Deutschland hat sich im ersten Viertelfinale der U20-Junioren-Weltmeisterschaft gegen Russland extrem teuer verkauft, unterlag aber mit 1:2 und verpasste knapp die Sensation. Finnland drehte in der zweiten Partie gegen Schweden einen Rückstand und sorgte dramatisch in der Schlussminute für einen 3:2-Sieg. Danach ließen Kanada und die USA gegen ihre Gegner nichts anbrennen.
Deutsche Junioren verkaufen sich gegen Russland teuer
Viertelfinale der U20-WM: DEB-Auswahl scheidet nach einer 1:2-Niederlage aus, Finnland, Kanada und USA komplettieren Halbfinale

© Jason Franson/AP
Hier die Spiele des Viertelfinales im Einzelnen:
Russland - Deutschland 2:1 (1:0/1:0/0:1)
David gegen Goliath lautete das Duell im ersten Viertelfinale der U20-WM. Der haushohe Favorit Russland gegen den klaren Außenseiter Deutschland, die erstmalig in der Geschichte des Turniers in der Runde der letzten Acht standen. Die deutschen Junioren verteidigten über weite Strecken gut und verloren nur denkbar knapp mit 1:2.
"Jeder kann stolz auf sich sein, es war eine unglaubliche Leistung der gesamten Mannschaft", betonte Trainer Tobias Abstreiter. "Ich bin auch stolz auf jeden Spieler, und einfach auf jeden, der irgendwie mit dieser Leistung zu tun gehabt hat."
Die Russen nahmen von Beginn an die Initiative, doch die deutschen Jungs verteidigten gut und den Rest erledigte der gut aufgelegte Torhüter Florian Bugl. Auch eine erste Unterzahl nach Strafzeit gegen Lucas Flade überstanden die Deutschen schadlos. Kapitän Tim Stützle hatte unmittelbar nach Ablauf der Strafe Pech, dass sein Schuss nur den Pfosten traf. Der Außenseiter versteckte sich nicht und kam prompt selbst in Überzahl. Doch ausgerechnet die nutzte Vasili Ponomaryov in der 10. Minute eiskalt zur Führung der Russen. Stark wie er Bugl im Alleingang verladen konnte. Mit einem Torschussverhältnis von 8:3 für den Favoriten ging es in die erste Pause.
🚨🇷🇺 @russiahockey makes it 2-0 over @deb_teams in the 2nd period. Danil Bashkirov who gets his first goal of the 2021 #WorldJuniors pic.twitter.com/qcTAQqw3dB
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Deutschland kam überraschend besser aus der Kabine auch dank zweier Powerplays kurz hintereinander. Zu klaren Torchancen reichte es aber nicht. Danach kam Russland wieder besser ins Spiel und erhöhte in der 29. Minute durch Danil Bashkirov auf 2:0. Alles schien seinen Gang zu nehmen. Russland blieb spielbestimmend, doch Deutschland verstand es, sich häufig zu befreien und seinerseits offensive Akzente zu setzen. Das verdeutlichte auch das ausgeglichene Torschussverhältnis von 10:8 für Russland im Mitteldrittel.
Die deutsche Mannschaft blieb in Schlagdistanz und kam in der 44. Minute nicht unverdient zum Anschlusstreffer. Florian Elias überwand Yaroslav Askarov, nachdem er sich einen bereits verlorenen Puck zurückerkämpfte und schnell ins Eck abzog. Nun witterte Deutschland Morgenluft. In der 46. Minute folgte die große Chance zum Ausgleich. Nach einem Schuss von JJ Peterka kam Jan Münzenberger aus spitzem Winkel an den Puck und schoss aber am leeren Tor vorbei. Russland blieb gefährlich, doch erneut hatte Deutschland eine große Chance zum Ausgleich. Elias lenkte in der 52. Minute einen Schuss von Peterka an die Latte ab. Die Deutschen kämpften bis zum Schluss und erneut war es Elias, der alleine vor Askarov scheiterte. Auf der anderen Seite war Hugl der Fels in der Brandung, der insgesamt 25 Saves verbuchte. Das Torschussverhältnis lautete insgesamt 27:18.
"Die Situation war da, die Russen hatten etwas Glück und wir Pech", meinte Torschütze Elias. "Aber man kann es nicht ändern. Unser Team ist einfach unglaublich gewesen, es ist einfach Pech, dass wir den Sieg nicht geschafft haben. Aber wir haben ein brutales Turnier geliefert, sind als erste deutsche U20 ins Viertelfinale gekommen. Das hat das deutsche Eishockey auf jeden Fall vorangebracht."
