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Jedes Spiel der Finalserie um den Stanley Cup war ein Spektakel – allerdings zweimal zu Ungunsten der Carolina Hurricanes. Nach der 4:5-Niederlage zum Auftakt folgte in Spiel 2 ein 4:3-Erfolg nach Overtime. Den bisherigen Höhepunkt der Achterbahnfahrt lieferte jedoch das dritte Duell in Vegas: Carolina kämpfte sich nach einem 0:4-Rückstand im dritten Drittel eindrucksvoll zurück, kassierte in der zweiten Verlängerung aber doch noch den bitteren Treffer zum 4:5.

Die Hurricanes hatten zwei spielfreie Tage, um den Rückschlag zu verarbeiten. Es ist das erste Mal in den laufenden Playoffs, dass sie zwei Niederlagen in einer Serie und eine auswärts kassierten. In den vorherigen Serien gegen die Ottawa Senators, Philadelphia Flyers und Montreal Canadiens hatten sie nur eine Niederlage zu Hause hingenommen – und zwar insgesamt. Das Selbstvertrauen ist dadurch ungebrochen groß.

Fehlende Energie wegen Reisestress?

„Wir wissen, dass jedes Spiel im Grunde ein Ein-Tore-Spiel war. Es geht um diese zwei bis drei Prozent, die wir noch finden müssen, um uns den entscheidenden Vorteil zu verschaffen“, sagte der Flügelstürmer Taylor Hall am Montag nach dem Training. Doch die Golden Knights sind ein äußerst unangenehmer Gegner. „Sie sind ein sehr gutes Team. Im letzten Spiel haben sie die körperliche Intensität erhöht“, lautet die Feststellung von Hall. „Das konnte man an der Anzahl der Checks sehen.“

Die Statistik unterstreicht diese These: In Spiel 2 verbuchten die Golden Knights lediglich 25 Checks, in der vergangenen Partie waren es 66. „Das sind die Anpassungen, die Teams im Laufe einer Serie vornehmen“, weiß Hall. Er hofft, dass die Mannschaft ausgeruhter in das bevorstehende Spiel gehen wird: „Der freie Tag gestern tat uns gut. Sie haben den Flug quer durchs Land bereits zweimal gemacht, wir erst einmal. Unser Spiel basiert auf Energie. Wenn wir etwas müde sind und nur ein Spieler während eines Shifts nicht auf dem Niveau ist, bringt das unser gesamtes Spiel durcheinander. Deshalb war es wichtig, mental und körperlich wieder Energie zu tanken.“

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Hurricanes haben Comeback-Qualitäten

Was die Hurricanes positiv stimmen dürfte: Nach den vorherigen zwei Niederlagen in den laufenden Playoffs antworteten sie in der darauffolgenden Partie jeweils mit einem Sieg. „Das hängt mit dem Charakter in unserer Kabine zusammen und damit, dass jeder weiß, worum es geht“, sagt der Center Jordan Staal und richtet den Blick nach vorne: „Morgen ist ein absolut riesiges Spiel für uns. Die Jungs müssen ihre beste Leistung zeigen, wenn wir gewinnen wollen.“

Der 37-Jährige weiß aus Erfahrung, wie schwerwiegend eine Niederlage wäre: „In jeder Serie gilt: Wenn man zwei Spiele in Folge verliert, steckt man in großen Schwierigkeiten. Wir wissen also, wie wichtig dieses Spiel ist. Es ist noch nicht das Ende, aber wir müssen sicherstellen, dass wir unsere beste Leistung abrufen, wenn wir eine Chance auf den Sieg haben wollen.“

Die ersten drei Partien waren vom Spielverlauf so verrückt, dass Prognosen nahezu unmöglich sind. Trainer Rod Brind’Amour versucht es daher gar nicht erst. „Ich habe keine Ahnung, wie das nächste Spiel verlaufen wird. Es könnte ein 0:0-Spiel werden, es könnte aber auch 10:9 ausgehen. Bei dieser Serie weiß man einfach nicht, was passiert.“

Die Torwart-Frage: Andersen oder Bussi?

Die große Frage bei den Hurricanes lautet: Wer wird in Spiel 4 (Di., 8:00 p.m. ET, Mi. 2:00 Uhr MESZ) im Tor stehen?

Bislang erwies sich der Däne Frederik Andersen als sicherer Rückhalt. Er war in allen 16 Playoff-Partien der Starter, blieb in drei Spielen ohne Gegentor und parierte 91 Prozent der Torschüsse. Bemerkenswert: In den ersten drei Playoff-Serien lag seine Save-Quote sogar bei 93,1 Prozent.

Doch in Spiel 3 der Finalserie kam ihm die Fangsicherheit plötzlich abhanden. Nach vier Gegentoren im zweiten Spielabschnitt, die Fangquote betrug nur 75 Prozent, wurde Andersen für Brandon Bussi aus dem Tor genommen. Der 27-Jährige Backup glänzte mit 18 Saves und war ein Grund dafür, dass die Hurricanes überhaupt in die Overtime gelangten.

Das Momentum könnte plötzlich für Bussi sprechen. Allerdings befindet sich der US-Amerikaner in seiner ersten NHL-Saison und hat lediglich die Erfahrung aus 39 Spielen der regulären Saison. Seine Save-Quote von 89,4 Prozent in diesen Spielen war ordentlich – aber nicht überragend. In den Jahren zuvor stand er noch in der AHL zwischen den Pfosten. Es wäre ein großer Sprung, in der größten Serie des Eishockey-Sports plötzlich der Starting-Goalie zu sein. 

Brind’Amour muss eine Entscheidung treffen. Das hat er offenbar auch getan – nur verraten hat er diese vorerst nicht. „Ich denke, wir werden das für uns behalten. Das ist hier im Moment das Einzige, was noch für etwas Spannung sorgt“, sagte er ein wenig scherzhaft und lässt die Fans von Carolina rätseln. Für die Mitspieler würde es hingegen keine Rolle spielen, glaubt der Trainer: „Als Spieler macht man sich während der Saison normalerweise keine Gedanken darüber, wer im Tor steht. Man hat seine eigene Aufgabe, auf die man sich konzentrieren muss.“

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Großes Vertrauen in beide Goalies

Hall stimmt dieser These zu. „Beide haben ihre Stärken. Wir haben die Torhüter während der gesamten Saison so oft gewechselt, dass es irgendwann ganz normal wurde. Man kommt zum Spiel und vergisst fast schon, wer eigentlich startet“, erzählte er und lobt den jüngeren Vertreter: „Ich fand, dass Bussi im letzten Spiel wirklich sehr, sehr gut gespielt hat. Für ihn kam in dieser Saison vieles auf einmal. Er hat sich als vollwertiger NHL-Spieler etabliert und anschließend viele Spiele am Stück bestritten. Wichtig ist, dass er frisch ist. Im letzten Spiel sah es jedenfalls so aus.“

Center Sebastian Aho stellt klar, in beide Goalies Vertrauen zu haben: „Beide waren das ganze Jahr über überragend. Wir brauchten beide, um überhaupt hierherzukommen, und wir werden beide auch weiterhin brauchen.“ Die nächsten Spektakel könnten schließlich bevorstehen.

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