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Die 16 Teilnehmer an der ersten Runde der Stanley Cup Playoffs stehen fest. NHL.com/de analysiert die Teams und die Serien. In dieser Ausgabe: Vorschau auf die Duelle in der Eastern Conference

In der Stanley Cup Qualifikation der Eastern Conference gab es drei faustdicke Überraschungen. In der Platzierungsrunde für die Setzliste belegten überraschend die Philadelphia Flyers den ersten Platz vor den Tampa Bay Lightning und den Washington Capitals. Die Boston Bruins, das mit Abstand beste Team der regulären Saison 2019/20, landete dagegen ohne einen einzigen Punktgewinn aus drei Spielen auf dem vierten und letzten Rang. Ein vorab kaum für möglich gehaltener Coup gelang den Montreal Canadiens mit dem Gewinn der Best-of-5-Qualifikationsserie gegen die Pittsburgh Penguins.
In der ersten Runde der Playoffs werden die Duelle wieder im gewohnten Best-of-7-Modus ausgetragen. Im Osten kommt es in der Scotiabank Arena von Toronto zu folgenden Paarungen:
Philadelphia Flyers vs. Montreal Canadiens
Die Flyers überzeugten in den drei Spielen der Vorrunde in allen Bereichen. Als Pluspunkte erwiesen sich besonders die Tiefe des Kaders und die mannschaftliche Geschlossenheit. Ganz vorne in der teaminternen Scorerwertung stand weder Sean Couturier, Claude Giroux, Jakub Voracek noch Travis Konecny, sondern Scott Laughton. Er sammelte fünf Punkte (drei Tore, zwei Assists). Kevin Hayes glänzte als vierfacher Vorbereiter. Starke Vorstellungen boten die beiden Torhüter Carter Hart (2 Spiele/96,6 Prozent Fangquote) und Brian Elliott (1/94,1), die zusammen nur drei Gegentore hinnehmen mussten. Sollten sie in der ersten Playoff-Runde ihre Form bestätigen, dürfte es für die Offensive der Canadiens schwer werden. Stark präsentierten sich die Flyers in Sachen Penalty Killing (90,0 Prozent Erfolgsquote). Überhaupt nicht lief es dagegen im Powerplay. Alle elf Gelegenheiten ließ Philadelphia ungenutzt. Wenn es ihnen gelingt, auch noch diese Schwachstelle auszumerzen, dürften sie in der Erstrunden-Serie kaum zu bezwingen sein.

PIT@MTL, SP4: Lehkonen trifft zur späten Führung

Die Canadiens überzeugten in der Qualifikation durch ihren enormen Kampfgeist. Dadurch gelang es ihnen, die Offensive der Penguins um Sidney Crosby, Evgeni Malkin und Jake Guentzel weitgehend in Schach zu halten. Am Ende reichten zehn eigene Treffer (2,50 im Schnitt) aus vier Spielen zum Weiterkommen. Zwei Siegtore gingen auf das Konto von Jeff Petry. Torwart Corey Price (4/94,7) hielt, was zu halten war. Als wichtige Stütze erwies sich zudem Blueliner Shea Weber, dem zwei Tore und zwei Vorlagen gelangen. Ein triftiger Grund, ihre defensive und körperbetonte Spielweise in der anstehenden Playoff-Runde zu ändern, besteht für Montreal nicht.
Tampa Bay Lightning vs. Columbus Blue Jackets
Beide Mannschaften standen sich bereits im vergangenen Jahr in der ersten Playoff-Runde gegenüber. Dabei gingen die als Top-Favorit auf den Stanley Cup in die Postseason gestarteten Lightning mit 0:4 in der Serie unter. Ein solches Debakel soll sich diesmal nicht wiederholen. In der Platzierungsrunde machte Tampa Bay bei den Siegen gegen die Washington Capitals und die Boston Bruins einen starken Eindruck. Prunkstück der Lightning ist nach wie vor die Offensive. Die Mannschaft kompensierte den Ausfall ihres verletzten Kapitäns Steven Stamkos in der Vorrunde ohne Probleme. Gut aufgelegt zeigten sich der quirlige Brayden Point und Nikita Kucherov. Alex Killorn und Tyler Johnson stellten ebenfalls ihre Scoring-Qualitäten unter Beweis. Wie Point brachten sie es auf drei Scorerpunkte in der laufenden Endrunde.