Die deutschen Jungs können auch wegen den besonderen Umständen von acht positiven Corona-Tests in der Vorbereitung erhobenen Hauptes die Heimreise antreten.
"Ich möchte mich bedanken, es war eine super Zeit und ich denke, gerade durch die Quarantäne ist die Mannschaft so richtig zusammengewachsen", verdeutlichte Abstreiter. "Wir haben uns gegenseitig gepusht und motiviert und an diesen Erfolg geglaubt. Die Russen haben gewackelt, wir haben gedrückt und an den Sieg geglaubt. Es war ganz, ganz knapp vor einer Sensation."
We got a game! Germany cuts the Russian lead to 2-1 in the 3rd period. @deb_teams Florian Elias with the 🚨🇩🇪 #WorldJuniors pic.twitter.com/NkbCrjxwM8
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Schweden - Finnland 2:3 (2:0/0:1/0:2)
Im skandinavischen Bruderduell besiegte Finnland das Nachbarland und den Erzrivalen Schweden mit 3:2 und zog in das Halbfinale ein. Die Schweden benötigten etwas Zeit, um ins Spiel zu kommen. Erst in der 9. Minute gelang ihnen der erste Torschuss, doch bis zur ersten Pause kamen sie noch auf deren elf und führten schließlich durch Tore von Lucas Raymond in der 15. Minute sowie Elmer Soderblom auf Vorarbeit von Raymond in der 17. Minute verdient mit 2:0.
THIS ONE COUNTS! With 8:56 to go, @leijonat's Anton Lundell ties is up! #WorldJuniors pic.twitter.com/5naisWNWu9
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Im zweiten Drittel kamen jedoch die Finnen besser ins Spiel und verkürzten in der 26. Minute durch Henri Nikkanen auf 1:2. Zu mehr reichte es in diesen 20 Minuten trotz einem Torschussverhältnis von 12:6 zu ihren Gunsten nicht. Finnland machte anschließend dort weiter, wo sie im zweiten Drittel aufgehört hatten, mit druckvollem Eishockey. Die Schweden hatten sich nach ihrer Zwei-Tore-Führung zu sehr auf die Defensive konzentriert und zu wenig für die Offensive getan. Anton Lundell sorgte in der 52. Minute im Powerplay für den verdienten Ausgleich und die Finnen blieben weiter am Drücker. In der 60. Minute, 25 Sekunden vor der möglichen Verlängerung, sorgte Roni Hirvonen mit einem Bauerntrick für die umjubelte Entscheidung zugunsten von Finnland.
Schwedens Torhüter Hugo Alnefelt verbuchte insgesamt 28 und Finnlands Kari Piiroinen 22 Saves.
Kanada - Tschechien 3:0 (2:0/0:0/1:0)
Mit einer konzentrierten Leistung besiegten die Top-Favoriten aus Kanada die U20-Auswahl Tschechiens mit 3:0 und qualifizierten sich fürs Halbfinale. Die Tschechen machten es den Kanadiern nicht leicht und zwangen sie zu viel harter Arbeit. "Sie haben genau das getan, was wir von ihnen erwartet haben", analysierte Kanadas Trainer Andre Tourigny nach der Partie. "Sie haben hart gearbeitet, eng vor dem Tor verteidigt und viele Schüsse geblockt." Im Halbfinale treffen die Gastgeber auf Russland.
Das Schussverhältnis von 25 zu 29 zeichnet einen Vorteil für die tschechische Auswahl, nicht berücksichtigt sind dabei die 21 geblockten Abschlüsse der Gastgeber. Besonders im ersten Abschnitt waren die Kanadier dominant. Nur den Blocks hatte es Tschechien zu verdanken, dass sie nicht bereits nach 20 Minuten höher zurücklagen. Dylan Cozens brachte Kanada in der 9. Spielminute, auf Zuspiel von Connor McMichael in Front. McMichael schickte Cozens mit einem Lob-Pass auf die Alleingangs-Reise. Der Schuss schien bereits gehalten, rutschte dann aber doch über die Linie. Für Cozens war es das siebte Tor des Turniers, der Höchstwert. Bowen Byram erhöhte etwas mehr als drei Minuten später auf Zuspiel von Peyton Krebs und Cozens auf den Pausenstand von 2:0. Eine Strafe gegen die Tschechen war kurz zuvor ausgelaufen und erneut hatte Nick Malik im Tor Tschechiens den Puck fast pariert.
