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Ab dem 1. November nimmt NHL.com/de mit seiner 31 in 31 Serie jedes Team genauer unter die Lupe. Von den wichtigsten Geschehnissen und Spielern bis hin zu Stärken und Schwächen, bieten wir eine umfassende Bestandsaufnahme der Klubs in der Liga.
In dieser Ausgabe geht es um die Detroit Red Wings

Es gab mal eine Zeit, da waren die Detroit Red Wings das heißeste Team der NHL. Zwischen 1997 und 2008 gewann die Franchise aus Michigan vier Mal den Stanley Cup. In den letzten Jahren allerdings herrschte sportliche Tristesse. Die letzte Playoff-Teilnahme datiert aus der Saison 2015/16.
Die vergangene Spielzeit markierte einen neuen Tiefpunkt. Nur 17 der 71 Saisonspiele wurden gewonnen. Dies war die mit Abstand schwächste Bilanz der NHL. Schlimmer noch: Eine Punktquote von 0,275 ist die schlechteste Quote einer NHL-Mannschaft seit der Einführung des Salary Caps zur Saison 2005/06.
Konsequenzen auf der Trainerposition blieben trotzdem aus. General Manager Steve Yzerman stellte frühzeitig klar, weiterhin Jeff Blashill das Vertrauen zu schenken: "Es wäre nicht fair, aufgrund der Bilanz über ihn zu urteilen. Bevor wir den Trainerstab ernsthaft kritisieren könnten, müssen wir erst einmal die Mannschaft weiterentwickeln."
Stellt sich die logische Frage, ob dies in der Offseason gelungen ist.
Die Schlüsselspieler
Erst vor wenigen Tagen hat Yzerman einen der Schlüsselspieler längerfristig an die Franchise gebunden. Flügelstürmer Anthony Mantha unterschrieb einen neuen Vier-Jahres-Vertrag. "Es ist eine große Verantwortung, ein Teil der Zukunft dieses Teams zu sein", sagt der Kanadier, der in der vergangenen Saison 16 Tore und 22 Assists zu verbuchen hatte. Lediglich Dylan Larkin (19 Tore, 34 Assists) und Tyler Bertuzzi (21 Tore, 27 Assists) hatten teamintern mehr Scorer-Punkte vorzuweisen.

VGK@DET: Mantha schießt Führungstor vom Pfosten rein

Eine enttäuschende Saison, wie die von den Red Wings, bringt logischerweise nur wenig Gewinner hervor. Eine Ausnahme ist der Verteidiger Filip Hronek. Der 23-jährige Tscheche war mit neun Toren und 22 Assists der viertbeste Scorer des Teams, überzeugte zudem defensiv gegen die Top-Reihen des Gegners, war auch im Unterzahl- und Überzahlspiel ein wichtiger Part.
In der Free Agency sorgte das Team zwar nicht für die spektakulärsten Verpflichtungen. Gleichwohl erscheinen die Zugänge sinnvoll, um der jungen Mannschaft Stabilität zu verleihen. Dies trifft zum Beispiel auf Flügelstürmer Bobby Ryan zu, der bereits auf 13 Spielzeiten in der NHL zurückblickt und die vergangenen sieben Jahre in Ottawa verbrachte.
Auch der Center Vladislav Namestnikov möchte in Detroit wieder an erfolgreiche Zeiten anknüpfen, nachdem er vergangene Saison bei drei unterschiedlichen Teams unter Vertrag stand.
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Bereits vor Beginn der Free Agency wurde per Trade Marc Staal verpflichtet, der als erfahrener Defensiv-Haudegen wertvoll sein dürfte. Die Red Wings mussten zwar seinen teuren Vertrag übernehmen, der noch für eine Saison gilt und mit 5,7 Millionen Dollar dotiert ist., dafür gab es aber einen Zweitrunden-Pick für 2021 hinzu. Dies passt zu der Strategie der Red Wings, möglichst viele Draft Picks anzusammeln. Doch dazu später mehr.
Thomas Greiss und Moritz Seider - das deutsche Duo
Ebenfalls neu dabei ist der deutsche Torwart Thomas Greiss, der bei den New York Islanders trotz konstant guter Leistungen nur noch Backup war. "Ich werde für die jungen Spieler da sein und der Mannschaft helfen, so erfolgreich wie möglich zu sein", sagt der 34-Jährige.
Auffällig ist, dass die Red Wings mit ihren Neuverpflichtungen nur kurzfristig planen. Kein hinzugekommener Spieler hat einen Kontrakt, der für länger als zwei Jahre gilt. Die Verträge von Greiss und Namestnikov gelten zum Beispiel für die kommenden beiden Spielzeiten, die von Ryan und Staal lediglich für eine Saison.

