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NHL.com/de diskutiert über mögliche Wunderteams der Saison

Hat ein Team aus dem Tabellenkeller in diesem Jahr die Chance auf den Stanley Cup? Unsere Autoren haben das im Writers' Room diskutiert.

von NHL.com/de @NHLde

Während der Saison 2019/20 wird das Team von NHL.com/de jeden Samstag in der Rubrik "Writers' Room" wichtige Themen der Liga diskutieren und analysieren. In dieser Ausgabe: Welches Team hat das Potenzial zum Überraschungs-Champion 2020?    


In der Vorsaison waren sie die große sportliche Sensation. Die St. Louis Blues wurden im Juni Stanley Cup Champion 2019! Zum ersten Mal in der über 50-jährigen Franchise-Geschichte setzte sich die Organisation beim Kampf um den Pokal gegen alle Konkurrenten durch. 

Das war nicht einmal die größte Besonderheit an dieser spektakulären Erfolgsgeschichte. Sporthistorisch wurde die Leistung in Anbetracht der Tatsache, dass die Blues zu Beginn des Kalenderjahres 2019 Tabellenletzter waren, sie es aus dieser ungünstigen Position heraus nicht nur in die Stanley Cup Playoffs schafften, sondern sich auch zum Meister kürten. 

Nachdem sie am Silvesterabend 2018 gegen die New York Rangers mit 1:2 verloren und die Ottawa Senators am 2. Januar 2019 gegen die Vancouver Canucks punkteten (3:4 OT), waren sie die Blues das Tabellen-Schlusslicht der NHL. 

Nach 37 von 82 Spielen und mit lediglich 34 Punkten auf der Habenseite, glaubte selbst der optimistischste Blues-Fan nicht mehr an ein Erreichen der KO-Runde, geschweige denn an den Titelgewinn. Doch dank 65 Punkten aus 45 Spielen nach dem 2. Januar wurde dies Realität. 

In den Playoffs angekommen, schaltete das Team aus St.Louis keinen Gang zurück, sondern steigerte sich regelrecht in einen Rausch, eliminierte nacheinander die Winnipeg Jets (4:2), Dallas Stars (4:3), San Jose Sharks (4:2) und Boston Bruins (4:3). 

Hat in diesem Frühjahr eine Mannschaft aus dem Tabellenkeller eine Chance es den Blues gleichzutun oder bleibt die Leistung des Titelverteidigers unerreicht? 

Unsere Autoren haben das in dieser Woche einmal diskutiert:

Robin Patzwaldt: Ehrlich gesagt glaube ich nicht daran, dass sich eine solch spektakuläre Geschichte so rasch wiederholen wird. Natürlich haben alle Teams, die es in die KO-Runde schaffen, grundsätzlich die Chance auf den Cup. Hier sind immer große Überraschungen möglich. Aber dass sich eine Mannschaft mit einem solchen Endspurt vom Tabellenende emporarbeitet, halte ich für nahezu einzigartig. 

Die Begründung: Die Blues waren im Vorjahr kein typischer Tabellenletzter. Vor Saisonstart wurden sie mindestens als Playoff-Teilnehmer gehandelt. Dass es dann so gar nicht bei ihnen laufen wollte in den ersten Monaten der Saison 2018/19, kam völlig unerwartet. Das Team hatte deutlich mehr Potenzial in seinem Kader, als es der Tabellenstand aussagte. Das sehe ich aktuell bei keiner Mannschaft der Liga, wie damals bei den Blues. 

Jene Mannschaften, die derzeit den Top-Teams deutlich hinterherhinken, wie etwa die Ottawa Senators, Detroit Red Wings oder die Los Angeles Kings, wurden auch von den Allermeisten nicht als ernsthafter Playoff-Teilnehmer, geschweige denn Titelkandidat erwartet. Ich glaube daher, dass wir in diesem Jahr keine Cinderella-Story erleben werden. Aber ganz ausschließen kann man das in dieser ausgeglichenen Liga natürlich nie. 

Alexander Gammel: Ich muss Robin Recht geben. Eine Aufholjagd von dem Kaliber der Blues ist vermutlich von keinem der Teams am Tabellenende zu erwarten. In der Western Conference zeigten die Los Angeles Kings zwar kurze Siegesserien und waren in dieser Saison phasenweise sicherlich schon schwächer als jetzt, doch ein Durchmarsch auf die vorderen Plätze ist nicht wirklich vorstellbar. 

Im Osten verhält es sich mit den Red Wings, Senators und New Jersey Devils ähnlich. Die Senators und Devils haben sich auf jeden Fall schon gesteigert, aber selbst die Qualifikation für die Playoffs würde mich sehr überraschen. Ich denke allerdings, dass es Teams gibt, die für ihre Verhältnisse eine enttäuschende Saison erleben und das Zeug haben, das Ruder herumzureißen. 

