Skip to main content

Torflut in der NHL

Offensiver Spielstil, Regelveränderungen und Jugendwahn

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

Jeden Samstag ermöglicht Euch nhl.com/de mit dem wöchentlichen Advanced Analytics Feature einen Blick hinter die Zahlen. Von Schüssen über Tore bis hin zu Eiszeit und darüber hinaus möchten wir Euch die statistischen Trends und Themen näherbringen, um Euer NHL-Wissen zu erweitern. In dieser Ausgabe analysieren wir den Grund für die Torflut in der NHL.

Die Torflut in Zahlen

In der Saison 2017/18 scheppert es bislang gewaltig: Nach einem Viertel der Saison wurden satte 1924 Tore erzielt. Das ergibt einen Schnitt von sechs Treffern pro Partie. Im Vergleich zur Vorsaison bedeutet dies ist einen Anstieg von 12,4 Prozent. In den letzten zwölf Jahren gingen die Torlampen einzig in der Saison 2005/06 öfters an (2008 Treffer insgesamt, 6,3 Tore pro Begegnung).

Hauptverantwortlich für den Tor-Boom sind die aktuellen Top-5-Scorer, die hochgerechnet auf 82 Hauptrundenspiele allesamt die 100-Punkte-Schallmauer durchbrechen könnten: Steven Stamkos (Tampa Bay Lightning, 25 Spiele, 37 Scorerpunkte, 1,48 Punkte pro Partie, Hochrechnung: 121 Punkte am Saisonende), Nikita Kucherov (Tampa Bay, 25, 36, 1,44, 118), Johnny Gaudreau (Calgary Flames, 25, 34, 1,36, 111), Jaden Schwartz (St. Louis Blues, 25, 32, 1,28, 104) und Phil Kessel (Pittsburgh Penuins, 26, 32, 1,23, 100) würden dieses Kunststück bei gleichbleibender Produktivität schaffen.

Video: TBL@BOS: Stamkos bezwingt Rask im Powerplay

Offensiver Spielstil

Doch woher rührt die plötzliche Tor-Flut in der NHL? Der deutsche Bundestrainer Marco Sturm glaubt unter anderem an ein risikofreudigeres Auftreten der NHL-Klubs. "Die Spielweise und die Systeme haben sich doch deutlich zu einer offensiveren Ausrichtung verändert. Selbst die Verteidiger sind immer mehr gehalten, schnell umzuschalten und sich selbst vorne mehr mit einzubringen", schreibt Sturm in seinem Blog. Das beste Beispiel liefert dafür der amtierende Stanley-Cup-Champion: Die Pittsburgh Penguins haben mit 89 Gegentoren die zweitmeisten in der NHL, sind vorne aber dennoch immer für ein Tor gut (74 Treffer, 14.) und verlassen sich auch genau darauf. Ligaweit belegen auch die Zahlen eine schießwütigere Einstellung der Teams: Waren es 2016/17 noch durchschnittlich 30,21 Schüsse pro Spiel sind es aktuell 31,84.

Goalie-Ausrüstung

Oftmals wird auch über die Rolle der Torhüter spekuliert, deren Ausrüstung verkleinert wurde. Durch die geringere Fläche der Schienen kann somit weniger Fläche vom Tor abgedeckt werden, dafür sind die Goalies aber auch beweglicher und schneller. Einen Einfluss auf bessere oder schlechtere Leistungen kann hier bislang nicht festgestellt werden. Einer, der die Änderungen begrüßt hatte, war Lightning-Keeper Adrei Vasilevskiy, der schon in der Vorsaison freiwillig mit schlankerem Equipment auflief und sich davon begeistert zeigte. Auch seine Statistik kann sich bislang sehen lassen: Der Schlussmann des NHL-Spitzenreiters kommt auf 93,2 Prozent Fangquote und 2,23 Gegentore pro Spiel.

Mehr Stock-Strafen

Deutlich mehr Einfluss auf das Spielgeschehen und auch auf die Tore hat die Regeländerung bei Stock-Strafen: Seit dieser Spielzeit werden vor allem Stockschläge, aber auch Vergehen wie Haken, Halten oder Beinstellen viel strenger geahndet. Die Folge sind mehr Strafzeiten und damit mehr Powerplay-Möglichkeiten und Tore. Die besten Überzahl-Teams sind aktuell der Tampa Bay Lightning (27,4 Prozent Erfolgsquote), die Pittsburgh Penguins (26,6 Prozent) und die Nashville Predators (25,8 Prozent). Wie wichtig ein gutes Powerplay für den Erfolg ist, das beweisen diese drei Mannschaften: 29,2 Prozent seiner Tore erzielte Tampa Bay in Überzahl - bei Pittsburgh (35,1 Prozent) und Nashville (32,5 Prozent) ist der Anteil sogar noch höher.

Jugend forscht

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Treffer ist die Jugend, die nicht nur Dynamik, Athletik, Schnelligkeit und Unbekümmertheit mitbringt, sondern auch jede Menge Torgefahr: Fünf der sieben aktuellen Top-Scorer sind 25 Jahre oder jünger. Diesen Trend haben die NHL-Klubs längst erkannt und setzten verstärkt auf junge Spieler: 46,7 Prozent der eingesetzten Akteure in der laufenden Saison waren nach einem Saisonviertel maximal 25 Jahre alt. Auch hier gehen die Toronto Maple Leafs als Torfabrik der Liga (97 Tore) als gutes Beispiel voran: Leistungsträger wie Auston Matthews, Mitch Marner (beide 20), William Nylander (21), Anderas Borgman (22), Morgan Rielly, Connor Brown und Connor Carrick (alle 23) sind allesamt noch unter 23. "Es sind viele junge Talente in der Liga dazugekommen, die die Mannschaften jünger und schneller machen", hat auch Sturm die Jugend-Bewegung in der NHL bemerkt. Den Fans dürfte der Tor-Boom jedenfalls gefallen.

Mehr anzeigen

Die NHL verwendet Cookies, Web Beacons und andere ähnliche Technologien. Durch die Nutzung der NHL Websites oder anderer Online-Dienste stimmen Sie den in unseren Datenschutzrichtlinien und Nutzungsbedingungen beschriebenen Praktiken einschließlich unserer Cookie-Richtlinien zu.