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Vertragspoker um Dornbirner Trainingsgast

Die Verhandlungen um Torontos William Nylander werden Fahrt aufnehmen

von NHL.com/de Autor @nhlde / Marc Rösch

Willkommen bei Outside the NHL. Während der Saison 2018/19 wird Euch NHL.com/de mit Einblicken und Stories über die Eishockey-Welt außerhalb der NHL versorgen. In dieser Ausgabe: William Nylander auf Abwegen in Österreich.

Manchmal gleicht Eishockey einem Pokerspiel. Wie im berühmten Heads-Up sitzen sich zwei Parteien gegenüber und versuchen sich gegenseitig über den Tisch zu ziehen. So ähnlich verhält es sich aktuell auch bei den Verhandlungen zwischen den Toronto Maple Leafs und William Nylander. 

 

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Auf der einen Seite des mit grünem Filz bespannten Tisches sitzt der Original-Six-Klub. Ihm gegenüber baut sich der schwedische Stürmer, der in der Vorsaison 61 Punkte (20 Tore, 41 Assists) in 82 Hauptrundenspielen für die Maple Leafs gesammelt hatte, auf. In seinem zweiten vollen NHL-Jahr landete Nylander auf dem dritten Platz der teaminternen Scorerliste und war ein absoluter Leistungsträger des Klubs, der sich zum zweiten Mal in Folge für die Stanley Cup Playoffs qualifizieren konnte.

Die Karten sind längst verteilt, nur Ausspielen wollte bislang noch keiner. Medien-Berichten zufolge liegt im Pot ein langfristiger Vertrag. Die Krux ist nur, dass über das Jahressalär noch keine Einigung herrscht. Die Fronten sind sichtlich verhärtet. Nylanders schmaler Einstiegsvertrag ist mit Ablauf der zurückliegenden Spielzeit ausgelaufen. Selbstverständlich erhofft er sich eine dicke Gehaltserhöhung. Nur wie dick diese sein wird, darüber wird heftig gestritten.

Und zwar so heftig, dass Nylander längst seine Sachen gepackt und aus Nordamerika abgereist ist. Er spielt ein äußerst aggressives Spiel. Die Verhandlungen werden nur noch auf neutralem Boden in Zürich geführt.

Zuletzt sorgte Nylander für mächtig Schlagzeilen, als er sich für ein paar Trainingseinheiten dem EBEL-Klub Dornbirner EC anschloss. Bei den Vorarlbergern hielt sich der 22-Jährige in der vergangenen Woche als Trainingsgast fit. Dies deshalb, weil seine Schwester Jacqueline auf einigen Tennisturnieren in der Region spielte.

"Mein GM hat mich darauf angesprochen. Ich habe mir keine drei Sekunden Zeit genommen und sofort zugesagt", sagte Dornbirns Coach Dave MacQueen gegenüber Sportsnet. 

Die Bulldogs aus Dornbirn haben Nylander mit offenen Armen empfangen. Fraglich ist nur, ob er auch schon bald wieder in Toronto Freude bereiten kann. Am Mittwoch traf er sich mit Torontos General Manager Kyle Dubas zu Verhandlungen in der Schweizer Metropole Zürich. Der Ausgang der Gespräche ist unbekannt.

Von einer Verlängerung bis zu einem Trade sind alle Konstellationen denkbar. Sicher ist nur, eine Entscheidung muss bis zum 1. Dezember herbeigeführt werden. Ansonsten wäre der restricted Free Agent Nylander bis zum Ende der NHL-Saison gesperrt. Ein Szenario, das sich keine Partei wünscht und definitiv die teuerste Lösung für alle wäre.

"Es ist für William und für uns eine sehr wichtige Entscheidung", wurde Dubas schon Ende September von der Toronto Sun zitiert. "Sowohl auf ihn, als auch auf uns, hat diese Sache einen großen Einfluss. Eine schnelle Entscheidung ist also fast undenkbar."

Und Dubas sollte Recht behalten. Auch Wochen später herrscht noch Stillstand. Ein Vollzug wurde noch nicht vermeldet, doch die Situation hat sich enorm verändert. Es scheint so, als ob sich das Blatt, das Nylander in seiner Hand hält, mit jedem Tag, den die Verhandlungen andauern, schlechter wird.

Vor der Saison galt Nylander noch als elementarer Baustein der Maple Leafs. Er war fest für die erste Sturmformation eingeplant und sollte Berichten zufolge ein langfristiges Arbeitspapier mit 6,5 Millionen US-Dollar Cap Hit erhalten. Für ihn war das nicht genug.

"Am Ende muss ich an mich selbst denken und das tun, was mein Agent für das Richtige hält", erzählte Nylander der schwedischen Zeitung Aftonbladet am 4. Oktober. "Vor allem dann, wenn es um mehrere Jahre geht. Ich muss langfristig denken. Es geht um meine eigene Zukunft."

Eine Zukunft, die er sich womöglich mit einem Jahresgehalt in der Region eines Leon Draisaitl (8,5 Millionen US-Dollar) vorgestellt hatte. Doch seine Chancen auf ein solches Gehalt schwinden zunehmend. Denn die Maple Leafs lieferten zuletzt ohne ihn famose Auftritte ab. Hinzu kommt, dass das Geld in Toronto wegen der Verpflichtung von John Tavares und den ebenfalls anstehenden Vertragsverlängerungen von Auston Matthews, Mitchell Marner und Kasperi Kapanen in der kommenden Saison knapp werden könnte.

 

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Während sich Nylander in Dornbirn fit hält, spielten sich die Maple Leafs in der NHL in einen Rausch. Nach acht Spielen stehen sie an der Spitze der Atlantic Division. Ihre Zwischenbilanz steht bei starken sechs Siegen und 33 erzielten Toren. Und genau die Akteure, deren Einstiegsverträge im kommenden Sommer auslaufen werden und die ebenfalls eine saftige Gehaltserhöhung verlangen werden, brillierten.

Kapanen füllte die Rolle in der ersten Sturmformation neben Matthews und Patrick Marleau hervorragend aus. Acht Punkte (4 Tore, 4 Assists) hat er auf seinem Konto. Die Maple Leafs sind das treffsicherste Team der Liga, weil Matthews (16 Punkte) und Marner (11 Punkte) hervorragend in ihre letzte Vertragssaison gestartet sind. 

Sicherlich wird schon bald Bewegung in die Kausa-Nylander zu kommen. Aktuell haben die Maple Leafs noch genügend Mittel um ihm einen angemessenen Vertrag zu unterbreiten. Mit ihm hätten sie eine beängstigend starke Offensive, der trotz ihres jungen Alters ein langer Playoff-Marsch zuzutrauen wäre. Eine Chance, die sich Nylander sicherlich nicht entgehen lassen möchte.  

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