Die San Jose Sharks liegen auf dem drittletzten Platz im Westen und sind für mich ein solcher Kandidat. Die Ausbeute von 44 Punkten aus 46 Spielen ist für ein Team, das in den vergangenen vier Saisons immer in den Playoffs war, vor vier Jahren im Finale und vergangene Saison im Conference Finale stand, einfach nur eine Enttäuschung. Ihnen würde ich aber zutrauen, dass sie mit ihrer Mischung aus erfahrenen Veteranen wie Joe Thornton und talentierten jungen Scorern wie Timo Meier eine Serie hinlegen, die sie wieder weit nach vorne bringt.

Video: SJS@WSH: Kane verbucht Hattrick im zweiten Drittel

Christian Treptow: Keine Frage: Den St. Louis Blues ist eine tolle Sache in der vergangenen Saison gelungen. "From worst to first", wie die Amerikaner sagen, das ist eine herausragende Leistung gewesen. Und dann haben sie sich von dieser Welle in den Playoffs tragen lassen. Ich hatte das Glück, die Blues in der Endrunde für NHL.com/de journalistisch betreuen zu dürfen. Und ich gebe zu, dass auch ich sie das eine oder andere Mal schon abgeschrieben hatte. Das ist eine so besondere Geschichte, dass sie sich, da gebe ich Robin und Alexander Recht, so schnell wohl nicht mehr wiederholen wird. Aber natürlich ist es nicht unmöglich. 

In dieser Saison tue ich mir allerdings schwer, einen Kandidaten zu finden. In der Western Conference traue ich das am ehesten noch den San Jose Sharks zu. Da schlägt auch ein bisschen das Herz für verdiente Veteranen. Ich würde es Patrick Marleau und Joe Thornton gönnen, ihre Karrieren mit dem Cup-Gewinn zu krönen. Sie müssten nicht als Unvollendete abtreten. Warum es noch gelingen kann? Der Kader ist prominent besetzt. Martin Jones im Tor hat schon hinlänglich bewiesen, was er kann. Erik Karlsson und Brent Burns gehören zu den besten Verteidigern in der NHL. Und im Sturm gibt es neben Marleau und Thornton noch Timo Meier, Tomas Hertl, Logan Couture und Evander Kane. Nur müssen es die Sharks jetzt endlich mal konstant aufs Eis bringen. 

Bei den Los Angeles Kings und den Anaheim Ducks schaut man schon auf die nächste Saison. Im Osten sehe ich allerdings keinen Kandidaten, der das Feld von hinten aufrollen kann. Die Detroit Red Wings dürften froh sein, wenn die Runde vorbei ist, gleiches gilt auch für die Ottawa Senators. Und die New Jersey Devils haben sich mit dem Trade von Taylor Hall zwar von einem Hemmschuh befreit. Die Nachfolger von Martin Brodeur und Scott Stevens müssen sich aber noch ein bisschen gedulden.

Axel Jeroma: Ich sehe auch keine Mannschaft aus den Niederungen der Liga, der ich es zutrauen würde, das Feld von hinten aufzurollen. Die von einigen meiner Vorredner genannten Sharks haben gerade mit Logan Couture ihren teaminternen Top-Scorer der laufenden Spielzeit durch eine Knöchelverletzung verloren. Er fällt wochenlang aus. Das dürfte den Knockout in Sachen Qualifikation für die Stanley Cup Playoffs bedeuten.

Die potenziellen Überraschungsteams sind für mich derzeit eher im Mittelfeld angesiedelt. Im Osten denke ich besonders an die Columbus Blue Jackets. Sie hatten ihre Schwächephase gleich zu Beginn der Saison und haben sich in den vergangenen Wochen trotz ihres enormen Verletzungspechs sukzessive an die Wildcard-Plätze herangerobbt. Dass die Blue Jackets den Spitzenmannschaften gefährlich werden können, haben sie bei ihren beiden Siegen gegen die Washington Capitals bewiesen. Auch die Buffalo Sabres mit ihrem Trainerfuchs Ralph Krueger sollte man noch nicht abschreiben.

Im Westen werden mit ziemlicher Sicherheit die Nashville Predators weiter nach oben vorstoßen. Falls sie bis zum Schluss um den Einzug in die Playoffs kämpfen müssen und es dann tatsächlich schaffen, dürften sie weit kommen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Teams, die sich auf den letzten Drücker qualifiziert haben, gerade in den ersten Runden noch unter Volldampf stehen und den besserplatzierten Kontrahenten das Leben schwermachen. Ich denke da vor allem an die Auftritte der Carolina Hurricanes, der Blue Jackets und mit Abstrichen der Colorado Avalanche aus dem Vorjahr. Mein Geheimtipp für einen Klub aus dem Westen, der dieses Jahr einen Coup landen könnte, sind die Vancouver Canucks.

Robin Patzwaldt: Wir sind uns also nahezu einig, wenn ich das richtig sehe. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es im kommenden Frühjahr einen vergleichbaren Fall wie im Vorjahr geben wird. Wenn wir es einem Team zutrauen würden, die Tabelle bis zum Saisonende auf den Kopf zu stellen und womöglich sogar den Titel zu erringen, dann am ehesten den hochkarätig besetzten San Jose Sharks, die bisher unter ihren Möglichkeiten geblieben sind. Warten wir ab, wie sich die kommenden Monate entwickeln werden. 

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