Bereits im vorausgegangenen Spiel (5:3 gegen die Philadelphia Flyers am Sonntag) hatten sich die Bruins mit ihrem 63. Saisonsieg in den Geschichtsbüchern verewigt. Mit dem 64. Sieg stellen sie nun auch einen neuen Liga-Rekord in Sachen Punkte auf: Mit 133 Punkten überholte Boston den ewigen Rivalen Montreal Canadiens, die in der Saison 1976/77 insgesamt 132 Punkte gesammelt hatten und diesen Rekord 46 Jahre lang hielten.
"Das Montreal-Team, das wir überholt haben, hatte damals nur 80 Spiele gespielt. Ich glaube, dass unsere 63 Siege in 80 Spielen also bedeutsamer waren. Aber ja, es ist eine gute Saison", ordnete Bruins-Trainer Jim Montgomery den nächsten neuen Rekord ein. "Mich kümmert mehr, dass wir gut spielen."
Marchand beendet seine Durststrecke
Video: BOS-WSH: Marchand skickar iväg ett direktskott i PP
Beim siebten Sieg in Serie ließ Boston nichts anbrennen. Brad Marchand (29.) und Tyler Bertuzzi (35.) brachten den Stein mit zwei Powerplay-Toren ins Rollen. Später trafen auch noch Tomas Nosek (45.), Garnet Hathaway (48.) und Jake DeBrusk (59., Empty Net) und unterstrichen die enorme Secondary-Scoring-Power des NHL-Spitzenreiters.
"Ich musste schon fast darüber lachen", sagte Marchand, der zuvor 17 Spiele lang nicht getroffen hatte (zuletzt am 9. März). "Irgendwann wird es frustrierend, dann kommst du an einen Punkt, an dem es nur noch lächerlich ist. Ich habe natürlich viel höhere Erwartungen an mich, aber gleichzeitig haben wir als Mannschaft sehr viel Spaß und auch viele Spiele gewonnen."
Schocksekunde: Ullmark wird ausgewechselt
Für einen kleinen Schock sorgte Bruins-Torwart Linus Ullmark, der Mitte des dritten Drittels bei einer Parade mit dem rechten Pfosten kollidiert war und ausgewechselt werden musste. "Es war eine reine Vorsichtsmaßnahme", beschwichtigte Montgomery. "Es war nur etwas Muskuläres, das ist alles."
Bis dahin hatte Ullmark 19 Saves (90,5 Prozent Fangquote) gezeigt, schraubte sein persönliches Siege-Konto auf 40 und ist der erste Torhüter, der diese Schallmauer in weniger als 50 Spielen durchbrechen konnte. Er ist erst der zweite Torwart in Bostons Franchise-Geschichte, der diese Marke erreichen konnte. Vor ihm schaffte das nur Pete Peeters (40 Siege in der Saison 1982/83).
Für Ullmark wurde Jeremy Swayman eingewechselt, der alle sechs restlichen Torschüsse entschärfte (100 Prozent Fangquote).
Ein ungewöhnliches Torwart-Tandem
Ullmark und Swayman sind das Rückgrat der historischen Bruins-Saison. 29-jährige Schwede steht nach 49 Spielen und 48 Starts bei einer 40-6-1-Bilanz, einem Gegentorschnitt von 1,89, einer Fangquote von 93,8 Prozent und zwei Shutouts. Der 24-jährige US-Amerikaner nach 36 Spielen und 32 Starts bei 23-6-4, 2,21 Gegentoren/Spiel, 92,2 Prozent Fangquote und vier Shutouts.
Zusammen ist das beste Goalie-Gespann der designierte Jennings-Trophy-Gewinner für die wenigsten Gegentore in dieser Saison. Ullmark gilt auch als Top-Favorit für die Vezina Trophy für den Torwart der Saison.
Was dieses Duo so außergewöhnlich macht, ist nicht nur die herausragende sportliche Leistung auf dem Eis, sondern der Umgang miteinander: Beide Teamkollegen schätzen sich sehr, betonten dies in jedem Gespräch, unternehmen auch privat mit ihren Familien viel zusammen und pflegen nach Siegen ein Ritual, in dem sie ihre Arme weit nach oben reißen, um dich dann zu umarmen. "Linus ist mit niemanden zu vergleichen. So einen wie ihn treffe ich nie wieder", hatte Swayman beispielsweise vor zwei Wochen über seinen Konkurrenten gesagt.
Voller Fokus auf die Playoffs
Nachdem Boston also den nächsten NHL-Rekord aufgestellt hat, ist nur noch ein Spiel in der regulären Saison 2022/23 zu absolvieren. Am Donnerstag (7 p.m. ET; NHL.tv; Fr. 1 Uhr MESZ) geht es zum Hauptrunden-Abschluss nach Montreal. Danach starten die Stanley Cup Playoffs 2023, in denen die Bruins viel vorhaben.
"Wenn wir es nicht bis zum Ende schaffen, dann bedeuten diese ganzen Rekorde gar nichts", betonte Nosek. "Natürlich werden wir es irgendwann zu schätzen wissen, aber nicht jetzt."
Beim letzten großen Rekord in dieser Saison kann sich Boston ein Beispiel an den nun überholten Canadiens nehmen, die nach 132 Punkten in der regulären Saison 1976/77 durchstarteten, um den Stanley Cup zu gewinnen.