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Alte Fan-Liebe rostet eben nicht

Wenn Marc-Andre Fleury am Dienstag nach Pittsburgh zurückkehren wird, dann ist ihm die Zuneigung der 'alten' Fans sicher

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

An jedem Montag der Spielzeit 2017/18 wird NHL.com/de an dieser Stelle nach Themen suchen, die etwas abseits des täglichen Spielgeschehens liegen und die Themen beleuchten, die den Puls der Liga im Hintergrund bestimmen. Sportliche Krisen, ein intensiverer Blick auf die aktuellsten Themen der NHL, grundsätzliche Entwicklungen welche die Diskussionen derzeit bestimmen. Wir sorgen dafür, dass nichts davon unbeachtet bleibt.

Heute beschäftigen wir uns mit den großen Emotionen, die bei den Rückkehrern, die mit ihrer neuen Mannschaft bei ihrem 'Stammverein' antreten, aufkommen können.

Es dürfte schwer werden am Dienstag in Pittsburgh einen Menschen unter den gut 18.000 Zuschauern in der PPG Paints Arena zu finden, der vor und während des Spiels der heimischen Pittsburgh Penguins gegen die Vegas Golden Knights nicht überaus emotional gestimmt sein wird. Der Anlass dafür ist jedoch nicht der Besuch der sportlich überaus erfolgreich agierenden Gäste aus der Wüstenstadt, die weit oben in den NHL-Ranglisten platziert sind. Der Grund für die zu erwartende Gemütsempfindung liegt in der Rückkehr des ehemaligen Fanlieblings Mac-Andre Fleury, jenem Torhüter, der beim Expansion-Draft von den 'Pens' an das neue Franchise der Liga abgegeben wurde, und der es in 13 Spielzeiten im Trikot der Penguins auf sagenhafte 17.774 Saves und drei NHL-Titel (2009, 2016, 2017) gebracht hatte.

"Ich hoffe, dass ich nicht in Tränen ausbreche. Ich mag nicht in der Öffentlichkeit weinen", sagte Fleury der Pittsburgh Post-Gazette im Vorfeld des Gastauftritts in seiner alten Heimat. "Ich bin schon recht emotional. Im Alter wird man wohl weichherziger. Natürlich geht es auch um das Spiel, aber es ist schon ein ganz besonderer Moment in meiner Karriere. Das will ich ganz bewusst erleben", gab sich der Goalie recht bewegt.

Diese Begegnung ist etwas Spezielles, war den Fans in der Stahlstadt längst klar. Die Ticketpreise schnellten zuletzt in die Höhe. Unter US$ 316 war, wie die Kollegen berichten, schon am Wochenende keines mehr zu bekommen.

Tweet from @penguins: Earlier this morning, Marc-Andre Fleury received his 2017 Stanley Cup ring from Mario Lemieux. Congratulations Flower. Well deserved.�� pic.twitter.com/bAM4mQ7Cpi

Mit an Sicherheit grenzender hoher Wahrscheinlichkeit sind große Emotionen zu erwarten, wenn der ehemalige Publikumsliebling erstmals wieder auf das ehemals heimische und wohl noch immer gut vertraute Eis auflaufen wird.

 

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Das bestätigen auch einige Beispiele aus der langen NHL-Geschichte.

Es war der 2. November 1975. Elf Jahre lang hatte Schlussmann Ed Giacomin für die New York Rangers agiert, doch nachdem ihn das Team durch die Verpflichtung von John Davidson überraschend an die Detroit Red Wings abgegeben hatte, kehrte er als sportlicher Gegner an den Broadway zurück. Giacomin war über die Ausmusterung seinerzeit stocksauer gewesen. Er sprach davon, dass er weggeworfen worden sei 'wie Abfall' und erwog sogar kurzzeitig das Karriereende. So enttäuscht war er.

