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Vom 1. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 täglich ein Team der Liga mit Blick auf die Saison 2023/24 unter die Lupe. Die zweiteilige Bestandsaufnahme besteht aus einer Analyse der wichtigsten personellen Veränderungen, der Schlüsselspieler, der Stärken und Schwächen, der Playoff-Chancen und einem gesonderten Spielerporträt.

In dieser Ausgabe: Anaheim Ducks

Die jüngere Vergangenheit der Anaheim Ducks war ernüchternd. Nach dem Jahre 2018 konnte sich die Franchise aus Kalifornien nicht mehr für die Stanley Cup Playoffs qualifizieren. In der vergangenen Saison bekamen die Ducks lediglich 23 Siege zustande und waren somit das erfolgloseste Team der gesamten NHL.

Der Stanley Cup Champion von 2007 durchlebte in der zurückliegenden Spielzeit einen Negativlauf nach dem anderen. Nach einem Auftaktsieg gegen die Seattle Kraken verloren sie sieben Spiele in Folge. Auch das Saisonende sorgte nicht für Erheiterung: In den letzten sechs Saisonspielen holten die Ducks keinen einzigen Punkt.

Die Konsequenz war, dass der Vertrag von Trainer Dallas Eakins nach vier Jahren nicht verlängert wurde. Stattdessen darf nun Greg Cronin sein Glück versuchen. Dieser trainierte von 2018 bis 2023 die Colorado Eagles in der AHL, war aber noch nie Cheftrainer in der NHL.

Der General Manager Pat Verbeek ist dennoch von dieser Personalie überzeugt: "Da wir ein junges Team sind, brauchten wir einen Lehrer für die Feinheiten des Spiels und jemanden, der im Laufe der Zeit viel mit talentierten jungen Spielern gearbeitet und ihnen geholfen hat, sich zu erfolgreichen NHL-Spielern zu entwickeln."

Verbeek

Die wichtigsten Veränderungen im Kader
Die Anaheim Ducks haben sich nicht dazu hinreißen lassen, den Kader aufgrund der zuletzt enttäuschenden Ergebnisse komplett zu erneuern. Der Fokus lag in der Free Agency eher auf einer punktuellen Verstärkung.

Verteidiger Radko Gudas, der von den Florida Panthers nach Anaheim gewechselt ist, und Flügelstürmer Alex Killorn, der mit Tampa Bay Lightning zweimal den Stanley Cup gewann, sind die namhaftesten Verpflichtungen. Die beiden 33-Jährigen bringen viel Erfahrung mit und sollen sofort als Führungsspieler agieren.

"Beide haben ein Verständnis dafür, worum es beim Gewinnen geht. Sie akzeptieren keine Niederlagen", erklärt Verbeek, der von seiner Mannschaft einen Leistungssprung erwartet: "Ich denke, wir werden durchsetzungsfähiger, physischer und schwieriger zu bespielen sein. Diese beiden Neuzugänge wissen, was es braucht, um zu gewinnen."

Ein prominenter Abgang ist der Verteidiger Kevin Shattenkirk, der sich den Boston Bruins angeschlossen hat. Der 34-Jährige brachte viel Routine in die eher ausgedünnte Verteidigung und war ein verlässlicher Vorlagengeber. Auch Backup-Torwart Anthony Stolarz hat Anaheim verlassen und steht nun bei den Panthers unter Vertrag.

Schlüsselspieler
Die Ducks verfügen über einen eher jungen Kader mit vielen Top-Talenten. Der 22-jährige Trevor Zegras war in der zurückliegenden Spielzeit mit 23 Toren und 42 Assists der Top-Scorer von Anaheim. Der US-Amerikaner zählt zur neuen Generation der NHL-Stars und schmückte sogar den Titel des Videospiels "NHL 23" von EA Sports.

Zegras' Top-5-Tore der Saison 2022/23

Allerdings ist der Vertrag von Zegras ausgelaufen. Selbiges trifft auf die Arbeitspapiere von dem 25-jährigen Troy Terry zu, der mit 23 Toren und 38 Assists der zweitbeste Scorer der Ducks gewesen ist. Weil beide Stürmer lediglich Restricted Free Agents sind, haben die Ducks deren Zukunft allerdings in der eigenen Hand. Und diese dürfte wohl in Anaheim liegen.

