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Im Rahmen einer Serie „Im Gespräch mit …“ wird NHL.com/de während der Saison exklusive Interviews mit ehemaligen NHL-Spielern aus dem DACH-Raum führen.

In der heutigen Ausgabe: Tom Kühnhackl (in der NHL aktiv von 2016-2020)

Tom Kühnhackl hat in seinen fünf Jahren in der NHL insgesamt 232 Spiele in der regulären Saison für die Pittsburgh Penguins und New York Islanders absolviert. 58 weitere Partien waren es in den Stanley Cup Playoffs.

Trotz dieser geringen Anzahl hat Kühnhackl etwas geschafft, worum ihn viele Eishockeyspieler, auch langjährige NHL-Profis, beneiden dürften. Er gewann mit den Penguins sowohl 2016, nur fünf Monate nach seinem NHL-Debüt, als auch 2017 den Stanley Cup. Zweimaliger Stanley Cup Sieger dürfen sich nur zwei Deutsche nennen: Er und Uwe Krupp, wobei dessen Name beim zweiten Triumph nach 1996 (Colorado Avalanche) im Jahr 2002 (Detroit Red Wings) wegen einer Verletzung nicht auf dem Cup verewigt wurde.

Kühnhackl musste sich den Weg in die NHL schwer erarbeiten und ging bereits nach seinem Draft durch Pittsburgh in der 4. Runde an insgesamt 110. Position im Jahr 2010 nach Nordamerika. Dort biss er sich mehrere Jahre in den Junioren- und Minorligen durch. In der Saison 2013/14 wurde er sogar zeitweise vom AHL-Farmteam in die drittklassige East Coast Hockey League degradiert. Doch im Januar 2016 kam endlich der Call aus Pittsburgh. Der Auftakt zu einem Eishockeymärchen.

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Nach einem von Verletzungen torpedierten Intermezzo bei den Islanders stand Kühnhackl in den vergangenen beiden Spielzeiten in Schweden bei Skelleftea AIK unter Vertrag. Im Sommer 2023 unterschrieb er für drei Jahre bei den Adler Mannheim und jagt seitdem in der DEL dem Puck nach.

Im exklusiven Gespräch mit NHL.com/de blickt Kühnhackl auf seine Zeit in Nordamerika zurück, erzählt, welche Kontakte er noch in die NHL hat und warum er trotzdem mittlerweile lieber in Deutschland spielt.

Du bist noch als Spieler aktiv, aber wie blickst du heute auf deine NHL-Laufbahn zurück?

„Es war natürlich unbeschreiblich, was ich drüben erleben durfte. Ich war Teil einer großartigen Mannschaft in Pittsburgh und auch die Zeit danach in New York, die werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“

Dein Weg in die NHL war steinig und langwierig, aber es hat sich ausgezahlt. Welchen Rat würdest du aus deiner Erfahrung heraus heute jungen Spieler, die sich in Nordamerika durchbeißen wollen, mitgeben?

„Der Weg geht nicht immer nach oben und es gibt Rückschläge, wo es teilweise steil nach unten geht und mit denen man körperlich, aber auch mental umgehen können muss. Das war bei mir teilweise auch so mit East Coast Hockey League, AHL und Verletzungen. Das ist ganz normal im Sport, dass so etwas passiert, aber in diesen Momenten muss man nach vorne blicken und die Unterstützung von der Familie und Freunden suchen, die hinter einem stehen.“

Welche Kontakte hast du heute noch in die NHL?

„Ich stehe im regelmäßigen Kontakt mit ein paar Leuten in Pittsburgh, vor allem Spielern aus unserem Team, mit denen ich viel Zeit verbringen durfte. Mit denen schreibe ich ab und zu immer mal wieder.“

Ich nehme an Sidney Crosby fragt regelmäßig bei dir nach, was er bei sich verbessern kann …?

„Du wirst lachen, denn mit dem hatte ich vor ca. einem Monat sogar wirklich Kontakt. Auf einer Auswärtsfahrt im Bus haben wir etwas geschrieben. Die Jungen in unserer Mannschaft wollten dann, dass ich ihm ein Foto schicke. Das haben wir gemacht. Er hat uns sogar Mut zugeredet, weil es zu dieser Zeit nicht so gut bei uns lief. Das hat natürlich schon Eindruck gemacht, wenn so etwas von so einer Größe unseres Sports kommt.“

Wie verfolgst du die NHL noch?

„Jeden früh, wenn ich ins Stadion komme, dann wird ein bisschen gefrühstückt und dabei werden die Highlights der vergangenen Nacht angeschaut. Das ist bei uns eigentlich Routine und so bleibe ich natürlich auf dem Laufenden.“

Du hast es vorhin schon angesprochen, das Thema Verletzungen. Du hattest einige in deiner Karriere. Wie motivierst du dich immer wieder zurückzukommen?

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„Oh ja, es gab doch die eine oder andere Verletzung bisher. Das bringt der Sport mit sich, dass es jeden Tag im Training oder Spiel passieren kann. Dann muss man einfach positiv bleiben und hart an sich arbeiten. Aber das macht dich nur stärker im Nachhinein, weil man auch in dieser Zeit der Reha an seinen Schwächen und daran, wo es Verbesserungsbedarf gibt, intensiver arbeiten kann. Das habe ich mir immer zu Herzen genommen und das hat sich ausgezahlt.“

Du bist kürzlich 32 Jahre geworden …

… Danke, das war jetzt absolut nicht nötig (lacht).

Gern geschehen. Die Frage wäre, wie deine sportlichen Ziele noch aussehen: Eine deutsche Meisterschaft oder die Teilnahme an Olympia 2026?

„Wie alt bin ich dann? Ganz schön alt, oder? (Zuruf: 34) Das ginge schon noch! (lacht) Das wäre natürlich sehr schön, aber als Ziel ist mir das zu weit weg. Ich konzentriere mich, es mit den Adler Mannheim in dieser Saison möglichst weit zu schaffen und in den nächsten Jahren einige Erfolge zu haben.“

Abschließende Frage: Wo ist es für dich am schönsten: Pittsburgh oder Mannheim oder …?

„… eindeutig in Mannheim und Deutschland. Ich bin nahe bei meiner Familie und die sehen mich oft wieder spielen. Das war die ganzen Jahre in Nordamerika, aber auch in Schweden sehr schwierig. Jetzt haben sie mich schon in Mannheim besucht, aber selbst, wenn wir in Ingolstadt, Straubing oder München spielen, dann sind sie immer vor Ort und das ist etwas Besonderes, wenn wir uns nach dem Spiel sehen können.“

Du hast mich nicht ausreden lassen. Landshut wollte ich noch anfügen …

„… da ist es auf jeden Fall am schönsten, aber jetzt konzentriere ich mich erst einmal auf Mannheim.“

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