Deutschland gewinnt Bronze bei Olympia 1932 in Lake Placid
Erstmals wurde eine Medaille errungen, allerdings in einem stark reduzierten Teilnehmerfeld

© B Bennett/Getty Images
Die Ereignisse bei Olympischen Spielen, bei denen eine deutsche Nationalmannschaft mitspielte und sogar Chancen auf eine der vorderen Platzierungen hatte, sind in der Geschichte rar gesät. Ein großer Erfolg konnte bereits 1932 bei den 4. Olympischen Winterspielen in Lake Placid verzeichnet werden, als das damalige Deutsche Reich die Bronzemedaille gewann.
Um den Erfolg richtig einzuordnen muss man jedoch einen Blick auf die Weltgeschichte zu dieser Zeit legen. Es herrschte nach wie vor eine Weltwirtschaftskrise, die 1929 begann und viele Staaten und ihre Bewohner auch bedingt durch vorherrschende exorbitante Inflation und einbrechende Börsenkurse in wirtschaftliche Nöte versetzte.
Unter diesen Bedingungen war die Reise, gerade aus Europa in die USA, für viele Nationen nicht zu stemmen oder der Bevölkerung kaum zu vermitteln. Vom Organisationskomitee wurden im Jahr 1930 Einladungen an 65 Nationen versandt. Es sollten mehr Länder als bei den Spielen 1928, wo 25 Nationen mit 464 Sportlern vertreten waren, teilnehmen. Doch aufgrund der Weltwirtschaftskrise sagten viele Nationen ab. Als Anreiz wurden schließlich die Preise für Schiffsreisen der Olympiateilnehmer um 20 Prozent gesenkt und die amerikanischen Behörden verzichteten auf normalerweise notwendige Gebühren für Visa, Zölle und Steuern.
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Das Teilnehmerfeld des Eishockeyturnieres, das zugleich als 6. IIHF-Eishockey-Weltmeisterschaft ausgespielt wurde, war aufgrund der Absagen überschaubar. Neben den Gastgebern USA und dem Nachbarland Kanada traten lediglich jeweils zehn Spieler aus dem Deutschen Reich und Polen die Reise nach Übersee an. Die Kosten für die deutsche Eishockeymannschaft übernahm sogar die amerikanische Regierung, um das Turnier mit wenigstens vier Mannschaften zu retten.
Schon im Vorfeld war damit klar, dass nur einer der Teilnehmer ohne Medaille bleiben würde. Die USA und Kanada hatten jeweils 14 Spieler an Bord und schon deshalb einen Wettbewerbsvorteil, der sich auch im Turnier, aber natürlich nicht nur deshalb, zeigen sollte.
Der Olympiasieger und die Medaillengewinner wurden vom 4. bis 13. Februar 1932 in einer Doppelrunde ermittelt. Die Partien dauerten jeweils drei Drittel mit je 15 Minuten. Für einen Sieg gab es zwei Zähler und für ein Unentschieden einen. Bei einem Remis nach der regulären Spielzeit wurde das Spiel jeweils zehn Minuten verlängert bis ein Tor erzielt wurde.
Zum Auftakt trafen die beiden Favoriten USA und Kanada sowie die Außenseiter Deutschland und Polen aufeinander. Während Kanada im Eröffnungsspiel im Olympiastadion die USA mit 2:1 nach Verlängerung besiegen konnte, legte das Deutsche Reich danach mit einem 2:1 gegen Polen bereits den Grundstein zu Bronze. Die Torschützen waren Gustav Jaenecke und Martin Schröttle zu Beginn des 2. bzw. 3. Drittels. Die Polen hatten zwischenzeitlich ausgleichen können.
Wie erwartet hatte sowohl das Deutsche Reich, als auch Polen in den Duellen mit Kanada und den USA keine Chancen auf Punkte. Jeweils eine 1:4-Niederlage von beiden Außenseitern in den ersten Begegnungen am zweiten Spieltag waren noch Achtungserfolge, doch danach hagelte es auch deutliche Ergebnisse. So unterlag Deutschland den USA mit 0:7 und 0:8. Polen zog gegen Kanada mit 0:9 und sogar 0:10 den Kürzeren.
Somit stand vor dem abschließenden Spieltag fest, dass die USA und Kanada um Gold und das Deutsche Reich und Polen um Bronze spielen würden. Durch einen Hattrick von Rudi Ball und einen weiteren Treffer von Rudi Strobl setzte sich das Deutsche Reich schließlich mit 4:1 durch und konnte sich über Edelmetall freuen.
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Für das Deutsche Reich, dessen Teilnehmerfeld insgesamt nur 20 Athleten umfasste, davon die Hälfte das Eishockeyteam belegte, war es eine von zwei Bronzemedaillen, die am Ende im Medaillenspiegel zu Buche standen. Den dritten Platz gab es für Deutschland auch im Viererbob.
Kanada gewann bei den 4. Olympischen Winterspielen, wie schon bei den drei Turnieren zuvor, Gold. Doch der Erfolg war äußerst hart umkämpft. Im abschließenden Duell mit den USA trennten sich beide Teams mit 2:2, weil auch drei Verlängerungen keinen Sieger hervorbrachten. Durch den errungenen 2:1-Sieg im nordamerikanischen Aufeinandertreffen zum Auftakt blieb Kanada Gruppenerster und den USA nur die Silbermedaille.
Der Kader der deutschen Nationalmannschaft: Torhüter Walter Leinweber, Verteidiger Alfred Heinrich und Erich Römer (Spielertrainer), sowie die Stürmer Rudi Ball, Georg Strobl, Erich Herker, Gustav Jaenecke (Kapitän), Werner Korff, Martin Schröttle und Marquardt Slevogt.

















