Moritz Seider #53 of Team Germany participates during training on day three of the Milano Cortina 2026 Winter Olympic games at Milano Santagiulia Ice Hockey Arena on February 09, 2026 in Milan, Italy. (Photo by Bruce Bennett/Getty Images)

Moritz Seider scheint angekommen. Angekommen in Mailand, angekommen bei dem Turnier, von dem Eishockeyspieler und -Fans in Deutschland seit Jahren träumen, den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026.

Als der Verteidiger der Detroit Red Wings nach der ersten Trainingseinheit am Montag zum Pressegespräch erscheint, ist ihm die Mischung aus Anspannung und Vorfreude sofort deutlich anzumerken. Er versprüht bereits diese besondere Energie, die nur Olympische Spiele erzeugen können.

Seider verspürt große Vorfreude

„So langsam steigt bei uns allen die Vorfreude“, bestätigt er direkt zu Gesprächsbeginn. „Die Stimmung hier ist wirklich super, so wie sie sein sollte. Unsere erste Trainingseinheit haben wir jetzt auch hinter uns und ich freue mich sehr, hier zu sein“, sagt der 24-Jährige.

Es sind einfache Worte, aber sie transportieren viel. Erleichterung darüber, dass es endlich losgeht. Stolz, Teil dieser Auswahl zu sein. Und die Ahnung, dass in den kommenden Tagen etwas Großes entstehen kann.

Seider gehört trotz seines jungen Alters längst zu den Gesichtern des deutschen Eishockeys. In Detroit trägt der Abwehrspieler viel Verantwortung, spielt in allen Situationen, misst sich Nacht für Nacht mit den besten Stürmern der Welt. Doch Olympia, das ist noch einmal eine andere Bühne. Größer, greller, emotionaler und gleichzeitig persönlicher. Hier geht es schließlich um das Trikot mit dem Adler.

Die ersten Eindrücke im Dorf saugt er auf, auch wenn dafür zwischen ersten Meetings, Training und Erholung von den Reisestrapazen noch gar nicht so viel Zeit war. „Ich habe bisher noch nicht viele andere Athleten getroffen, freue mich aber darauf, dass in den kommenden Tagen noch zu tun“, erzählt Seider. Ein bisschen neugieriger Fan steckt eben auch in einem NHL-Star.

Freundin Anna als Expertin im Gepäck

Ganz besonders natürlich wegen Anna Seidel. Seine Freundin war über ein Jahrzehnt hinweg Deutschlands Aushängeschild im Shorttrack, dreimal nahm sie selbst an Olympischen Spielen teil - 2014 in Sotschi, 2018 in Pyeongchang, 2022 in Peking. Sieben EM-Medaillen sammelte sie, ehe sie im März 2024 ihre Karriere beendete und zu Seider nach Detroit zog. Olympia kennt sie in- und auswendig, die Abläufe, die Nervosität, die Magie.

„Meine Freundin Anna ist ja noch immer mit einigen Aktiven im Eisschnelllauf befreundet. Da wird es sicherlich einige Treffen geben und hoffentlich können wir da auch ein paar Fotos machen“, sagt Seider und lächelt. Unterstützung für Team Deutschland, egal in welcher Sportart, ist für ihn selbstverständlich, wie er betont: „Ansonsten unterstütze ich natürlich gerne die anderen Sportler aus Deutschland, die hier sind. Denen wünsche ich selbstverständlich allen den größtmöglichen Erfolg.“

Werbung für den Eishockeysport in Deutschland als Ziel

Noch aber liegt der Fokus bei ihm klar auf dem Eis. Die deutsche Mannschaft reist mit Selbstvertrauen an, aber ohne große Sprüche. Auch Seider vermeidet es bewusst, eine Medaille als Ziel auszugeben. Zu eng ist die Weltspitze zusammengerückt, zu schnell können Kleinigkeiten über Triumph oder Tränen entscheiden.

„Wir wollen hier attraktives Eishockey spielen. Das ist unser Ziel“, gibt er die Richtung vor, in die es gehen soll. „Es ist schwierig, eine konkrete Platzierung als Ziel anzugeben“, erklärt er. Und dann schiebt er einen Gedanken hinterher, der viel über die gewachsene Mentalität verrät: „Wenn wir zum Beispiel nach einem großen Kampf in der Verlängerung ausscheiden würden, könnte dies trotzdem als ein tolles Turnier in die Geschichte des deutschen Eishockeys eingehen.“

Es geht also um mehr als nackte Resultate, wenn am Donnerstag (21 Uhr MEZ) gegen Dänemark das Eröffnungsbully für die DEB-Auswahl gespielt werden wird. Es geht um Auftritte, um Bilder, um Momente, die bleiben. Genau darin sieht Seider auch die große Chance dieser Tage. „Unser Ziel ist es, Eishockey in Deutschland noch ein Stück populärer zu machen. Toll wäre es, wenn das eine oder andere Kind in Deutschland nach diesem Turnier ein Eishockeyspieler werden möchte. Das wäre aus meiner Sicht fantastisch.“

Es ist der Blick über den Tellerrand hinaus, der den Verteidiger schon in der NHL auszeichnet. Verantwortung endet für ihn nicht an der Bande.

Seider spricht über seine Anfänge, seine Leidenschaften und Ziele

Seider zieht das Glückslos Einzelzimmer

Zwischen all den Emotionen gibt es aber auch die kleinen, fast banalen Freuden des Olympischen Alltags. Etwa die Frage, mit wem man sich das Zimmer teilt. „Bei der Raumvergabe habe ich das große Glückslos gezogen, schätze ich. Ich habe tatsächlich ein Einzelzimmer ergattert“, verrät Seider. Ein Rückzugsort, um kurz durchzuatmen, auch wenn das Team ohnehin permanent zusammen ist. „Wir sehen uns mit der Mannschaft ja sehr häufig in den kommenden Tagen. Und das ist ja auch ganz schön.“

Hoffnungen ruhen auf Grubauers starker Form

Auf dem Eis wird neben Seider, Leon Draisaitl und Tim Stützle bei den Deutschen ein weiterer NHL-Star vermutlich besonders im Mittelpunkt stehen: Philipp Grubauer. Der Goalie bringt die Erfahrung aus vielen NHL-Saison mit und hat sich in dieser Saison bei den Seattle Kraken eindrucksvoll aus einem sportlich eher enttäuschenden Jahr beeindruckend zurückgemeldet. Für Seider ist klar, wie wichtig der Torhüter werden kann.

„‚Grubi‘ ist unser großer Rückhalt. Seine Saison in Seattle lief bisher fantastisch. Das will er mit Sicherheit auch hier so fortsetzen“, sagt er. „Es ist toll, dass er sich so beeindruckend wieder zurückgemeldet hat. Und jetzt, wo er hier mit seinen Landsleuten zusammen spielt, wird er mit Sicherheit noch einmal einen Schub Selbstvertrauen bekommen und für uns im Tor hoffentlich zum großen Rückhalt werden. Ich freue mich wirklich sehr auf seine Auftritte hier im Nationaltrikot.“

Die Spiele in Mailand hab gerade erst begonnen. Doch bei Seider ist schon jetzt spürbar, dass diese Tage Spuren hinterlassen werden - bei ihm, bei der Mannschaft und vielleicht auch bei einer neuen Generation von Eishockeyfans in Deutschland.

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