Terrys Top-5-Tore der Saison 2022/23

Ein weiteres Ausnahmetalent ist Mason McTavish, der erst 20 Jahre alt ist und in seiner ersten kompletten NHL-Saison mit 17 Toren und 26 Assists überzeugte. Damit war er der drittbeste Scorer unter allen Rookies der NHL. Der Center, der beim Draft 2021 an Position 3 ausgewählt wurde, besitzt zwar die kanadische Staatsbürgerschaft, wurde aber in Zürich geboren und verbrachte seine ersten zehn Lebensjahre in der Schweiz.

SEA@ANA: McTavish erzielt ein PPG im 2. Drittel

In Torwart John Gibson verfügen die Ducks über einen verlässlichen Schlussmann, der bereits seit der Saison 2013/14 für Anaheim aktiv ist. Dass der 30-Jährige in der vergangenen Saison mit einer Save-Quote von 89,9 Prozent den schwächsten Wert seiner NHL-Karriere hatte, ist weniger mit seiner Qualität und vielmehr mit der schwachen Defensivarbeit seiner Vorderleute zu begründen. Keine andere Mannschaft der NHL ließ so viele Schüsse auf das eigene Tor (Schnitt 39,1) zu wie die Ducks.

Spieler aus DACH
Fehlanzeige

Stärken
Die große Stärke der Ducks ist, dass sie viele junge Spieler mit großem Entwicklungspotenzial in ihrer Organisation haben. Möglicherweise sind die Routiniers Killorn und Gudas die fehlenden Puzzleteile, die mit ihrer Erfahrung der Mannschaft Stabilität geben.

Verbesserungspotenziale
Rein statistisch gab es in der vergangenen Saison nur wenig Mutmacher, weil die Ducks in praktisch allen relevanten Kategorien weit hinten zu finden sind. Sie schossen die zweitwenigsten Tore (2,51 pro Spiel im Schnitt), kassierten die meisten Gegentore (4,09), hatten das zweitschwächste Powerplay (15,7 Prozent) und die zweitschwächste Penalty-Kill-Quote (72,1 Prozent).

Vielversprechende Talente
Der Nachwuchs dürfte auch zukünftig bei den Ducks eine große Rolle spielen. Beim vergangenen NHL Draft besaßen sie gleich sechs Picks in den ersten drei Runden. Ihren Pick-Nummer-2 nutzten sie, um den schwedischen Center Leo Carlsson zu verpflichten. In der SHL blickt der 18-Jährige bereits auf 79 Spiele, 13 Tore und 21 Assists zurück. "Was ich an ihm geliebt habe, ist sein Zwei-Wege-Spiel", sagt Verbeek. "Ich denke, er hat das Potenzial, um an beiden Enden der Eisfläche ein dominanter Spieler zu sein."

Ein weiterer Rookie, der schon bald voll durchstarten könnte, ist der 19-jährige Center Nathan Gaucher, der beim Draft im vergangenen Jahr an Position 22 ausgewählt wurde. Vergangene Saison gelangen ihm in der QMJHL bei den Quebec Remparts 22 Tore und 24 Assists in 46 Spielen. Jim Johnson, Director of Player Development bei den Ducks, ist von ihm überzeugt: "Er ist einer der Spieler, der diese Organisation eines Tages als Führungsspieler voranbringen wird."

Gaucher_Ducks_2022Draft

Playoff-Chancen
Die Ducks gehen als Außenseiter in die Saison. Eine kleine Chance besteht nur, wenn die Neuzugänge Killorn und Gudas sofort als Führungsspieler funktionieren, junge Spieler wie Zegras oder McTavish ihre erstaunliche Entwicklung fortsetzen, weitere Top-Talente sofort durchstarten und die Verteidigung einen riesengroßen Entwicklungsschritt macht. Mittelfristig allerdings könnte der Weg von Anaheim zum Erfolg führen.