CHI@FLA: Toews, Kane, Crawford führen Hawks zum Sieg

In der Stanley Cup Qualifikationsrunde greifen 24 Mannschaften ins Geschehen ein. NHL.com/de hat ihre Stärken analysiert und den X-Factor der einzelnen Teams herausgepickt. In dieser Ausgabe: Die Golden Oldies Chicago Blackhawks.

Die Chicago Blackhawks haben in der Qualifikationsrunde die Chance, sich erstmals seit der Saison 2016/17 für die Stanley Cup Playoffs zu qualifizieren. In der regulären Saison kamen sie vor der Unterbrechung aufgrund der Coronavirus-Pandemie am 12. März auf 72 Punkte aus 70 Spielen (32-30-8). Damit sicherten sie sich den letzten Platz für die Qualifikation und werden in einer Best-of-5-Serie gegen die Edmonton Oilers antreten. Ein entscheidender Faktor dürfte in der Serie der Auftritt der erfahrensten Spieler des Teams werden.
Bei den Blackhawks gibt es fünf Golden Oldies, die die jüngere Vergangenheit des Teams entscheidend prägten und weiterhin zu den Schlüsselspielern gehören. Torwart Corey Crawford (35), die Verteidiger Duncan Keith (36) und Brent Seabrook (35) sowie die Stürmer Patrick Kane (31) und Jonathan Toews (32) sind allesamt über 30 Jahre alt und waren nie für ein anderes NHL-Team aktiv. Die Blackhawks drafteten alle fünf, sie funktionierten zusammen und führten das Franchise zur erfolgreichsten Ära seiner Geschichte. Kane, Toews, Seabrook und Keith gewannen mit den Blackhawks 2010, 2013 und 2015 den Stanley Cup, Crawford war bei den letzten beiden Triumphen mit an Bord.

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In den vergangenen beiden Saisons befanden sich die Blackhawks in einer ungewohnten Situation, sie mussten nach der regulären Saison direkt in die Sommerpause, ganz ohne Playoffs, die sie zuvor neun Mal in Folge erreicht hatten. An den "alten Männern" lag es jedoch nicht. Über die beiden enttäuschenden Saisons führte Kane das Team wie gewohnt mit beeindruckenden 186 Punkten (71 Tore, 115 Assists) an, gefolgt von Kapitän Toews mit 133 Punkten (55 Tore, 78 Punkte). Keith (acht Tore, 64 Assists, 72 Punkte) und Seabrook (zwölf Tore, 42 Assists, 54 Punkte) lagen bei den Verteidigern auf Platz zwei und drei hinter Erik Gustafsson, der in der Saison 2017/18 alleine 60 Punkte (17 Tore, 43 Assists) erzielte.
Crawford verbuchte von allen in Chicago eingesetzten Torhütern in dieser Zeit die beste Fangquote (91,7 Prozent) und kassierte die wenigsten Gegentore pro Spiel (2,66). Zudem war er der einzige Torhüter, der ein Spiel ohne Gegentor überstand (vier Shutouts), abgesehen von Scott Foster, der als Notfall-Torwart für 14:01 Minuten auf dem Eis stand und bei sieben Schüssen kein Tor zuließ.
In der aktuellen Saison bestätigte sich die Bedeutung der Veteranen. Der Topscorer der Blackhawks? Natürlich Kane mit starken 84 Punkten (33 Tore, 51 Assists) in 70 Spielen, der achtbeste Wert der Liga. Wer folgt ihm auf Rang zwei? Selbstverständlich sein guter Freund Toews mit 60 Zählern (18 Tore, 42 Assists). Die meisten Punkte von einem Verteidiger? Was für eine Frage, Keith war an 27 Toren beteiligt (drei Tore, 24 Assists). Und Crawford bestritt 40 der 70 Spiele (39 Starts) und kam mit 91,7 Prozent Fangquote und 2,66 Gegentoren pro Spiel auf ordentliche Werte, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass kein Team mehr Schüsse pro Spiel aufs eigene Tor bekam (35,1) als die Blackhawks.

ANA@CHI: Kane mit einem Onetimer vom Slot

Lediglich Seabrook fiel mit vier Punkten (drei Tore, ein Assist) aus dem Raster, allerdings auch bedingt durch das sehr frühe Ende seiner Saison. Er musste von Dezember bis Februar zwei Hüftoperationen und eine Schulter-OP über sich ergehen lassen und kam daher nur auf 32 Spiele. Er trainiert mittlerweile wieder, ob er rechtzeitig für die Qualifikation wieder fit ist, ist allerdings noch offen.
Diese Spieler, ihre Leistungen und ihre Erfahrung werden für die Blackhawks ein entscheidender Faktor sein. Kommen Punktefabrikant Kane und Spielmacher Toews nicht in Fahrt, sieht es für die Offensive düster aus. Finden sie ihren Rhythmus, sind die Blackhawks extrem torgefährlich. Wenn Keith und vielleicht auch Seabrook in Bestform sind, würde das die Torhüter entlasten und den Spielaufbau entscheidend verbessern. Schaffen sie das nicht, bekommen Toews und Kane weniger Pucks serviert, müssen mehr nach hinten arbeiten und werden weniger torgefährlich. Crawfords Form wird besonders nach dem Abgang von Robin Lehner zu den Vegas Golden Knights ein wichtiger Faktor werden, vor allem in der Qualifikation gegen die Edmonton Oilers, die mit Leon Draisaitl und Connor McDavid die beiden besten Scorer der Saison ins Feld schicken.
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Der entscheidende Vorteil der Blackhawks könnte die Routine ihrer Golden Oldies sein. Sie kommen zusammen auf 591 Playoff-Spiele und beweisen seit über einem Jahrzehnt, dass sie sich genau in diesen entscheidenden Spielen am wohlsten fühlen. Ihre Führungsqualitäten und ihre geballte Erfahrung fehlen vielen Teams in der Qualifikationsrunde. Zum Vergleich: Während Kane und Toews insgesamt 255 Playoff-Spiele vorzuweisen haben, sind es bei Draisaitl und McDavid gerade mal 26.
Die Blackhawks verfügen über einen starken Kern an Stanley-Cup-Champions. Diese Spieler wollen ihrer Karrierebilanz einen weiteren Titel hinzufügen. Die Chancen dafür werden in einer Liga, die sich immer mehr zu Jugend und Schnelligkeit entwickelt, nicht besser. Doch so wie man Keith, Seabrook, Crawford, Toews und Kane kennt, dürfte sie das nur noch mehr motivieren und stärker machen.