Holzer

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In dieser Ausgabe: Korbinian Holzer (Avtomobilist Yekaterinburg)

Mit 32 Jahren hat sich Korbinian Holzer noch einmal auf ein Eishockey-Abenteuer eingelassen. Seit Dezember vorigen Jahres spielt er für Avtomobilist Yekaterinburg in der KHL. Die ersten Monate ließen sich gut an für den langjährigen NHL-Profi. Der Münchner gehörte zum Stammpersonal seines Klubs und brachte es auf 21 Einsätze und vier Scorerpunkte (ein Tor, drei Assists).
Besonders erfolgreich verlief die Woche zwischen dem 11. und 17. Januar. Holzer gewann alle vier Partien mit Yekaterinburg, erzielte ein Tor und bereitete einen Treffer vor. Hinzu kam in der Plus-Minus-Bilanz ein Wert von +4. Aufgrund seiner starken Darbietungen wurde er zum Verteidiger der Woche ernannt.
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Bei seinem russischen Arbeitgeber ist Holzer übrigens nicht der einzige Spieler mit einem deutschen Pass. Seit 2019/20 steht bei Avtomobilist auch Nationalspieler Brooks Macek unter Vertrag. Der Stürmer war nach einem einjährigen Gastspiel bei den Chicago Wolves in die KHL gewechselt.
Holzer war sich bereits seit Anfang November mit Yekaterinburg handelseinig. Doch bis zum Debüt in der KHL gingen noch einmal vier Wochen ins Land. "Coronabedingt hat alles etwas länger gedauert", sagte Holzer in einem Interview mit dem Münchner Merkur. "Ich musste verschiedene Unterlagen einreichen, ein spezielles Schreiben vom Verein, einen Arbeitsvertrag und was weiß ich noch alles. Das Ganze wurde dann erst von den russischen Behörden bearbeitet", berichtete der Defensivspezialist, der am 16. Februar seinen 33. Geburtstag feierte.
Doch der Schritt hat sich für Holzer nach eigener Aussage gelohnt. Yekaterinburg sei eine gute Organisation und habe eine gute Mannschaft. Die Stadt gefalle ihm ebenfalls. "Das alles hatten mir viele Leute vorher schon gesagt und ich kann das nur bestätigen."
Trainer in Yekaterinburg ist der ehemalige kanadische Nationalcoach Bill Peters, der in der NHL bei den Carolina Hurricanes und den Calgary Flames als verantwortlicher Mann an der Bande stand. Grundsätzlich unterscheide sich jedoch das Eishockey in der KHL von dem in den NHL. "Die KHL ist europäisch geprägt. Man versucht spielerische Lösungen zu finden. Nicht nur immer die Scheibe tief ins gegnerische Drittel spielen und dann forechecken wie in Nordamerika", erläuterte Holzer.
Die Top-Teams in der KHL besäßen allesamt ein hervorragendes Niveau. Selbst bei jenen Mannschaften, die auf den hinteren Tabellenplätzen rangierten, bekomme man nichts geschenkt. Das Tempo im Spiel sei hoch und die meisten Spieler seien technisch sehr beschlagen.
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Vier Spieltage vor Schluss ist Avtomobilist die Teilnahme an den Playoffs in der KHL nicht mehr zu nehmen. Das Team belegt mit 64 Punkten aus 56 Spielen den achten Rang in der Eastern Conference. An den verbleibenden vier Spieltagen besteht allerdings noch die Möglichkeit, ein paar Plätze nach oben zu klettern.
Vor seinem Trip nach Russland hat Holzer zehn Jahre in Nordamerika gespielt. Seine erste Station waren die Toronto Maple Leafs, die ihn beim NHL Draft 2006 in der vierten Runde an Gesamtposition 111 ausgewählt hatten. Vier Jahre später feierte er seine NHL-Premiere im Trikot mit dem Ahornblatt auf der Brust. 2015 wechselte er zu den Anaheim Ducks. Bei beiden Organisationen kam er auch immer wieder in den AHL-Filialen, den Toronto Marlies und den San Diego Gulls, zum Einsatz. Bei der NHL Trade Deadline am 25. Februar 2020 wurde er von den Ducks zu den Nashville Predators transferiert. Bei der Free Agency im Anschluss an die vergangene NHL-Saison fand sich kein neuer Klub für den Verteidiger.

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In der NHL sind für Holzer bis dato 206 Spiele und 27 Scorerpunkte (sechs Tore, 21 Assists) verzeichnet. In den Playoffs bestritt er fünf Partien, in denen er ohne Zähler blieb. In der AHL stehen für ihn 297 Begegnungen (12 Tore, 67 Assists, 79 Punkte) in der regulären Saison und 35 Partien (drei Tore, sieben Assists, zehn Punkte) in der Endrunde zu Buche.
Der Vertrag von Holzer bei Avtomobilist gilt bis zum Ende der Spielzeit 2020/21. Was danach kommt, wolle er auf sich zukommen lassen. Eine Rückkehr nach Nordamerika sei nicht ausgeschlossen. Das hänge aber von verschiedenen Faktoren ab, vor allem von der Familie.