maßgeblichen Anteil hatte. Boyle bewies immer ein Auge für seinen Mitspieler, selbst wenn er ihn kaum sehen, sondern nur hören konnte. So wie beim Game Winner, als er von hinter dem Tor mit dem Rücken zu Kapanen stehend, diesen millimetergenau die Scheibe auf die Kelle legte, so dass dieser sie nur noch einnetzen musste. "Ich glaube ein Verteidiger hatte seinen Schläger verloren, ich schrie nach dem Puck. Der Weg war frei und dann kam dieser geniale Pass."

Zusammen brachten es Martin, Boyle und Kapanen, in der Reihenfolge ihrer Trikotnummern 15, 24 und 28 auf acht Torschüsse, 13 Checks und sie gewannen 68,4 Prozent ihrer Bullys.

Toronto hat in Spiel Zwei durch eine geschlossene Mannschaftsleitung bewiesen, dass es nicht nur mithalten, sondern auch den übermächtig erscheinenden Gegner bezwingen kann. Das macht Lust auf mehr, auch bei dem in der Nacht auf Sonntag unterlegenem Gegner.

"Das macht einfach Spaß", sagte Washingtons Stürmer Justin Williams. "Du bist hier draußen. Es geht in die Overtime und du weißt, dass du derjenige sein könntest, der das Spiel beendet. Wir erwarten eine lange Serie gegen Toronto. Einen solchen Kampf haben wir uns gewünscht."

Zum nächsten Aufeinandertreffen in der Serie kommt es am Montag im Air Canada Center von Toronto (7 p.m. ET).

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