Es kam anders. Schon während der Hymne schalten laute "Eddie! Eddie! Eddie!"-Sprechchöre durch das weite Rund des Madison Square Garden. Der verstoßene Publikumsliebling weinte ergriffen ungehemmt, führte sein Team, das zuvor nur eines von zwölf Saisonspielen gewinnen konnte, zu einem überraschenden 6:4-Erfolg und stoppte dabei spektakulär vier Alleingänge der Hausherren. "Schon seine reine Anwesenheit hat uns heute bezwungen", resümierte Verteidiger Brad Park nach der Begegnung beeindruckt von den Erlebnissen des Tages.

Ähnlich loyal präsentierte sich das Publikum in New York einige Jahre später auch gegenüber Mark Messier, der seine große Karriere ursprünglich bei den Edmonton Oilers begann, bei denen er zusammen mit Wayne Gretzky die Oilers-Dominanz der 1980er-Jahre prägte. Doch zur Legende wurde er erst im Trikot der Blueshirts. Er half dort die 54-Jahre andauernde Stanley Cup-Flaute der Rangers zu beenden und leistete seinen gehörigen Anteil dazu bei, im Finale des Jahres 1994 die Vancouver Canucks zu bezwingen.

Er wurde nicht nur durch seine herausragende Teamleader-Rolle beim Titelgewinner zur Legende. Sein realisiertes Versprechen, dass sie Spiel 6 des Eastern Conference-Finales desselben Jahres gegen die rivalisierenden New Jersey Devils gewinnen werden und er dabei einen Hattrick erzielen konnte, ging in die Eishockeygeschichte ein.

Der Bonus den sich Messier bei den Fans im MSG erspielte war dermaßen groß, dass er gut drei Jahre danach, als er im Trikot der Canucks an den Big Apple zurückkehrte, noch immer als Ikone galt und gefeiert wurde.

Ganz ähnliche Emotionen weckte Jarome Iginla im Dezember 2013, als er in den Saddledome zurückkehrte, nachdem er die Calgary Flames nach vielen erfolgreichen Jahren in Richtung Pittsburgh verlassen hatte, von dort aus rasch zu den Boston Bruins weiterwanderte und mit diesen in Calgary antrat. Die Fans bildeten ihm zu Ehren gar ein Spalier und riefen laut vernehmbare "Iggy, Iggy, Iggy"-Sprechchöre.

Eine Filmmontage auf dem großen Videowürfel ließ spektakuläre Momente des Protagonisten ihm zu Ehren frisch aufleben, was ihm stehende Ovationen einbrachte. Eine Hommage an den ehemaligen Kapitän der Flames, einem der populärsten Spieler, der je das Trikot der Organisation trug. "Er ist doch für immer im Herzen ein Calgary Flames-Spieler", war der Tenor eines bewegenden Dezember-Abends in Alberta.

Ähnlich willkommen war seinerzeit Bruins-Legende Ray Bourque, der nach tollen Zeiten in Beantown am 7. März 2000 zu den Colorado Avalanche wechselte, um sich dort, im Herbst seiner Karriere, den Traum vom Stanley Cup zu erfüllen.

Im ersten Anlauf noch vorzeitig gescheitert, wurde dieser Traum im Frühsommer 2001 für Bourque Realität, als er zusammen mit Patrick Roy, Joe Sakic & Co. den Pokal in die Höhe hieven durfte.

Seiner großen Beliebtheit in Boston tat sein Weggang keinerlei Abbruch. Er wurde bei den Anhängern seiner Stammfranchise voller Freude und Stolz begrüßt, als er im März 2001 zu einer ersten sportlichen Stippvisite, nach zuvor 21 Spielzeiten bei den Bruins, in der alten Heimat vorbeischaute. Ihm zu Ehren schalten "Ray, Ray, Ray."-Rufe durch die Halle.

Spieler mit besonderer Geschichte werden bei einem Teamwechsel so schnell von den 'alten' Fans nicht vergessen. Verdienste bleiben erhalten, werden gewürdigt. Fleury wird das am Dienstag genießen dürfen, wenn er mit seinen neuen Kollegen in Pittsburgh zu Gast ist. Die schönen Zeiten mit ihm bleiben dort, selbst wenn er nun das Aushängeschild für eine neue Mannschaft ist, unvergessen.

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