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Der größte Erfolg einer deutschen Eishockeymannschaft bei Olympia liegt acht Jahre zurück. 2018 in Südkorea holten die Schützlinge von Bundestrainer Marco Sturm sensationell die Silbermedaille. Und obwohl er selbst nicht dabei war, darf Philipp Grubauer zumindest einen klitzekleinen Anteil an dem Husarenstück für sich reklamieren. Denn mit seinen Fangkünsten trug er entscheidend dazu bei, dass Deutschland beim Qualifikationsturnier im September 2016 überhaupt erst das Ticket für Pyeongchang löste. Weil keine NHL-Spieler teilnehmen konnten, musste er den Erfolgslauf des deutschen Teams anderthalb Jahre später aus der Ferne mitverfolgen. Jetzt endlich darf der 34 Jahre alte Rosenheimer zum ersten Mal selbst Olympia-Luft schnuppern.

Wenn die deutsche Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 für eine Überraschung sorgen will, ist sie zweifelsohne auf einen tatkräftigen Grubauer angewiesen. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls gegeben. „Ich fühle mich tipptopp“, ließ der Schlussmann der Seattle Kraken am Montag nach dem Training der DEB-Auswahl wissen. „Es ist eine große Ehre für mich, Deutschland bei diesem Event zu vertreten. Als ich aufgewachsen bin, habe ich immer die Sommer- und Winterspiele verfolgt. Von daher geht für mich ein Traum in Erfüllung. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, als ich nach der langen Anreise aus Nordamerika ins Olympische Dorf eingezogen bin.“

Grubauer hat bislang eine ausgezeichnete Saison bei Seattle hingelegt. Nach 22 Einsätzen (19 Starts) sind für ihn eine Matchbilanz von 11-6-3, ein Gegentorschnitt von 2,43 und eine Fangquote von 91,6 Prozent verzeichnet. Mit seinem Wert bei den Saves rangiert er unter allen Torhütern mit mindestens 20 Auftritten an zweiter Stelle in der NHL-Gesamtwertung. Besser als der Deutsche ist lediglich Andrei Vasilevskiy von den Tampa Bay Lightning mit einer Quote von 92,0 Prozent. Im Gegentor-Ranking belegt Grubauer den sechsten Platz unter allen Goalies, wenn man eine Mindestzahl von 20 Spielen zugrunde legt.

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Die Darbietungen des Stanley Cup Champions von 2018 in der laufenden Spielzeit sind kein Vergleich zu denen seiner völlig verkorksten Saison 2024/25, als er zwischenzeitlich sogar ins AHL-Farmteam der Kraken, den Coachella Valley Firebirds, geschickt wurde. Der Aufschwung von Grubauer in dieser Saison steht sinnbildlich für Seattles gesamte Mannschaft. Im Gegensatz zur Vorsaison mischt sie im Kampf um einen Platz in den Stanley Cup Playoffs kräftig mit und belegt momentan den dritten Rang in der Pacific Division. Der würde am Ende die direkte Qualifikation für die Postseason bedeuten.

Grubauer will den Schwung aus der NHL mitnehmen und als starker Rückhalt zwischen den Pfosten seinen Teil zu einem erfolgreichen Abschneiden der Deutschen bei den Olympischen Spielen in Mailand beitragen. Was die Aussichten betrifft, gibt er sich trotz der herausragend besetzten Top-Nationen optimistisch. „Bei jedem Turnier ist maximaler sportlicher Erfolg möglich. Unser Vorteil ist, dass wir über ein eingespieltes Team verfügen. Wir müssen eben nicht erst 20 NHL-Spieler integrieren wie andere Mannschaften“, erläuterte der deutsche Torwart mit Blick auf scheinbar übermächtige Kontrahenten wie Kanada oder die USA.

Für ihn ist der Aufenthalt bei der Nationalmannschaft mittlerweile schon zu einer liebgewonnenen Gewohnheit geworden. Bei sechs Weltmeisterschaften war er dabei. Die Übungseinheiten in den verbleibenden Tagen vor dem ersten Spiel stuft Grubauer als äußerst wichtig an. „Weil wir aus der NHL erst vor Kurzem in Mailand eingetroffen sind, hatten wir mit den anderen Jungs kein Vorbereitungsspiel mehr. Von daher ist das Training von großer Bedeutung für den Feinschliff“, erläuterte er. Das gelte in besonderer Weise für ihn selbst, denn er habe festgestellt, dass die Winkel auf der im Vergleich zur NHL nochmal kleineren Eisfläche in Mailand unterschiedlich ausfallen. Darauf müsse er sich bei seinen Abwehraktionen einstellen.

Deutschland trifft in seinem Auftaktmatch am Donnerstag auf Dänemark. Es folgen die Duelle mit Lettland am Samstag und am Sonntag gegen die USA. Die enge Taktung erinnere ihn ein wenig an die Playoffs und auch die Spiele selbst dürften nach seiner Einschätzung diesen Charakter haben. „Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt und freue mich darauf, dass es bald losgeht“, verdeutlichte Grubauer.

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