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Im Tor der Lightning ist Andrei Vasilevskiy eine Bank. Die Abwehr vor ihm präsentierte sich mit Ausnahme des letzten Spiels gegen die Flyers ebenfalls sattelfest. Sorgen bereitet den Lightning jedoch Victor Hedman. Der Anwärter auf die Norris Trophy für den besten Verteidiger in diesem Jahr verletzte sich gegen die Flyers. Sein Einsatz in Spiel 1 gegen die Blue Jackets ist fraglich. Doch selbst ohne Hedman und Stamkos sollten die Lightning stark genug sein, die Serie gegen Columbus für sich zu entscheiden.
Doch dass sich die Blue Jackets teuer verkaufen werden, steht felsenfest. Das Team zählt zu den großen Profiteuren der NHL-Pause, da viele ihrer Langzeitverletzten ihre Blessuren auskurieren konnten. Dazu gehörten unter anderem die Verteidiger Seth Jones und Dean Kukan sowie Angreifer Oliver Bjorkstrand. Mit Joonas Korpisalo (4/95,6) und Elvis Merzlikins (2/94,6) verfügt die Belegschaft aus Ohio über ein bärenstarkes Torwart-Duo. Korpisalo gelangen in der Qualifikationsserie gegen die Toronto Maple Leafs zwei Shutouts. Beide Keeper haben das Potenzial, um auch die Offensive der Lightning mächtig zu ärgern. Stürmer Cam Atkinson ist rechtzeitig zu den Playoffs wieder im Vollbesitz seiner Kräfte und führt mit fünf Punkten (zwei Tore, drei Assists) die Scorerwertung von Columbus vor Pierre-Luc Dubois an, der vier Zähler (drei Tore, ein Assist) sammelte.
Washington Capitals vs. New York Islanders
Nach einem holprigen Start in die Platzierungsrunde mit zwei Niederlagen gegen die Lightning und die Flyers verschafften sich die Capitals mit einem Sieg gegen die Bruins im letzten Auftritt vor der ersten Playoff-Runde das erhoffte Erfolgserlebnis. Bei Washington machte sich der Ausfall von Verteidiger John Carlson negativ bemerkbar. Mit ihm fehlte ein wichtiger Dampfmacher an der blauen Linie, vor allem im Powerplay. Mit 75 Punkten war er in der regulären Saison der beste NHL-Verteidiger. Trainer Todd Reirden hofft, dass Carlson bis zum Auftakt der Serie gegen die Islanders fit wird.

BOS@WSH, RR: Oshie über Chara zum Torerfolg

Noch nicht richtig rund läuft es bei Alex Ovechkin. Der Kapitän ging in der Qualifikation in Sachen Scorerpunkte leer aus. Generell präsentierte sich die Abteilung Attacke mit fünf Toren in drei Partien nicht gerade von ihrer Sahneseite.
Anders sah es bei Schlussmann Braden Holtby aus, der sich nach einer durchwachsenen Hauptrunde zuletzt wieder seiner Topform näherte. Nicht wegzudenken aus dem Capitals-Kollektiv ist Verteidiger Jonas Siegenthaler. Der Zürcher überzeugte in der Platzierungsrunde einmal mehr durch seinen nimmermüden Einsatzwillen.
Die Islanders sicherten sich mit ihrer gewohnt sicheren Defensivarbeit gegen die Florida Panthers den Einzug in die erste Playoff-Runde. In den vier Begegnungen musste das Team aus Long Island nur sieben Gegentreffer hinnehmen. Zwischen den Pfosten stand ausschließlich Semyon Varlamov, der seine Sache gut machte (4/93,2). Thomas Greiss blieb nur die Rolle als Backup auf der Bank. Für die nötigen Tore sorgten in erster Linie Anthony Beauvillier (3) und Jean-Gabriel Pageau (3), bei dem der Knoten endgültig geplatzt zu sein scheint. Tom Kühnhackl brachte es auf drei Spiele und einen Assist.
Die Vertretung aus New York geht keineswegs chancenlos in die Serie gegen den Stanley Cup Champion von 2018, selbst wenn dessen Kader über die klangvolleren Namen verfügt. Dafür steht bei den Islanders mit Barry Trotz ein mit allen Wassern gewaschener Trainer an der Bande steht, der vor zwei Jahren den Stanley Cup mit den Capitals gewann.
Boston Bruins vs. Carolina Hurricanes
Die Bruins sind derzeit vollkommen von der Rolle. Der Gewinner der Presidents' Trophy als beste Mannschaft der regulären Saison (100 Punkte) landete in der Platzierungsrunde ohne einen einzigen Zähler aus drei Spielen auf dem vierten und letzten Platz. Kein Mannschaftsteil wusste wirklich zu überzeugen. Besonders bitter fiel die Bilanz der ersten Angriffsreihe mit Brad Marchand, Patrice Bergeron und David Pastrnak aus. Ein mickriges Pünktchen von Bergeron steht für das erfolgsverwöhnte Trio zu Buche. Wenn die Ladehemmung anhält, dürfte es auch gegen die Hurricanes eng werden. Bei den beiden Torhütern Tuukka Rask (3/91,7) und Jaroslav Halak (1/86,2) besteht ebenso Luft nach oben.
Ein Fiasko war das Powerplay. Bei neun Gelegenheiten brachten nichts zustande. Etwas besser lief es im Penalty Killing mit einer Erfolgsquote von 83,3 Prozent.

CAR@NYR, Sp3: Aho holt sich Puck zu schönem Tor

Unter diesen Umständen könnten die Hurricanes mit Nino Niederreiter zum Stolperstein für die Bruins werden. Sie gewannen ihre Qualifikationsserie gegen die New York Rangers ungefährdet mit 3:0. Ein Pfund, mit dem der Klub aus Raleigh wuchern konnte, war das Penalty Killing. In 14 Unterzahlsituationen mussten die Hurricanes lediglich einen Treffer hinnehmen (92,9 Prozent Erfolgsquote). Ausbaufähig ist dagegen das Powerplay. Nur zwei von 14 Gelegenheiten (14,3 Prozent) münzten sie in ein Tor um. Mit Sebastian Aho (8 Punkte) und Andrei Svechnikov (5) haben die Hurricanes zwei herausragende Scorer in ihren Reihen, die der Bruins-Defensive mächtig Kopfzerbrechen bereiten dürften.