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Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat ihre ersten Trainingseinheiten absolviert und fiebert dem Auftakt bei den Olympischen Spielen Milano Cortina 2026 entgegen. NHL-Superstar Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) wurde zum Kapitän ernannt, sieht aber alle seine Mitspieler in einer Führungsrolle. Er selbst wird aller Voraussicht nach Seite an Seite mit einem seiner besten Freunde stürmen.

Draisaitl und Tiffels wiedervereint

Am Freitag führte Draisaitl die komplette deutsche Olympia-Mannschaft als Fahnenträger ins San Siro Stadion in Mailand, seitdem läuft die Vorbereitung auf das erste Gruppenspiel gegen Dänemark am Donnerstag (21:10 Uhr MEZ).

Anhand der ersten Eindrücke könnte Draisaitl die Top-Reihe neben seinem Oilers-Kollegen Josh Samanski sowie seinem langjährigen Kumpel Frederik Tiffels (Eisbären Berlin) centern.

„Es ist großartig“, so Draisaitl. „Er ist einer meiner besten Freunde. Wir sind zusammen aufgewachsen. Jetzt gemeinsam hier zu sein und das erleben zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes. Es war schön, mit ihm auf dem Eis zu stehen.“

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Tiffels und Draisaitl kennen sich „seit Tag eins“

„Wir kennen uns schon seit Tag eins und haben zusammen in den Junioren gespielt. Wir stehen eng im Kontakt und sehen uns im Sommer“, war auch Tiffels begeistert. „Wir haben heute in einer Reihe gespielt. Es macht viel Spaß. Es ist fantastisch mit ihm und den anderen NHL-Jungs.“

Zwei weitere NHL-Exporte, Tim Stützle (Ottawa Senators) und JJ Peterka (Utah Mammoth), könnten in einer Hochgeschwindigkeits-Reihe neben Wojciech Stachowiak (Syracuse Crunch, das AHL-Farmteam des Tampa Bay Lightning) auflaufen.

„Es gibt keine größere Bühne für uns als das“, fiebert Draisaitl dem Auftakt entgegen. „Es steht auf einer Stufe mit den (Stanley Cup) Finals. Es ist etwas ganz Besonderes, sein Land bei dem vielleicht größten Sport-Event der Welt zu repräsentieren und die Fahne tragen zu dürfen. Das ist für mich nicht selbstverständlich. Darauf bin ich sehr stolz.“

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„Ein großes Vorbild“: Draisaitl ist Deutschlands Kapitän

Der 30-jährige Kölner ist das Aushängeschild des deutschen Eishockeys und gilt mit Recht als der beste Spieler, den Deutschland jemals hervorgebracht hat. Als erster Deutscher überhaupt gewann er individuelle NHL-Trophäen wie die Art Ross Trophy (Top-Scorer), die Hart Trophy, den Ted Lindsay Award (beides MVP-Auszeichnungen) und durchbrach in dieser Saison die Schallmauer von 1000 Scorerpunkten (845 NHL-Spiele, 428-608-1036). In den letzten beiden Jahren stand der Mittelstürmer mit Edmonton jeweils im Stanley Cup Finale.

Klar, dass Draisaitl auch für viele Mannschaftskollegen ein echtes Vorbild ist. Nicht ohne Grund wurde er zum Kapitän gewählt.

„Er sollte es auch sein, denn er zählt zu den besten fünf Spielern auf dieser Welt“, betonte NHL-Verteidiger und Assistenz-Kapitän Moritz Seider (Detroit Red Wings). „Du musst ihn nur googeln und dir ein paar seiner Highlight-Videos anschauen, die sprechen für sich. So wie er das Spiel liest, wird das vielen Jungs helfen. Er geht die kleinen Dinge so detailliert an, ist immer in der richtigen Position, macht kaum Fehler in der Offensivzone, kann den Puck lange halten und macht es den Verteidigern schwer, an den Puck zu kommen. Unsere jungen Spieler können sich etwas abschauen, was enorm wichtig ist. Er setzt sich wahrscheinlich selbst hohe Erwartungen.“

„Das ist eine große Ehre für ihn“, so Torwart Philipp Grubauer (Seattle Kraken). „Wir sind froh, ihn als Kapitän zu haben und dass er Deutschland bei der Eröffnungsfeier als Fahnenträger repräsentieren durfte. Was er in den letzten Jahren in Edmonton gezeigt hat, ist fantastisch. Er ist ein großer Anführer in unserer Kabine. Ich freue mich darauf, mit ihm loszulegen.“

„Er ist ein großes Vorbild. Insbesondere in Deutschland, aber auch in Kanada und in der NHL. Jeder liebt ihn. Ich freue mich sehr für ihn. Er hat sich das wirklich verdient“, sagt Stützle, der selbst ein „A“ auf dem Trikot tragen wird. „Wir haben viele gute Anführer in unserer Kabine, die ihm helfen werden, aber er selbst ist ein großer Führungsspieler. Es wird überragend sein, ihn spielen zu sehen.“

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„Natürlich ist es eine große Ehre, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft zu sein“, sagt Draisaitl selbst. „Im Endeffekt ist aber jeder hier ein Anführer. Jeder muss seinen Teil beitragen und seine Rolle übernehmen. Eigentlich ist es egal, ob du ein ‚C‘ oder ein ‚A‘ auf dem Trikot hast.“

Das Team an erster Stelle

Traditionell hat Deutschland eine Turniermannschaft und kommt schnell als Einheit zusammen. „Es ist keine One-Man-Show. Alleine kannst du kein Spiel gewinnen“, weiß Seider.

Wichtig dürfte ein guter Start gegen Dänemark sein. „Ich habe nicht viel von Dänemark gesehen in den letzten Jahren. Aber wir werden gut vorbereitet sein. Unsere Trainer werden uns gut vorbereiten und uns die Informationen geben, die wir brauchen“, ist Draisaitl überzeugt.

Alle Augen werden auf Draisaitl und seine NHL-Kollegen gerichtet sein - auch die der Dänen. Damit geht ein gewisser Druck einher, der für besagte Spieler aber nichts Neues ist.

„Es wird ähnlich sein wie in der NHL, auch da spielen wir gegen die Shutdown-Reihen des Gegners. Das gilt insbesondere für Leon, wenn er zusammen mit Connor spielt. Wir sind das also gewohnt und wollen ebenfalls einen Weg finden, gut in der Defensive zu spielen“, sagt Stützle. „Wir haben eine starke Mannschaft mit vielen großartigen Spielern, es wird Spaß machen, miteinander zu spielen und zu kämpfen. Wir wissen, dass jeder Spieler gleich wichtig ist. Es ist egal, ob jemand in der NHL spielt oder nicht. Jeder hat seine Rolle, und es wird darum gehen, wie schnell jeder diese Rolle akzeptieren wird.“

Übermorgen wird der Olympia-Traum für die deutschen Eishockeyspieler wahr. Kapitän Draisaitl weiß um seine Vorbildrolle und will dieser gerecht werden: „Wir hoffen, dass wir ein paar Fans gewinnen, dass ein paar Kinder einschalten und diesen Sport auch ausprobieren wollen. Für uns geht es darum, Kinder für Hockey zu begeistern. Es ist eine großartige Bühne für uns, das zu schaffen.“

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