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Die Carolina Hurricanes stehen vor einer gewaltigen sportlichen Herausforderung. Nach zwei knappen Heimniederlagen in Raleigh zum Auftakt in die Stanley Cup Second Round gegen Titelverteidiger Tampa Bay Lightning ist guter Rat vor den beiden Auswärtsbegegnungen teuer. Viel falsch gemacht hat die Mannschaft von Trainer Rod Brind'Amour bei den zwei Auftritten in der PNC Arena nicht, trotzdem gingen die Duelle mit jeweils 2:1-Toren in der Endabrechnung an den Gegner aus Florida.

Diese Tatsache störte naturgemäß auch Torhüter Alex Nedeljkovic. Viel Grund für konkrete Veränderungen an der Herangehensweise seiner Mannschaft sah er aber auch bei einer Zoom-Pressekonferenz am Tag nach Spiel 2 nicht: "Wir müssen unserem Spielplan treu bleiben. Beide Spiele waren von uns gut. Wir hatten nur nicht das Glück auf unserer Seite. Irgendwann wird es aber so weit sein. Darauf müssen wir uns jetzt mental vorbereiten. Unsere Einstellung wird sich deshalb grundsätzlich aber nicht ändern. Wir bereiten uns aktuell auf Spiel 3 vor und dann starten wir Morgen von vorne, schauen erst einmal nur auf diese eine Partie."

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Auffällig war in den ersten Vergleichen, dass die Hurricanes in der Offensive erst spät auf Touren kamen. Die Treffer gegen Tampa Bay gelangen ihnen jeweils erst im Schlussdrittel. Im Gegensatz zum Seriensieg in der ersten Runde der Stanley Cup Playoffs gegen die Nashville Predators, als die Hurricanes regelmäßig schon in den ersten 20 Minuten einzunetzen vermochten, ließen sie gegen die Lightning stets viel Zeit verstreichen, bevor sie mit einem Torerfolg aufwarteten.
In Spiel 3 am Donnerstag (8 p.m. ET; NHL.TV; Fr. 2 Uhr MESZ), bei dem der verletzte Schweizer Nino Niederreiter vermutlich erneut nicht wird mitwirken können, ist ein besserer Start in die Begegnung gefragt. Etwas, woran die Hurricanes grundsätzlich arbeiten sollten, denn sie haben in sieben ihrer acht Playoff-Partien das erste Tor zugelassen.
Das einzige Mal, dass die Hurricanes den Torreigen in einem Duell eröffnet hatten, war in Spiel 2 gegen Nashville, als sie am Ende einen ungefährdeten 3:0-Sieg einfuhren. Coach Brind'Amour wollte darin am Mittwoch vor der Abreise nach Florida aber kein Grundsatzproblem erkennen: "Wir haben es in dieser Saison auch schon häufig andersherum gehabt. Um ehrlich zu sein, ich fand in den beiden Spielen gegen Tampa unsere Anfangsphase noch mit am besten. Aber natürlich ist es unser Ziel das erste Tor in einer Partie zu schießen. Das ist es aber immer."
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Den Lightning dagegen, ist bei allen ihren sechs Siegen stets das erste Tor gelungen. Das Team von Trainer Jon Cooper hat am Dienstag zudem einmal mehr gezeigt, dass es defensiv sehr gut organisiert ist, eine einmal errungene Führung mit Können und einem gehörigen Maß an Routine erfolgreich verteidigen kann. Wenn die Hurricanes auswärts den ersten Treffer erzielen und die Lightning zum Aufholen eines Rückstands gezwungen sind, könnte das zu Gute kommen, um sich in der Serie zurückzumelden.
Im zweiten Aufeinandertreffen schaffte es Carolina durch Andrei Svechnikov erst 90 Sekunden vor der Schlusssirene den einmal mehr bärenstark agierenden Andrei Vasilevskiy im Tor der Lightning zu überwinden. Um noch den Ausgleich zu erzielen und den 0:2-Serienrückstand zu verhindern, lief die Zeit davon.
Trainer Brind'Amour suchte trotz des abermals bitteren Spielausgangs nach positiven Ansätzen. "Wir haben ziemlich hart gespielt und gekämpft. Du spielst gegen das beste Team der Welt und lieferst dir mit ihnen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ich bin stolz auf die Gruppe. Sie arbeiten so hart. Wir tun alles, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben nur noch nicht den kleinen Durchbruch geschafft."
Dass dieser vom Trainer angesprochene Durchbruch nicht gelang, lag zu großen Teilen an der herausragenden Leistung von Torhüter Vasilevskiy. Der Russe zeigte bei seinem dritten Sieg in Folge 31 Paraden bei 32 Schüssen. Er hat 68 von 70 Versuchen in dieser Serie abgewehrt, was einer herausragenden Fangquote von 97,1 Prozent entspricht.

