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Für die Hurricanes wird es schwer werden

NHL.com/de 31 in 31: Nach einer Traumsaison steht Carolina vor großen Herausforderungen

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Ab dem 1. August nimmt NHL.com/de mit seiner 31 in 31 Serie jedes Team genauer unter die Lupe. Von den wichtigsten Geschehnissen und Spielern bis hin zu Stärken und Schwächen, bieten wir eine umfassende Bestandsaufnahme der Klubs in der Liga.

In dieser Ausgabe geht es um die Carolina Hurricanes.

Die größte Herausforderung im Sport und im sonstigen Leben ist es weniger kurzfristig ein gewisses Leistungsniveau zu erreichen, sondern viel mehr das Erreichte längerfristig zu stabilisieren und eingefahrene Erfolge zu wiederholen. Genau vor dieser Herausforderung stehen die Carolina Hurricanes vor der Spielzeit 2019/20.

 

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Nach überraschend starken 99 Zählern aus der 82-Spiele umfassenden Hauptrunde und dem unerwarteten Einzug in das Eastern Conference Finale, in dem die Hurricanes gegen die Boston Bruins mit 0:4 in der Serie glatt unterlagen, gilt es sich zu konsolidieren bzw. den Erfolg zu toppen. Dass dies ein schwer zu realisierendes Ziel sein dürfte, hält die Aktiven in Raleigh trotzdem nicht davon ab, diese große Herausforderung mit viel frischem Elan anzugehen.

Die Schlüsselspieler

Die Verantwortlichen der Hurricanes legen große Teile ihrer Hoffnungen auf eine weiterhin glorreiche Zukunft der Mannschaft in die Hände von Sebastian Aho. Der junge Finne weckte nach einer erfolgreichen Vorsaison Begehrlichkeiten bei vielen in der Liga. Die Montreal Canadiens unterbreiteten ihm sogar ein lukratives Vertragsangebot (42,27 Millionen US-Dollar für einen Fünfjahresvertrag), wollten den Offensivspieler, der zum 1. Juli zum Restricted Free Agent wurde, mit einem 'Offer Sheet' zu sich locken. Carolina konterte jedoch den Abwerbungsversuch, nach eigenen Angaben ohne zu zögern, und band den Begehrten weiter an sich.

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Um ihn herum soll sich das Team weiterentwickeln. Wichtig für eine erfolgreiche Zukunft wird die Frage sein, wie die Torhüter sich präsentieren werden. Petr Mrazek spielte im Vorjahr eine überraschend starke Saison. Von seinen 40 Starts konnte er 23 gewinnen (23-14-3), bei einer Fangquote von 91,4 Prozent und vier Shutouts. Kann er das wiederholen?

Zur Unterstützung hat er in Zukunft mit James Reimer, den das Management von den Florida Panthers holte, einen neuen, erfahrenen Backup an seiner Seite. Werden die beiden den Kader unter den besten Defensivmannschaften (im Vorjahr immerhin Rang 6 in der Gegentorstatistik der Liga mit 233 Treffer) halten können?

Neu beweisen müssen sich an neuer Wirkungsstätte ebenso die mit hohen Erwartungen verpflichteten Erik Haula und Ryan Dzingel. Das Team muss in der Offensive, die in Sachen Torproduktion nur Rang 16 (245 Tore) erreichte, im Idealfall mehr Tiefe erhalten. Im Blickfeld bleiben soll weiterhin der Schweizer Nino Niederreiter, der sich nach seinem Wechsel von den Minnesota Wild nach North Carolina im Januar prima entwickelte und ein entscheidender Faktor für sein neues Team wurde.

Kann Niederreiter seine Leistungen bestätigen?

Eidgenosse Niederreiter war im abgelaufenen Eishockeyjahr die vielleicht größte positive Überraschung unter den im Saisonverlauf transferierten Spielern der Liga. In Minnesota zuletzt etwas aus dem Blickfeld geraten, blühte er nach seinem Wechsel zu den Hurricanes regelrecht auf. Am Ende standen 53 Punkte aus der Hauptrunde 2018/19 (23 Tore, 30 Assists) zu Buche. Hinzu kamen weitere vier Punkte (1 Treffer, 3 Vorlagen) aus 15 KO-Spielen.

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Durch seine konstant starken Leistungen hatte er einen großen Anteil an der sich langsam und schrittweise aufbauenden Euphorie-Welle in seiner neuen sportlichen Heimat. Niemand hätte noch zum Jahreswechsel damit gerechnet, dass das Team unter seiner Mitwirkung überhaupt in die KO-Phase würde einziehen können.

Nach der Sommerpause wird sich zeigen, ob er den neugewonnenen Schwung in die kommende Runde mitnehmen kann?

