JJ Peterka Milano Cortina 26

JJ Peterka, im Ligaalltag Stürmer bei den Utah Mammoth, strahlt, wenn er über seine ersten Erfahrungen bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 spricht. Vom ersten Moment an ist dem deutschen Nationalspieler beim exklusiven Interview mit NHL.com/de anzumerken, wie viel ihm diese Reise bedeutet – sportlich, aber auch menschlich.

Schon beim Training wird deutlich, wie besonders diese Wochen für den Stürmer sind. Zwischen Superstars, alten Weggefährten und neuen Teamkollegen wirkt er gelöst, neugierig und voller Vorfreude auf das, was kommt.

„Eine ganz besondere Erfahrung“

„Bisher ist es wirklich eine tolle Erfahrung hier für mich“, sagt Peterka und lächelt. „Ich freue mich sehr, die anderen Spieler aus Deutschland hier zu treffen. Toll, dass wir hier alle mal zusammenspielen können.“

Nicht nur die gemeinsame Zeit auf dem Eis fasziniert ihn. Auch das Leben abseits der Arena gehört für ihn zum Olympischen Abenteuer dazu. Das Dorf, die vielen Nationen, die Gespräche mit Athleten aus Sportarten, die sonst weit weg erscheinen. All das hinterlässt bei ihm Eindruck. „Das Olympische Dorf gefällt mir auch sehr. Die vielen anderen Athleten zu treffen ist cool. So viele Leute aus unterschiedlichen Ländern, das ist wirklich eine ganz besondere Erfahrung.“

Es sind Sätze, die zeigen, dass Peterka den Blick bewusst weitet. Er will mehr mitnehmen als nur Ergebnisse. Er will Erinnerungen sammeln.

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Vertraute Gesichter, große Namen

Auf dem Eis bekommt die Vorfreude zusätzlich Nahrung. Beim Training am Dienstag läuft Peterka in einer Reihe mit Tim Stützle von den Ottawa Senators auf – einem Spieler, den er seit Jahren kennt. Die Verbindung ist sofort spürbar, die Harmonie leicht. „Mit Tim zusammenzuspielen ist klasse. Wir kennen uns noch von früher recht gut. Jetzt mit ihm in einer Reihe zu spielen, ist wirklich super.“

Als wäre das nicht genug, findet er sich im Powerplay plötzlich neben Leon Draisaitl, Moritz Seider und weiteren Hochkarätern wieder. Namen, die in der NHL seit Jahren für Schlagzeilen sorgen. Sie alle sind nun vereint im Trikot mit dem Adler.

Peterka betrachtet das nicht ehrfürchtig, sondern mit professioneller Neugier. Wie schnell finden wir uns? Wie gut können wir unsere Stärken kombinieren?

„Das ist das erste Mal, dass wir so eng zusammenspielen. Das wird intensiv vorbereitet mit Meetings und Gesprächen. Wir wollen uns ja möglichst gut aufeinander abstimmen. Bisher läuft das recht gut, denke ich, und macht auch jede Menge Spaß.“

Spaß – dieses Wort fällt oft, wenn Peterka redet. Es ist vielleicht der beste Gradmesser dafür, wie er dieses Turnier angeht.

Kein Druck, nur Stolz

Während von außen Erwartungen formuliert werden, Medaillen diskutiert und Szenarien entworfen werden, bleibt Peterka erstaunlich ruhig. Von zusätzlichem Druck will er nichts wissen. „Ich empfinde hier gar keinen besonderen Druck bisher“, sagt er. „Ich genieße die Zeit einfach, um ehrlich zu sein. Wir wollen alle das Beste draus machen. Mir geht es darum, mein Bestes zu geben. Das steht für mich im Mittelpunkt.“

Für ihn überwiegt ein anderes Gefühl: Dankbarkeit. Das Bewusstsein, Teil von etwas Größerem zu sein. „Schließlich ist es ja eine große Ehre, für Deutschland zu spielen, insbesondere hier bei den Olympischen Spielen. Das ist eine Erfahrung, die ich bestmöglich genießen möchte.“

Diese Haltung passt zu einem Team, das in den vergangenen Jahren enormes Selbstvertrauen entwickelt hat, ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Man weiß, was möglich ist – aber man weiß auch, dass man es sich erarbeiten muss.

Ein Land steht dahinter

Was Peterka zusätzlich trägt, ist die Gewissheit, dass zu Hause Millionen mitfiebern. Die Bilder von trommelnden, singenden Fans haben sich eingebrannt, egal ob bei Weltmeisterschaften oder Olympia. „Die Unterstützung ist immer riesig in Deutschland“, meint er. „Die Fans kommen in die Hallen mit ihren Trommeln und machen eine fantastische Stimmung bei unseren Spielen, nicht nur bei Olympischen Spielen, auch bei Weltmeisterschaften.“

Und selbst wenn so einige Kilometer zwischen Mailand und der Heimat in Deutschland liegen, fühlt sich die Distanz für ihn klein an. „Auch zu wissen, dass so viele Leute zu Hause an den Bildschirmen mit dabei sein werden, ist toll. Es ist immer toll, wenn das ganze Land hinter einem steht und einen unterstützt“, meint Peterka.

Er rechnet zudem damit, dass ein guter Teil dieser Unterstützung direkt vor Ort zu hören sein wird. Die Wege nach Italien sind relativ kurz, die Hoffnung auf lautstarke Ränge deshalb auch bei ihm groß. Freunde, Familie – sie alle könnten Teil dieses Kapitels werden.

Schritt für Schritt ins Turnier

Bei aller Euphorie verliert der Stürmer den sportlichen Kern nicht aus den Augen. Der Start ins Turnier, das schnelle Finden als Einheit, das wird seiner Meinung nach für den Erfolg der DEB-Auswahl in Italien entscheidend sein.

„Wir müssen uns als Mannschaft natürlich erst einmal finden. Der Auftakt am Donnerstag gegen Dänemark (Anm.: 21 Uhr MEZ) wird sehr wichtig für uns werden. Nach den ersten beiden Spielen können wir dann sicherlich schon besser einschätzen, wo wir stehen und was wir hier erreichen können.“

Und dann ist da noch dieser Glaube, der den deutschen Teams zuletzt so oft Flügel verliehen hat. „Aber auch in den Spielen gegen die Top-Nationen haben wir immer eine Chance, denke ich“, gibt sich der 24-Jährige optimistisch. „In einem Spiel kann immer alles passieren. Wir wollen uns von Spiel zu Spiel steigern. Diese Turniere sind immer so kurz, da ist vieles möglich, wenn man erst einmal das Momentum auf seine Seite bekommt“, hofft Peterka.

Vielleicht ist genau diese Mischung entscheidend: Respekt, aber keine Angst. Freude, aber keine Naivität.

Ein Stück Zuhause in Mailand

Einen wichtigen Faktor für die schnelle Eingewöhnung hat Peterka längst ausgemacht – die Sprache. Inmitten des internationalen Trubels fühlt sich die Kabine der Nationalmannschaft vertraut an. „Es ist ein großer Vorteil, wenn alle im Team Deutsch sprechen. Da fühlt man sich dann gleich zuhause. Das Ganze macht einem die Eingewöhnung natürlich auch leicht.“

Zuhause, obwohl man hunderte Kilometer entfernt ist. Vielleicht beschreibt das am besten, warum Peterka im Moment so entspannt wirkt. Olympia hat noch nicht einmal richtig begonnen, und für ihn ist es jetzt schon etwas, das bleiben wird.

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