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"Er ist Weltklasse", lobte Brind'Amour. "Er ist eindeutig dominant. Wir müssen weiterhin so viele Pucks wie möglich in seine Richtung befördern, wenn wir Erfolg haben wollen."
Neben mehr Torschüssen wird es zudem erforderlich sein, dass Carolina mehr Verkehr vor seiner Nase produziert. Nur so erhöhen sie ihre Chancen. "Ich denke, wir sind insgesamt auf dem richtigen Weg, wenn auch recht viele unserer Schüsse von außen kamen. Sie haben ihrerseits auch einen guten Job gemacht. Das gilt es anzuerkennen", fand Jordan Staal. "Als Stürmer, mich eingeschlossen, müssen wir uns vor ihren Goalie stellen und mehr Leute dorthin bringen, wo es gefährlich für sie werden kann. Wenn wir das schaffen, werden wir sicher den einen oder anderen Abpraller bekommen, den wir dann verwerten können."
Für den Stanley Cup Champion des Jahres 2006 ist es trotz des ernüchternden 0:2-Serienrückstandes kein Ding der Unmöglichkeit den amtierenden Titelverteidiger noch auszuschalten. Hierzu werden sie aber mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr als nur einen Treffer pro Spiel brauchen. Die Überzeugung an ein Weiterkommen ist in North Carolina ungebrochen vorhanden. "Wir glauben an unsere Gruppe. Wenn man sich diese Spiele anschaut, dann sind sie sehr eng gewesen", analysierte Staal. "Wir müssen in die kommenden Auswärtsaufgaben gehen und im Grunde auf die gleiche Art spielen, wie sie hier bei uns. Nicht viel zulassen und einfach ein gutes Auswärtsspiel bestreiten. Wir müssen einen Weg finden, um zu gewinnen."
In Führung zu gehen wird für die Hurricanes ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg sein. Mut machen kann ihnen auch die Statistik der bisherigen Playoff-Partien. Von den bislang 50 absolvierten Begegnungen wurden 25 von der Auswärtsmannschaft gewonnen. Damit ist die laufende Postseason erst die 13. in der NHL-Geschichte, in der die Gastteams mindestens 50 Prozent der ersten 50 Spiele eines Playoff-Jahres gewonnen haben.
Ein Trend, der in den letzten zehn Jahren zur Normalität geworden ist (2018 waren es 25, 2017 28, 2016 27, 2012 30 und 2011 deren 26).
So gesehen muss es kein Nachteil sein, dass Carolina die nächsten beiden Vergleiche in der Amalie Arena der Lightning zu absolvieren hat. Doch selbst wenn es ihnen abermals nicht gelingen sollte, in Führung zu gehen, hat Sebastian Aho die passende Antwort schon parat gehabt: "Es ist immer hilfreich, wenn die eigene Mannschaft das erste Tor im Spiel erzielt. Aber es muss auch ohne gehen. Wenn der Einsatz stimmt, wirst du im Normalfall immer irgendwann belohnt. Wir müssen dranbleiben und weiter an uns glauben."