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Las Vegas lässt sich nicht unterkriegen

Die Vegas Golden Knights siegen weiter und scheinen bereits in ihrer neuen Heimat zuhause zu sein

von Alexander Gammel / NHL.com/de Autor

In letzter Zeit wurde viel über die Vegas Golden Knights berichtet, und das nicht ohne Grund. Ein neues Team in der NHL ist nichts Alltägliches, es ist ein besonderes Ereignis. Sie sind das erste Team einer der großen nordamerikanischen Ligen NHL, NBA, MLB und NFL, das sich in Las Vegas ansiedelt.

Ausgerechnet eine Eishockeymannschaft in der Wüste von Nevada. Die Franchise aus der Spielerstadt, ist aber nicht nur irgendein neues Mitglied im Kampf um den Stanley Cup. Die ersten Spiele der Mannschaft werden von außergewöhnlichen Umständen begleitet, die es so im Eishockey noch nicht gab.

Gewöhnlich haben die Neulinge in der Liga stets einen schweren Start.1992 gewann letztmals ein Debütant sein erstes Spiel, damals die Ottawa Senators und die Tampa Bay Lightning. Den Golden Knights ist die Statistik egal, sie fuhren in ihren ersten beiden Partien auf der großen Bühne der NHL zwei Auswärtssiege ein und nun zeigten sie auch auf heimischem Eis, dass sie in ihrer Auftaktsaison nicht nur Kanonenfutter sind. Am Dienstag schlugen sie die Arizona Coyotes mit 5:2, nach einer bewegenden Zeremonie vor dem Spiel.

Las Vegas war am 1. Oktober Schauplatz des schlimmsten Anschlags in der Geschichte der USA. Während eines Konzerts eröffnete ein Mann aus einem Fenster eines Hotels das Feuer in die Menge. Im Kugelhagel, und der daraus resultierenden Panik, starben 58 Menschen, beinahe 500 wurden verletzt.

Das Ereignis erschütterte die Stadt, die Nation und die gesamte Welt. Die Golden Knights machten von Beginn an deutlich, dass sie helfen wollen, dass sie nicht nur eine Söldnertruppe auf dem Eis sind, die gezwungen ist in der Stadt zu spielen, sondern dass Las Vegas nun auch ihre Heimat, ihre Stadt ist. Sie gaben Geld für die Familien der Opfer und die Rettungskräfte, sammelten Spenden, gingen gemeinsam zur Blutspende und besuchten Opfer und Einsatzkräfte.

Video: Golden Knights eröffnen T-Mobile Arena mit Zeremonie

Vor dem Spiel gegen die Coyotes, ihrem ersten Heimspiel, gedachten sie erneut der Opfer und ehrten Ärzte, Krankenschwestern, Einsatzkräfte der Polizei und der Feuerwehr, die an dem verhängnisvollen Abend im Einsatz waren. Mit jedem Spieler der Golden Knights betrat auch einer der Ersthelfer das Eis, während über die Lautsprecher das Lied Warriors erklang, in dem eine Zeile lautet "We are the Warriors that built this town" - "Wir sind die Krieger, die diese Stadt aufgebaut haben". Eine passende Wahl unter dem Motto "Vegas Strong", unter dem die Stadt zeigen will, dass sie unter keinem noch so schweren Schlag auf die Knie geht, dass sie immer kämpfen und stark bleiben wird.

Verteidiger Deryk Engelland, für den Las Vegas bereits lange seine Wahlheimat ist, ergriff dann noch das Mikrofon: "Wie ihr alle, bin ich stolz darauf, Las Vegas meine Heimat zu nennen. "Ich habe meine Frau hier kennengelernt. Unsere Kinder sind hier geboren. Ich weiß, wie besonders diese Stadt ist. All den mutigen Ersthelfern, die während dieser Tragödie unermüdlich und tapfer gearbeitet haben, sage ich, wir danken euch. An die Familien und Freunde der Opfer, wir werden alles geben, um euch und der Stadt zu helfen zu heilen. Wir sind Vegas Strong."

Diese Stärke, diese Unnachgiebigkeit, zeigt auch das neueste Team der Liga immer wieder, was ihnen auch von Anfang an zu einer begeisterten Fangemeinschaft verhalf. Die Golden Knights sammeln sowohl mit ihrem sozialen Engagement, als auch mit ihrer Haltung und Spielweise auf dem Eis schnell Sympathien und Anhänger, was man auch am Dienstag in der Arena sah. Nach der Zeremonie vor dem Spiel fing das Publikum sofort lautstark an seine Mannschaft mit dem Schlachtruf "Go Knights, Go!" anzufeuern. Das musste man den Männern im grauen Trikot nicht zwei Mal sagen.  

"Ich denke das Team zieht Kraft aus der Stadt und die Stadt gewinnt Kraft aus dem Team und den Spielern und ist hinter dem Team vereint", schwärmte auch Eigentümer Bill Foley von dem Zusammenspiel von Mannschaft und Fans. "Es ist großartig für Las Vegas, endlich ein großes Team hier zu haben."  

Bereits in den ersten elf Minuten trafen sie vier Mal. Tobias Rieder brachte dann zwar auch die Coyotes mit dem 4:1 ins Spiel, doch der Sieg der Golden Knights war nie in Gefahr. Sie erhöhten im Mitteldrittel auf 5:1, bevor Kevin Connauton im Schlussabschnitt noch einen Treffer für die Coyotes erzielen konnte.

Tomas Nosek, Deryk Engelland und Oscar Lindberg waren drei der Torschützen für die Golden Knights, die bereits jetzt eine ungewöhnlich große Unterstützung erfahren. Für gewöhnlich dauert es eine Zeit, bis eine Stadt, eine Fangemeinschaft beginnt, sich wirklich mit einer neuen Franchise zu identifizieren. In Las Vegas scheint diese Wartezeit ausgesetzt zu sein. Besonders ein Spieler mausert sich in der ersten Woche der Saison zu einer Galionsfigur für die Unterhaltungshauptstadt der Welt.

Video: ARI@VGK: Nosek ist der erste Torschütze in Las Vegas

James Neal erzielte beim 2:1 Sieg im ersten Spiel bereits beide Tore, traf am Samstag in der Verlängerung gegen die Coyotes und steuerte auch nun wieder zwei Tore bei. Auf Neals Konto gehen damit das erste Tor, das erste Powerplaytor, der erste Siegtreffer und das erste Tor in Verlängerung für die jüngste Franchise der NHL.

"Wir wollten heute Abend eine gute Show bieten und ein wichtiges Spiel gewinnen, für die Stadt gewinnen, für alle die betroffen waren und das haben wir geschafft", erklärte Neal nach dem jüngsten Sieg. "Es war ein besonderer Abend."

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