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Lösen die Tampa Bay Lightning das Ticket für das Stanley Cup Finale 2020? Oder erzwingen die New York Islanders ein allesentscheidendes Spiel 7 in der Eastern-Conference-Final-Serie (Stand: 2:3)? In der Nacht von Donnerstag auf Freitag (2 Uhr MESZ; 8 p.m. ET; NHL.com, DAZN, Sport1+) geben die Islanders und Lightning in Spiel 6 eine Antwort auf diese Fragen.

Fünf Faktoren, die es zu beachten gilt:
Defensive zuerst? Eine Frage der Balance!
In Spiel 5 legte New York den Fokus auf die Defensive. Dass es mehr geblockte (62) als aufs Tor abgegebene Schüsse (61) gab, spricht Bände. "In den Stanley Cup Playoffs geht es mehr um Einsatz als um artistische Elemente", sagte Islanders-Trainer Barry Trotz. "Es gibt so viele Zweikämpfe, keinen Raum und keine Zeit."
Gleichwohl möchte New York trotzdem mehr in die eigene Offensive investieren. In bislang fünf Spielen dieser Serie schossen die Islanders nur einmal mehr als zwei Tore, beim 5:3-Sieg in Spiel 3. "Du musst trotzdem angreifen", stellte Kapitän Anders Lee klar. "Wir müssen das Momentum, das wir in Spiel 5 bekommen haben, ins nächste Spiel mitnehmen."
Die richtige Balance aus Defensive und Offensive bleibt ein Ritt auf der Rasierklinge für New York, das zuletzt weniger auf Forechecking setzte und stattdessen die neutrale Zone verdichtete, um das blitzschnelle Umschaltspiel der Lightning zu bremsen.

NYI@TBL, Sp5: Pulock zieht ab und trifft

Zweimal 11/7-Aufteilung
Nicht der einzige taktische Kniff von Trotz. Üblicherweise stellen NHL-Trainer zwölf Stürmer (vier Reihen) und sechs Verteidiger (drei Pärchen) auf. In Spiel 5 aber brach Trotz mit diesem Schema und schickte nur elf Stürmer sowie sieben Verteidiger aufs Eis.
"Ich habe gespürt, dass wir Energie in der Verteidigung brauchen und wollte die Eiszeiten besser verteilen", erklärte der Islanders-Coach angesichts des Dauerdrucks von Tampa Bays spielstarker, temporeicher und durchschlagskräftigen Offensive. "Die Einsatzminuten werden dadurch weniger. Das hat uns geholfen", sagte Verteidiger Ryan Pulock. "Es hat gut geklappt", befand auch Abwehrmann Johnny Boychuk, der durch die Umstellung in die Aufstellung rotiert war und das Vertrauen mit sechs Blocks zurückzahlte. Und sogar die Offensive war plötzlich schwerer auszurechnen. Warum? "Vorne hat jeder mit jedem zusammengespielt", so Torwart Semyon Varlamov.
Was bei New York neu ist, ist bei Tampa Bay schon Gewohnheit: Trainer Jon Cooper setzt schon seit Wochen auf die 11/7-Aufteilung in seiner Aufstellung und hatte mit frischeren Verteidigern Erfolg.

NYI@TBL, Sp5: Hedman bringt die Scheibe ins Tor

Vulkan Varlamov
Im Fokus dürfte in Spiel 6 erneut das russische Torwart-Duell stehen: Tampa-Torwart Andrei Vasilevskiy erhielt in bislang allen 18 Playoff-Partien der Lightning den Start und zeigt keinerlei Anzeichen von Müdigkeit oder Erschöpfung. Seine Fangquote von 93 Prozent sowie ein Gegentorschnitt von 1,88 belegen, dass der 26-Jährige längst zur Elite in der NHL zählt. Mit 1,93 Metern Körpergröße deckt der in Tyumen (Westsibirien) geborene Hüne viel Fläche im Tor ab und ist zudem mit schnellen Reflexen und einer guten Athletik ausgestattet. Das Ziel der Islanders wird dennoch sein, den Goalie lateral zu bewegen, um Lücken aufzureißen.
Im gegenüberliegenden Tor dürfte erneut Semyon Valamov starten. Der 32-Jährige konnte seine Leistung stabilisieren (93,1 Prozent Fangquote, 2,01 Gegentore/Spiel in den letzten vier Partien) nachdem er zwischenzeitlich gewackelt hatte (84,1 Prozent Fangquote, 3,88 Gegentore/Spiel in den vorausgegangenen drei Partien). In Spiel 5 ragte der aus Samara an der Wolga stammende 1,88-Meter-Mann mit 36 Saves und einer Fangquote von 97,3 Prozent heraus und verwandelte sich nach dem Siegtreffer vom introvertierten Ruhepol zum emotionalen Vulkan, als er via Bauchrutscher in die New Yorker Jubeltraube stach. Diese Entwicklung versprechen sich die Islanders auch für Spiel 6.
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Der Faktor Druck
Druck haben beide Teams - doch wer geht besser damit um? "Wir schauen von Spiel zu Spiel. Wir haben noch ein Leben übrig, sie noch zwei - sagt ihr mir, wer da mehr Druck hat", so Trotz. "Wir stehen ein bisschen mit dem Rücken zur Wand", weiß auch Lee. "Wir müssen mit Dampf aus der Kabine kommen."
"Druck ist, was du selbst daraus machst", gibt sich auch Cooper gelassen. "Man kann dem Druck erliegen oder daraus wachsen. Die Wahl muss man selbst treffen. Wir müssen es annehmen, es genießen und sehen, was passiert."

NYI@TBL, Sp5: Eberle mit dem Treffer in der 2. OT

Kann Point spielen?
Die wohl spannendste Personalie vor Spiel 6 ist Lightning-Stürmer Brayden Point. Der Nummer-1-Center verletzte sich in Spiel 2 und fiel daraufhin in Spiel 3 aus. In Spiel 4 feierte er sein Comeback, verletzte sich aber erneut und verpasste daraufhin auch Spiel 5. Beide Spiele, in denen Point fehlte, gingen verloren!
Der 24-jährige Kanadier nimmt bei Tampa Bay eine Schlüsselrolle ein, ist mit seinem Tempo, seiner Explosivität und Dynamik unersetzlich. Zudem ist der Rechtsschütze (9-16-25) der Top-Torjäger und zusammen mit Nikita Kucherov (6-19-25) auch der Top-Scorer der Lightning. Auch im gesamten Playoff-Klassement steht er unter den Torjägern ganz vorne (gleichauf mit dem bereits mit den Colorado Avalanche ausgeschiedenen Nathan MacKinnon) und steht auch nur noch zwei Punkte hinter MacKinnon in der Scorer-Wertung.
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Der Erfolg von Tampa Bay in Spiel 6 könnte also stark von der Teilnahme von Point abhängen, der neben einer Plus-Minus-Bilanz von +13, 1,56 Scorerpunkten/Spiel, 57,7 Prozent gewonnener Faceoffs, 20:26 Minuten Eiszeit/Spiel weitere überragende Werte vorweist und mit acht Toren sowie 21 Punkten bei nummerischen Gleichgewicht auf dem Eis weitere Top-Werte in der Postseason 2020 aufstellt.