🚨🇨🇦 ICED! @Dylan_Cozens flies down the ice and puts @HC_WJC up 1-0! #WorldJuniors pic.twitter.com/dZPFlfQ5i5
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Vorlagengeber Krebs war nach der Partie sichtlich erfreut über die Leistung. "Sie sind eine gute Mannschaft und haben viele Schüsse geblockt. Es war schwer für uns einen Weg da durch zu finden, aber wir haben in jedem Drittel alles gegeben. Unsere Leader sind voran gegangen." Dazu gehörte sicher auch Schlussmann Devon Levi, der einen 29-Schüsse-Shutout verbuchte und seinem Team damit den Rücken freihielt.
Die Tschechen schafften es in der Folge nicht, Tore zu erzielen. Ein Manko, dass sie durch das gesamte Turnier begleitete. Sieben der zehn Treffer in fünf Partien fielen beim Sieg über Österreich. "Wenn du gewinnen willst, dann musst du Tore machen", legte Jan Mysak den Finger in die entscheidende Wunde.
Nach einem torlosen Mitteldrittel und weiteren beinahe 20 Minuten ohne Treffer setzten die Tschechen bereits mehr als fünf Minuten vor Ende alles auf eine Karte und nahmen Malik für einen sechsten Feldspieler vom Eis. In der 58. Minute besorgte McMichael mit dem Schuss ins verwaiste Tschechen-Tor für das 3:0 und die Entscheidung.
USA - Slowakei 5:2 (1:0/2:1/2:1)
Die USA ziehen nach einem 5:2-Erfolg über die Slowakei ins Halbfinale der U20-Weltmeisterschaft ein und treffen dort auf Finnland. Die US-Auswahl dominierte die deutliche Torschuss-Statistik mit 43 zu 17. Einzig die Chancenverwertung verhinderte ein deutlicheres Ergebnis.
In der elften Spielminute eröffnete Arthur Kaliyev das Toreschießen, als er nach Zuspiel von Boldy Matthew und MVP-Kandidat Trevor Zegras den slowakischen Schlussmann Simon Latkoczy zum 1:0 überwand. Bereits nach 20 Minuten hatten die Amerikaner einen Schussvorteil (12:5). Latkozy war es zu verdanken, dass nicht bereits zur ersten Unterbrechung eine Entscheidung herbeigeführt war, besonders, da viele Abschlüsse aus aussichtsreicher Position vor dem Tor erfolgten.
Im Mitteldrittel setzten die US-Amerikaner ihre Kontrahenten weiter unter Druck und erzwangen Fehler und Torchancen. Die Slowaken wussten sich häufig nur mit Fouls zu helfen und sammelten so acht Strafminuten. Beim 2:0 durch John Farinacci in der 32. Spielminute war die Slowakei zwar vollständig, doch das 3:0 durch Cole Caufield fiel in doppelter numerischer Überlegenheit der USA fast genau fünf Minuten später.
Happy Birthday Cole Caufield! The Team USA sniper gets a score against Slovakia on his 20th birthday to help push @usahockey one step closer to the #WorldJuniors semis pic.twitter.com/VMERY21HlY
— IIHF (@IIHFHockey) January 3, 2021
Die Slowaken gaben nicht auf und erzielten noch vor der Pause den Anschlusstreffer zum 3:1. Matej Kaslik überwand Spencer Knight im US-Tor in der 39. Minute auf Vorlage von Simon Nemec und Jakub Kolenic. Auch im Mittelabschnitt sprach das Schussverhältnis (15:5) eine deutliche Sprache zu Gunsten der USA.
Bereits nach 20 Sekunden im Schlussdrittel zeigten die USA, dass sie sich durch den Anschluss vor der Pause nicht haben verunsichern lassen und generierten über Zegras und Alex Turcotte die erste Chance der finalen 20 Minuten. In einer Überzahlsituation Mitte des Drittels hatten die Slowaken gute Schussgelegenheiten und erzielten kurz vor Ablauf der Strafe den Anschlusstreffer zum 2:3. Dominik Sojka fälschte in der 50. Spielminute einen scharfen Pass von Samuel Knazko ins Tor ab.
Die Vorentscheidung brachte ein Bauerntrick von Farinacci. In der 56. Spielminute bekam der Angreifer hinter dem slowakischen Tor viel Zeit, zog mit der Rückhand vor den Kasten und schob den Puck zum zweiten Mal in der Partie über die Linie.
Die Slowaken nahmen Latkoczy noch für einen sechsten Feldspieler vom Eis, doch der Treffer fiel für die USA. Einen leichten Scheibenverlust im Drittel der USA bestrafte Matthew Berniers in der 59. Spielminute mit dem Treffer zum 5:2-Endstand.

















