WPG 2, NYI 5

Für Barry Trotz war die Partie seiner New York Islanders gegen die Winnipeg Jets ein denkwürdiges Match. Beim 5:2-Erfolg in der UBS Arena konnte der Trainer der Islanders seinen 900. NHL-Sieg feiern. Er war erst der dritte Trainer, der diesen Meilenstein erreichen konnte.

Im ersten Abschnitt, der Trotz von der Spielweise seiner Mannschaft sehr gut gefallen hat, gingen die Islanders in Überzahl durch Brock Nelson in Führung (7.). Beim Gegentreffer zum 1:1, durch Kyle Connor (17.), hatte Trotz zu bemängeln, dass die Absicherung der Verteidiger mangelhaft war. Eine gute Chance der Islanders verleitete alle Akteure sich zu tief ins Angriffsdrittel zu bewegen. Eine seltene Undiszipliniertheit bei Teams, die durch Trotz trainiert werden.

WPG@NYI: Nelson per Onetimer zum PPG

"Ich hatte eigentlich gedacht, dass von ihrer Bank ein Spieler kommen wird. Ich war noch nie so frei", beschrieb Vorlagengeber Nikolaj Ehlers die Situation. "Natürlich spekuliert man auf Konter, aber eine Zwei-Auf-Null-Situation wie die, das habe ich noch nie gesehen."
Trotz und seine Mannschaften stehen eher für die defensive Spielweise. "Sie spielen ein sehr strukturiertes Spiel, das ist ihr Brot- und Buttergeschäft", versuchte Winnipegs Verteidiger Josh Morrissey die Stärken der Islanders zu erklären. "Sie spielen physisch und verteilen, außer bei dem Zwei-Auf-Null-Kontern, nicht viele Geschenke. Sie positionieren sich vor dem Tor, haben einen starken Forecheck und bringen die Scheiben dann da hin. Wie man sieht, haben sie einige Zweikämpfe vor dem Kasten gewonnen und wurden dafür belohnt."
Josh Bailey und Anders Lee waren es, die die Belohnungen in Form von Toren im Mitteldrittel einsammeln konnten. Binnen 40 Sekunden netzten die beiden Angreifer ein und brachten die Islanders zu Drittelbeginn auf die Siegerstraße (beide 2. Spielminute).

WPG@NYI: Bailey versenkt Rebound zum Führungstor

Trotz war nach der Partie begeistert von der Spielweise zu Beginn des zweiten Abschnitts. Er hatte jedoch auch erkannt, dass sein Team nach etwa neun Minuten ein wenig den Faden verlor. Die Jets hätten dann einen Schub bekommen und die Partie etwas an sich gerissen, erkannte der erfahrene Trainer.
Der Anschlusstreffer fiel dann zu Beginn des dritten Drittels. Blake Wheeler benötigte nach dem Eröffnungsbully für die finalen 20 Minuten nur 20 Sekunden, um Semyon Varlamov zu überwinden. Der Schlussmann der Islanders wurde von Trotz besonders gelobt. Er habe mit seinen 27 Paraden die Führung der Islanders festgehalten und sei ein wichtiger Baustein für den Erfolg gewesen.
Der zweite Treffer von Bailey (48.) und das Tor zum 5:2-Endstand durch Cal Clutterbuck sorgten für den zweiten Islanders-Sieg hintereinander. Zwei doppelte Punktgewinne in Folge gelangen den Islanders erstmals seit Anfang November (4. - 6.)
"Es ist ein Klischee und ganz einfach. Es geht um Tag für Tag und Spiel für Spiel. Wer weiß, was dann passieren wird", gab Nelson die Marschroute für die kommenden Wochen vor und dürfte seinem Trainer damit aus dem Herzen gesprochen haben. "Man kann nur das kontrollieren, was man selbst tut. Also holen wir ein paar Siege und das fühlt sich gut an. Wir haben das Gefühl, dass wir ein paar Dinge gut machen und gutes Eishockey spielen."
Der Erfolg beruht besonders auf dem erfahrenen Mann hinter der Bande. Mit nun 900 NHL-Erfolgen ist Trotz, nach Scotty Bowman (1244) und Joel Quenneville (969) erst der dritte Trainer, der diese Marke übertreffen konnte. Ihm selbst war der Meilenstein jedoch nicht bewusst, so dass er bei den Glückwünschen nach der Partie nur etwas verwundert nachfragte, wofür diese denn seien.
"Es bedeutet nur, dass ich schon lange dabei bin", spielte Trotz die Leistung herunter. "Ich hatte einige gute Spieler und wir konnten ein paar Spiele gewinnen. Seine Siege sammelte der 59-jährige von 1998 - 2014 mit den Nashville Predators (557) und von 2014 - 2018 mit den Washington Capitals (205) Mit Washington gewann er 2018 auch den Stanley Cup, ehe er zu den Islanders wechselte und weitere 138 Erfolge einfuhr.
"Das ist etwas Besonderes", freute sich Bailey für seinen Trainer. "Das ist eine Hall-Of-Fame-Karriere für eine Hall-Of-Fame-Persönlichkeit. Es ist eine herausragende Leistung und wir freuen uns, ohne Frage, sehr für ihn." Mit seiner positiven Bilanz (900-659-166 und 60 Unentschieden) beweist Trotz, dass sich Erfolg durchsetzt. Am Ende folgen ihm seine Spieler auch, weil sie wissen, was er bereits geschafft hat.
"Es scheint, als ob er in den vergangenen Jahren so viele Meilensteine erreicht hat", gab Islanders-Verteidiger Adam Pelech bewundernd an. "Er hat für meine Karriere und die Karrieren vieler anderer in der Mannschaft großartige Dinge getan, genauso wie für die Mannschaft als Ganzes. Es ist also fantastisch zu sehen, wie er einen solchen Meilenstein erreicht."
Am Sonntag (7:30 p.m. ET; NHL.tv; Mo. 0:30 Uhr MESZ) geht es für Trotz und die Islanders dann, gegen die Anaheim Ducks, um den 901. Erfolg für den Trainer, der sich nun auf die Jagd nach Quenneville macht und damit der zweiterfolgreichste Coach der NHL-Geschichte werden will.