Sie könnten nachrücken

In Raleigh ist man in Sachen Nachwuchs seit Jahren schon sehr gut aufgestellt. Erwartet wird im Oktober zum Beispiel der Durchbruch von Martin Necas. Der im NHL Draft 2017 an Nummer 12 ausgewählte Spieler hatte bereits zu Beginn des Vorjahres einige Spiele in der NHL absolviert und wird mit seinen inzwischen 20 Jahren als große Hoffnung in der Organisation angesehen. Der Stürmer soll mehr Spiele bekommen als seine lediglich sieben Einsätze in der Vorsaison.

Torhüter Alex Nedeljkovic, die Nummer 37 aus dem NHL Draft 2014, soll dem neu verpflichteten Reimer als möglicher Backup des Teams Konkurrenz machen und bei Verletzungen Gewehr bei Fuß stehen. Er überzeugte in der vergangenen Spielzeit als bester Torhüter der AHL, gewann mit seinem Team aus Charlotte den Calder Cup.

 

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Verteidiger Jake Bean werden ebenfalls schon einige NHL-Einsätze in der kommenden Spielzeit zugetraut. Der Nummer 13 aus dem NHL-Draft 2016 gelangen in der AHL im Vorjahr mit Charlotte 44 Punkte. Zu Saisonbeginn wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit zunächst in der AHL erwartet. Doch einiges spricht dafür, dass er im Saisonverlauf in der NHL zum Einsatz kommen dürfte.

Etwas mehr Geduld werden hingegen die jungen Stürmer Ryan Suzuki und Eetu Luostarinen brauchen. Beide haben zwar das Potenzial für die Hurricanes, werden vermutlich noch mehr Zeit zur Entwicklung benötigen, bevor sie es in den Roster des NHL-Teams schaffen.

Stärken

Carolinas Erfolg in der Spielzeit 2018/19 stellte sich nicht über einzelne Stars ein, sondern über das Kollektiv und den Mannschaftsgeist. Dies wird auch ab Oktober wieder vonnöten sein, wenn das Team in der Tabelle nicht zurückfallen will.

Der Erwartungsdruck auf Aho, Niederreiter & Co. ist nach dem Erreichen des Conference Finales ungewohnt groß. Optimismus gibt die solide Defensive. Wenn es gelingt in der Abwehr abermals sicher zu stehen, ist der Grundstein für eine erneut erfolgreiche Saison in jedem Falle gelegt.

Entwicklungspotenzial

Nur Rang 16 in der Hierarchie der 31 NHL-Teams in Sachen eigener Torproduktion ist hingegen ganz klar verbesserungswürdig. Das haben auch die Verantwortlichen in Raleigh erkannt und an einigen Stellschrauben im Team gedreht. Haula, der in der abgelaufenen Saison für die Vegas Golden Knights verletzungsbedingt nur auf 15 Saison-Einsätze kam, davor jedoch mit 29 Toren und 26 Assists in 2017/18 überzeugte, und Dzingel sollen die Breite in der Offensive vergrößern.

Haula wird in der Reihe mit Aho und Jordan Staal erwartet. Dzingel, der bei den Ottawa Senators und Columbus Blue Jackets in 2018/19 mit 26 Toren und 30 Vorlagen in 78 Spielen einen neuen Karrierebestwert aufstellte, wäre damit ein Kandidat für die zweite Reihe von Trainer Rod Brind'Amour.

Video: CAR@NYI, Sp1: Staal findet die Lücke in Overtime

Ob Justin Williams seine Künste ein weiteres Jahr dem Team zu Verfügung stellen wird, muss abgewartet werden. Sollte er sich für ein Mitwirken entscheiden, stellt sich die Frage, ob der fast 38-Jährige seine Offensivproduktion (23-30) weiterhin wird halten können. Ganz sicher ist das in seinem fortgeschrittenen Alter selbst für ihn persönlich nicht, wie sein aktuelles Zögern in der Entscheidungsfindung, einen neuen Vertrag zu unterzeichnen, beweist.

Playoff-Chancen

Von der Wahrscheinlichkeit her erscheint ein Rückschlag für die Hurricanes in der kommenden Spielzeit derzeit wesentlich realistischer als eine abermalige Qualifikation für die Playoffs im kommenden Frühjahr. Das Team ist von seiner personellen Besetzung her einfach nicht stark genug aufgestellt, um es für einen sicheren KO-Runden-Kandidaten zu halten.

Es muss in den kommenden Monaten schon viel zusammenkommen, wenn es Carolina tatsächlich gelingen soll die glänzenden Erfolge des Jahres 2019 auch im kommenden Frühjahr auf ähnliche Art und Weise bejubeln zu dürfen. Aber im Eishockey weiß man ja bekanntlich nie.

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