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"Das gibt uns Flexibilität", nennt Yzerman als Grund. "Aufgrund der Ungewissheit über den Salary Cap in den nächsten Jahren fühlen wir uns wohler, vorsichtig zu sein. Wir werden mit unseren jungen Spielern vorerst langsam vorankommen und sind daher mit langfristigen Deals eher vorsichtig."
Einer dieser jungen Spieler, die für die Zukunft der Red Wings stehen, ist der deutsche Moritz Seider.
Sie könnten nachrücken
Seider wurde im vergangenen Jahr in der 1. Runde an Position 6 gepickt. Der 19-jährige Verteidiger wartet noch auf sein NHL-Debüt. In der AHL hatte er im Dienst der Grand Rapids Griffins zwei Tore und 20 Assists zu verbuchen. Um weiter Spielpraxis sammeln zu können, wurde er vorübergehend an den schwedischen Erstligisten Rögle BK verliehen.
Akteure wie Hronek oder auch der 20-jährige Flügelstürmer Filip Zadina sind der Beweis dafür, dass junge Spieler in Detroit früh Verantwortung übernehmen dürfen.

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Die Planung von Yzerman ist darauf ausgelegt, möglichst viele Talente anzusammeln und weiterzuentwickeln. Bei den vergangenen beiden Drafts hatten die Red Wings insgesamt 22 Picks. Neun Picks haben sie bereits für den Draft 2021 zusammen.
Der diesjährige Erstrunden-Pick ist Lucas Raymond, der an Position 4 ausgewählt wurde. Der junge Schwede debütierte 2018/19 in der SHL, also der höchsten Spielklasse seines Heimatlandes. Vergangene Saison hatte Raymond bei 33 Einsätzen vier Tore und sechs Vorlagen zu verbuchen. Er verfügt über einen explosionsartigen Speed, gute Hände und eine erstklassige Arbeitsmoral.
Stärken
Die größte Stärke der Red Wings ist, dass das Team über viele junge Spieler mit hohem Potenzial verfügt. Dies dürfte in der kommenden Saison vermehrt zu sehen sein. Routiniers wie die hinzugeholten Thomas Greiss oder Bobby Ryan könnten den Entwicklungsprozess der Mannschaft beschleunigen.
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Entwicklungspotenzial
Nach einer Saison, die sportlich so enttäuschend verläuft wie die der Red Wings, findet sich in nahezu allen Bereichen Entwicklungspotenzial.
Vorne erzielte Detroit mit 142 Toren die mit Abstand wenigsten Treffer der NHL. Hinten ließ das Team mit 265 Gegentreffern die meisten zu. Man braucht kein Eishockey-Experte zu sein, um zu erkennen, dass dies kein guter Mix ist.

Top 10 Spielzüge der Red Wings... bisher

Bei den Special Teams sieht es ähnlich aus: Die Penalty-Kill-Quote von 74,3 Prozent war die niedrigste der Liga. Und nur 14,9 Prozent der eigenen Powerplays führten zum Tor. Immerhin: Hier gab es mit den Anaheim Ducks und den Ottawa Senators zwei Teams, die in Überzahl noch ungefährlicher waren.
Playoff-Chancen
Yzerman verfolgt einen klar erkennbaren Plan, setzt auf junge Spieler und hat in der Free Agency einige Routiniers hinzugeholt, die als Übergangslösung für Stabilität sorgen könnten. Ein kleiner Aufwärtstrend dürfte kommende Saison erkennbar sein. Von den Playoffs braucht in Detroit allerdings niemand zu träumen.