TBL@NYI, Sp6: Point vollstreckt mit der Rückhand

Die Tampa Bay Lightning standen schon mit einem Bein im Stanley Cup Finale 2021. In Spiel 6 bei den New York Islanders aber verspielten sie einen 2:0-Vorsprung und verloren am Ende nicht nur mit 2:3 n.V., sondern mit Nikita Kucherov auch noch ihren Top-Scorer bereits zu Beginn des Spiels.

Kucherov scheidet nach 2:22 Minuten aus
Schon der Start in diese Partie verhieß zunächst nichts Gutes aus Sicht der Lightning: Superstar Kucherov verletzte sich schon in seinem ersten Wechsel, der gerade einmal 46 Sekunden dauerte.
Zunächst kassierte der Russe einen Crosscheck von New Yorks Verteidiger Scott Mayfield, dann teilte er an der Bande einen Check gegen Islanders-Stürmer Mathew Barzal aus. Seine Körpersprache verriet sofort, dass etwas nicht stimmte. Schmerzen im Bereich des Oberkörpers konnte der 28-Jährige kaum verbergen. Trotzdem hielt Kucherov noch 14 Sekunden durch, ehe er bei der nächsten Unterbrechung das Eis verließ, in der Kabine verschwand und nicht wieder zurückkehrte.
"Es gibt keinen Ersatz für Kuch", sagte Kapitän Steven Stamkos. "Er spielt unglaubliche Playoffs für uns und ist in der Offensive und im Powerplay so tödlich für uns da draußen. Es stinkt, wenn du Kuch so früh im Spiel verlierst. Er hat für den Rest des Spiels gefehlt, wir haben aber gekämpft und uns eine Chance gegeben zu gewinnen. Das hat leider nicht geklappt, es hat aber nicht an fehlendem Einsatz gelegen."

Ein längerer Ausfall würde Tampa Bay hart treffen. Kucherov ist mit 27 Scorerpunkten (fünf Tore, 22 Assists) mit großem Abstand der Top-Scorer in den Stanley Cup Playoffs 2021. Bis zu der Verletzung sorgte er im Schnitt für 1,59 Punkte pro Partie und war auch mit 17 Powerplay-Punkten (vier Tore, Assists) ein wichtiger Bestandteil des Überzahlspiels. So verwunderte es nicht, dass die Lightning an diesem Abend keine ihrer zwei Powerplay-Möglichkeiten für einen Treffer nutzen konnten (0/2).
"Wir haben schon 56 Spiele ohne ihn gemacht", verwies Trainer Jon Cooper auf das lange Fehlen Kucherovs, der die komplette reguläre Saison nach einer Hüft-OP verpasst hatte und erst in den Playoffs zurückgekehrt war. "Wir haben diesen Weg schon für vier Monate ohne ihn bestritten. Es ist also nichts Neues für uns."
Points unglaubliche Tor-Serie geht weiter
Untypisch für den amtierenden Stanley Cup Champion schafften es die Lightning nicht, die Islanders zu eliminieren. Wohlgemerkt trotz eines 2:0-Vorsprungs: Brayden Point (17.) und Anthony Cirelli (33.) hatten für die Zwei-Tore-Führung gesorgt.
Damit ging auch der unglaubliche Lauf des formstarken Brayden Point weiter: Der 25-jährige Kanadier traf in neun aufeinanderfolgenden Playoff-Spielen in Folge (9-4-13). Gelingt Point auch in Spiel 7 ein Tor, würde er den NHL-Rekord von Reggie Leach einstellen, der in den Playoffs 1976 in zehn Partien in Serie für die Philadelphia Flyers getroffen hatte.
Sollte Kucherov länger ausfallen, wird Tampas zweitbester Play-off-Punktesammler und -Top-Torjäger (14 Tore, sechs Assists) noch mehr Verantwortung schultern müssen.
Zu weit weg und ein folgenschwerer Fehlpass
Zwei Tage nach dem 8:0-Kantersieg in Spiel 5 der Serie liefen die Lightning wieder in physisch starke New Yorker, die 34 Checks austeilten und erneut stark im Verbund verteidigten. Bei beiden Gegentreffern in der regulären Spielzeit war Tampa Bay zu weit weg: Mathews Barzal setzte erst Jordan Eberle (35.) und später Scott Mayfield (52.) in Szene, die den vorhandenen Raum eiskalt bestraften.
Das Erreichen des Stanley Cup Finals kostete am Ende ein folgenschwerer Fehlpass vor dem eigenen Tor: Im Aufbau wollte Blake Coleman quer zu Jan Rutta legen, doch spritzte Anthony Beauvillier dazwischen und erzielte mit dem ersten Torschuss in der Overtime den Siegtreffer für die Islanders.

TBL@NYI, Sp6: Beauvillier bringt Overtime-Sieg

Tampas Torwart Andrei Vasilevskiy, der bislang in allen 16 Playoff-Partien startete, stoppte 25 von 28 Schüssen und kam auf eine Fangquote von 89,3 Prozent.
"Wir haben hart gekämpft. Haben ein Wahnsinnspiel geliefert und sind mit 2:0 in Führung gegangen. Wir wussten, dass sie danach drücken würden. Es sind zwei gute Mannschaften in der besten Zeit des Jahres", so Stamkos. "Es ist schon vorbei. Wir haben es heute nicht geschafft, aber wir gehen nach Hause und werden den Job vor unseren Fans erledigen.
"Do or Die" in Spiel 7
Für das alles entscheidende Spiel 7 am Freitag (8 p.m. ET, NHL.tv, DAZN; Sa. 2 Uhr MESZ) müssen sich die Lightning in der Defensive straffen, sich im Powerplay steigern, besser mit einer Führung umgehen und zudem hoffen, dass einerseits Point seine Tor-Serie fortführt und andererseits Kucherov schnell wieder gesund wird. Das Stanley Cup Finale 2021 ist für beide Teams nur noch einen Sieg entfernt.
Für Tampa Bay spricht die Reaktion auf Niederlagen in den letzten zwei Jahren: Seit dem Aus in den Stanley Cup Playoffs 2019 in der 1. Runde (0:4 gegen die Columbus Blue Jackets) hat das Team aus West-Florida keine zwei Playoff-Spiele in Folge mehr verloren und antwortete auf ein verlorenes Spiel 13-mal mit einem Sieg.
"Wir haben viele Spieler, die schon viele Playoff-Spiele absolviert haben und wir sind schon in verschiedenen Situationen nach Niederlagen zurückgekommen", sagte Point. "Wir haben einen Führungskern mit vielen Veteranen, die unsere Köpfe oben hält. Ich weiß nicht, ob schon viele Spieler in einem Spiel 7 gespielt haben, aber wir versuchen es einfach als ein Spiel anzugehen. Es ist ein Do or-Die-Spiel für beide Teams und es wird eine intensive Partie werden."