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Die Vegas Golden Knights verdienen sich Respekt

Das Expansion-Franchise aus der Spielerstadt lässt weiterhin aufhorchen, muss nun mit mehr Druck und Erwartungen umgehen

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Am Donnerstag haben sie einmal mehr große NHL-Geschichte geschrieben. Die Vegas Golden Knights fuhren durch einen Treffer von David Perron während der erforderlich gewordenen Extraschicht am Ende einen glücklichen 3:2-Sieg nach Verlängerung bei den Winnipeg Jets ein. Es war bereits ihr 34. Saisonsieg - nach gerade einmal 50 absolvierten Spielen wohlgemerkt.

Bisher hielten die Florida Panthers und Mighty Ducks of Anaheim die offizielle Bestmarke bei der Anzahl an Saisonsiegen eines Expansion-Teams. Beide Teams konnten sich nach der Spielzeit 1993/94 über stolze 33 Erfolge freuen. Allerdings erst nachdem die komplette Hauptrunde von 84 Spielen absolviert war.

An der guten Laune in den Reihen des neuen Rekordhalters konnte auch die folgende 2:5-Niederlage bei den Minnesota Wild am Freitagabend nichts ändern. Dafür war die bisher gespielte Runde einfach zu beeindruckend.

Bis April werden die Golden Knights die bisherige, schon jetzt übertroffene Bestmarke, über die sich die Panthers, auf einem extra angefertigten Rekord-Banner in der eigenen Halle, freuen durften, förmlich pulverisiert haben. Immerhin verbleiben noch 31 Spiele bis zum Start der mit Spannung erwarteten KO-Phase.

"Das wir diese Bestmarke schon jetzt gesetzt haben ist natürlich toll", freute sich Coach Gerard Gallant nach dem Spiel gegen die Jets. "Doch so viel bedeutet mir das gar nicht, ehrlich gesagt. Wir wollen weiterhin jeden Abend unser bestmögliches Eishockey abrufen. Dann schauen wir am Ende der Runde auf das, was wir erreicht haben."

Video: VGK@WPG: Perron erzielt den Siegtreffer in Overtime

Auch Siegtorschütze Perron, der neben seinem 13. Saisontor einen weiteren Assist gegen Winnipeg beisteuern konnte, gab sich weiterhin kämpferisch und möchte nach dem bisher Erreichten noch keine Jubelstimmung in Las Vegas verbreitet wissen. "Als wir die 30-Siege-Marke vor kurzem erreicht hatten, war uns schon klar, dass wir grundsätzlich auf einem sehr guten Weg sind. Doch es ist wichtig, dass wir den Fokus nicht verlieren. Wir müssen uns Tag für Tag neu konzentrieren und zusehen, dass wir uns in den nächsten Wochen und Monaten weiter verbessern."

In eine ähnliche Richtung ging auch die Aussage von Stürmer Jonathan Marchessault nach dem Duell mit den Jets. "Aktuell läuft es bei uns gut. Wir entwickeln uns in die richtige Richtung. Doch es gilt unseren Blick weiterhin auf den nächsten Gegner, das nächste Spiel zu richten. Wir müssen jetzt unverändert so weitermachen."

Diese recht demütige und trotzdem weiterhin kämpferische Grundhaltung scheint genau die richtige Einstellung zu sein, denn es ist zweifelsohne schon jetzt eine faustdicke Überraschung, wie das Franchise seit seinen ersten Tagen auftritt. Wer hätte schon am Anfang der Saison nur ansatzweise eine solche Entwicklung des Teams aus der Spielerstadt ernsthaft erwartet?

Wohl niemand hätte sich damals von den Golden Knights eine Playoff-Teilnahme erträumt. Inzwischen gilt das Team in den Augen vieler sogar als ein ernstzunehmender Titelkandidat oder steht zumindest im erweiterten Anwärterkreis. Wenig verblüffend, da sich die Mannschaft nach ihren letzten Auftritten nur noch hinter dem Ligaprimus, den Tampa Bay Lightning, angesiedelt ist.

Vegas Erfolge trugen dazu bei, dass ihre Ergebnisse neuerdings anders, nämlich weniger verwundert zur Kenntnis genommen werden. Auch der Respekt der Konkurrenz hat stetig zugenommen. Doch können die Golden Knights dieses hohe Niveau tatsächlich bis zum Saisonende durchziehen?

Nach den zahlreichen Bestmarken, die Vegas in seiner Premierensaison bisher schon aufstellte, und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiterhin aufstellen wird, warten Skeptiker doch geradezu auf einen deutlichen Einbruch.

Sollte der Gallant-Truppe demnächst tatsächlich einmal eine größere sportliche 'Krise' ereilen, sollten sie wirklich gleich mehrere Spiele hintereinander verlieren, was in der Entwicklung einer frisch zusammengestellten Mannschaft unvermeidlich sein dürfte, dann wird die zu erwartende Meute der 'Ich habe es doch schon immer gewusst'-Fraktion vermutlich recht groß sein.

Dass das neueste Mitglied der NHL-Familie schon so früh in dieser Spielzeit ein solch hohes Ansehen genießt ist der eigentliche Verdienst des jungen Teams.

Vegas hat sich den Respekt und das hohe Ansehen der Konkurrenz quasi im Rekordtempo erworben. Für einen Sportler ist das mindestens genauso bedeutend wie jede weiteren Bestmarken seines Teams, für das er in der Wüste Nevadas seine Schlittschuhe schnürt.

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