080823 Colorado Avalanche

Vom 1. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 täglich ein Team der Liga mit Blick auf die Saison 2023/24 unter die Lupe. Die zweiteilige Bestandsaufnahme besteht aus einer Analyse der wichtigsten personellen Veränderungen, der Schlüsselspieler, der Stärken und Schwächen, der Playoff-Chancen und einem gesonderten Spielerporträt.

In dieser Ausgabe: Colorado Avalanche

Nach Abschluss der regulären Saison 2022/23 wähnte sich Colorado auf einem guten Weg in Richtung Titelverteidigung, obwohl der Verlauf durch Verletzungen und andere Faktoren eher holprig war. Mit einer Matchbilanz von 51-24-7 und 109 Punkten sicherte sich die Mannschaft den Spitzenplatz in der Central Division. Doch in der ersten Runde der Stanley Cup Playoffs in der Western Conference stolperte die Vertretung aus Denver über ihren ehemaligen Torhüter Philipp Grubauer und die Seattle Kraken. Nach dem unerwartet frühen Aus krempelten die Verantwortlichen vor allem die Offensive des Teams um.

Die wichtigsten Veränderungen im Kader

Scoring-Touch und Erfahrung waren die beiden zentralen Einstellungskriterien für die neuen Offensivkräfte. Bei einem Trade mit den Nashville Predators wurde Ryan Johansen an Land gezogen. Der 30 Jahre alte Center kam in der zurückliegenden Saison auf 28 Punkte (zwölf Tore, 16 Assists) aus 55 Spielen. Die letzten 27 Partien verpasste er wegen einer Fußverletzung. In einem Tauschgeschäft mit den Tampa Bay Lightning sicherte man sich die Dienste von Ross Colton. 32 Punkte (16 Tore, 16 Assists) in 81 Einsätzen der regulären Saison und vier Zähler (ein Tor, drei Assists) in sechs Playoff-Auftritten standen für den 26-jährige Center in der vergangenen Spielzeit zu Buche.

NSH@NJD: Johansen findet die freie Ecke in OT

Mit Jonathan Drouin (zuletzt Montreal Canadiens) und Miles Wood (New Jersey Devils) stießen zwei routinierte Flügelstürmer zum Klub. Der 28-jährige Linksaußen Drouin dürfte bei den Avalanche eine Top-6-Rolle spielen. In Montreal sammelte er 29 Punkte (zwei Tore, 27 Assists) aus 58 Begegnungen. Für den ein Jahr jüngeren Linksaußen Wood waren 27 Punkte (13 Tore, 14 Assists) aus 76 Partien registriert. Sein Platz ist vermutlich eher in den hinteren Sturmreihen zu finden.

Eine ganze Reihe von Akteuren wird künftig nicht mehr das Avalanche-Trikot überstreifen. Mit Evan Rodrigues (zu den Florida Panthers), J.T. Compher (Detroit Red Wings), Alex Newhook (Montreal Canadiens), Lars Eller (Pittsburgh Penguins) und dem Schweizer Denis Malgin (ZSC Lions) haben fünf Angreifer einen neuen Arbeitgeber. Verteidiger Erik Johnson (Buffalo Sabres), immerhin der Dienstälteste Avalanche im Kader (seit Frühjahr 2011), zog ebenfalls von dannen.

Schlüsselspieler

Mit Nathan MacKinnon und Mikko Rantanen verfügt Colorado über zwei der besten Scorer der Liga in den eigenen Reihen. MacKinnon knackte in der abgelaufenen Saison mit 111 Zählern (42 Tore, 69 Assists) aus 71 Einsätzen zum ersten Mal in seiner NHL-Karriere die 100-Punkte-Marke. Gleiches galt für Rantanen, der es auf 105 Punkte (55 Tore, 50 Assists) brachte.

Zur unumstrittenen Nummer 1 zwischen den Pfosten mauserte sich Alexandar Georgiev. Er hütete 62-mal das Tor und landete mit dieser Einsatzzahl auf einem geteilten zweiten Platz im Gesamtklassement. In der Defensive bewies Cale Makar, dass er mit erst 24 Jahren schon zu den stärksten Bluelinern in der NHL gehört. Wegen Verletzungsproblemen konnte er nur 60-mal auflaufen. Dennoch reichte es für 66 Punkte (17 Tore, 49 Assists) und eine Plus-Minus-Bilanz von +16.

Große Sorgen im Lager der Avalanche macht man sich um die Karrierefortsetzung von Kapitän Gabriel Landeskog. Nach einer Knieoperation im Frühjahr wird er zum zweiten Mal hintereinander die komplette Saison verpassen.

Spieler aus DACH

Fehlanzeige

Stärken

MacKinnon und Rantanen sind zwei Spieler, die jederzeit den Unterschied machen und ein Spiel herumreißen können. Ein derart kongeniales Duo auf diesem hohen Niveau gibt es sonst höchstens noch mit Connor McDavid und Leon Draisaitl bei den Edmonton Oilers. Nicht zuletzt dank seiner beiden Top-Angreifer ist auch Colorados Powerplay eine gefährliche Waffe. Vorige Saison lag die Erfolgsquote bei 24,5 Prozent, was ligaweit den sechsten Rang bedeutete.

Rantanens Top-5-Tore der Saison 2022/23

Eine verlässliche Größe ist außerdem der Defensivverbund. 223 Gegentore aus dem Spiel heraus musste das Team in der Vorsaison hinnehmen, was einem Durchschnitt von 2,72 und Platz 9 im Liga-Ranking entsprach.

Verbesserungspotenziale

Das Secondary Scoring ließ in der vergangenen Spielzeit zu wünschen übrig. Compher schaffte als drittbester Stürmer mit 52 Punkten nicht einmal eine halb so große Ausbeute wie MacKinnon und Rantanen. Die in der Offseason getätigten Transfers sollen dieses Defizit verringern.

Probleme könnte die Mannschaft bekommen, wenn Stammgoalie Georgiev einmal längere Zeit nicht zur Verfügung stehen sollte. Pavel Francouz ist zwar kein schlechter Stellvertreter, er gilt jedoch als verletzungsanfällig.

Vielversprechende Talente

Zu den jungen Stürmern der Organisation, die in der kommenden Saison mehr Verantwortung übernehmen wollen, zählt der 24-jährige Ben Meyers. 2022/23 absolvierte er bereits 39 Spiele in der NHL und schoss vier Tore. Beim AHL-Farmteam Colorado Eagles hatte er 24 Zähler (sechs Tore, 18 Assists) in 30 Auftritten zu verzeichnen. Meyers wird versuchen, sich einen Platz in den Bottom-Six der Avalanche zu sichern. Jean-Luc Foudy (36 Punkte aus 46 Spielen) und Oskar Olausson (20 aus 63) sind zwei weitere Angreifer aus der AHL-Filiale, die sich Hoffnungen auf den ein oder anderen Einsatz eine Etage höher machen.

Playoff-Chancen

Was die Tiefe der Offensive betrifft, sind die Avalanche besser aufgestellt als letzte Saison. Ein Platz zwischen eins und drei in der Gruppe ist daher Pflicht für den dreifachen Stanley Cup Champion, zumal sich etliche der sieben direkten Konkurrenten im Umbruch befinden. Ob es allerdings zu einem langen Playoff-Run reichen wird, ist indes nicht seriös vorherzusagen.