Das Beste der San Jose Sharks

Die NHL Preseason 2022/23 beginnt am 24. September. NHL.com/de beleuchtet im Vorfeld bei jedem Team noch einmal den Stand der Dinge.

In der heutigen Ausgabe: San Jose Sharks
Die Sharks durchleben die schwerste Phase ihres 31-jährigen Bestehens: Erstmals überhaupt in ihrer Franchise-Geschichte verpassten sie dreimal in Folge die Stanley Cup Playoffs. Kurios: 2019 standen die Sharks noch im Western Conference Finale (2:4 gegen die St. Louis Blues), 2016 im Stanley Cup Finale (2:4 gegen die Pittsburgh Penguins). San Jose möchte zurück zu diesen Erfolgen, zurück in die Playoffs, doch wahrscheinlicher scheint derzeit eine Phase des Neuaufbaus.
"Ich finde, wenn eine Organisation für eine so lange Zeit nichts erreicht hat, dann braucht es einen Wechsel, einen Umbruch", sagte Kapitän Logan Couture. "Ich hoffe, dass da Energie und Leben in unser Team bringt und wir wieder den richtigen Weg einschlagen werden."
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So wurde im Sommer die komplette sportliche Führung in der Bay Area ausgetauscht: Mike Grier trat als neuer General Manager, David Quinn als neuer Trainer den Dienst bei den Nord-Kaliforniern an. Grier hat eine Sharks-Vergangenheit: Zwischen 2006 und 2009 trug er drei Jahre lang das Trikot der Mannschaft und war als physisch-starker und hart-arbeitender Power Forward durchaus beliebt bei den Fans. Quinn arbeitete bis 2021 als Trainer bei den New York Rangers und betreute danach die US-amerikanische Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 2022 sowie der Weltmeisterschaft 2022. Beide wollen in San Jose eine neue Hockey-DNA implementieren. Entsprechend wurden vor allem Spieler verpflichtet, die vielleicht nicht den größten Namen haben, dafür aber ein Kämpferherz.
Genau dafür steht unter anderem der neue Center Nico Sturm. Der 27-jährige Augsburger ist frischgebackener Stanley Cup Champion mit den Colorado Avalanche und unterschrieb als Free Agent einen Dreijahresvertrag bei den Sharks. Außerdem kamen Luke Kunin, Oskar Lindblom, Steven Lorentz und Evgeni Svechnikov für den Angriff.

Sturms Top 5 Tore in 2021/22

Was San Jose auf die Füße fallen könnte, ist die mangelnde Durchschlagskraft: In der Vorsaison hatten die Sharks mit durchschnittlich 2,57 Toren pro Spiel die drittschlechteste Offensive der gesamten NHL. Nur drei Stürmer übersprangen die Marke von 40 Scorerpunkten: Der Schweizer Timo Meier (35-41-76), sowie die beiden Mittelstürmer Tomas Hertl (30-34-64) und Couture (23-33-56). Der Angriff weist zwar eine große Tiefe auf, doch fehlt es hinter diesem Trio an Qualität in der Spitze. Die große Hoffnung: Eines der Talente schlägt unerwartet ein. Zuzutrauen wäre dies etwa William Eklund (19), Thomas Bordeleau (20) oder Scott Reedy (23).
"Ich denke, wir können ein produktiveres Team sein und das kann man durch viele unterschiedliche Wege erreichen", glaubt Quinn. "Es muss einfach jeder fünf oder zehn Prozent besser werden. Wenn uns das gelingt, dann kann es die mangelnde Offensivkraft beheben und den Unterschied ausmachen, ob wir in die Playoffs kommen oder nicht."
Doch auch in der Defensive gibt es nach dem Abgang des langjährigen Publikumsliebling Brent Burns, der zu den Carolina Hurricanes getradet wurde, viele Fragezeichen. Das gilt insbesondere für die Offensivkraft an der blauen Linie: Burns (10-44-54) war der punktbeste Verteidiger in der Vorsaison. Erik Karlsson (10-25-35), ein potenzieller Elite-Offensivverteidiger, läuft seit seiner Ankunft in San Jose im Jahr 2018 seiner Form hinterher und wurde immer wieder von Verletzungen ausgebremst. Eine größere Rolle ist dem talentierten Mario Ferraro (23) zuzutrauen. Ansonsten stehen eher Shutdown-Abwehrspieler im Kader, darunter auch die Neuzugänge Matt Benning, Scott Harrington und Markus Nutivaara.
Gut möglich, dass Grier bei der Kaderzusammenstellung bewusst auf Stabilität statt auf Produktivität gesetzt hat, immerhin blieb in den letzten Jahren auch ein Torhüter-Problem ungelöst. Für die kommende Saison bilden James Reimer (34) und Kaapo Kahkohnen (26) das Goalie-Tandem. "Mir gefällt unsere Tiefe auf der Torhüterposition", sagt Quinn zwar. Doch wie auch in der Verteidigung und im Sturm fehlt es auch hier an Qualität in der Spitze. Trotz drei Saisons ohne Playoffs hat der Umbruch bei den Sharks erst jetzt begonnen und könnte noch weitere schwere Jahre andauern.

Meiers Top 5 Tore in 2021/22

Voraussichtliche Aufstellung zu Saisonbeginn 2022/23:
Sturm:
William Eklund - Tomas Hertl - Timo Meier
Alexander Barabanov - Logan Couture - Kevin Labanc
Oskar Lindblom - Nico Sturm - Luke Kunin
Nick Bonino - Thomas Bordeleau - Scott Reedy
Verteidigung:
Mario Ferraro - Erik Karlsson
Marc-Edouard Vlasic - Ryan Merkley
Markus Nutivaara - Matt Benning
Tor:
James Reimer
Kaapo Kahkonen
Scratches:
Nikolai Knyzhov - Radim Simek - Jaycob Megna,
Top-Talent, auf das es zu achten gilt:
William Eklund (Stürmer) - Der 19-jährige Schwede wurde im NHL Draft 2021 in der 1. Runde an 7. Stelle von San Jose ausgewählt und debütierte wenige Wochen später in der Liga. In neun Spielen wusste der 1,78 Meter große und 82 Kilogramm schwere Linksschütze zu überzeugen und steuerte vier Assists bei. Um seine Entwicklung zu fördern, wurde er zurück nach Schweden geschickt und spielte auf Leihbasis bei seinem Jugend-Klub Djurgardens IF in der höchsten Spielklasse SHL. In 29 Partien sammelte Eklund 14 Scorerpunkte (1-13-14). Zu seinen Stärken zählen Attribute wie Schnelligkeit, Arbeitseifer, Kreativität und gutes Passspiel. Das Top-Talent der Sharks könnte sogar in einer Top-6-Rolle auflaufen.
Die wichtigste Frage für die Sharks:
Wer schießt Tore? Ausgewiesene Scorer hat San Jose nur wenige im Kader. Die Torproduktion ruhte bislang auf den Schultern von Meier, Hertl und Couture. Um eine erfolgreichere Saison zu spielen, brauchen die Kalifornier mehr Secondary Scoring. Quinn sieht dieses Problem als Team-Aufgabe an. Eine Lösung könnte sein, wieder konsequentes "Sharks-Hockey" zu spielen, das über mehrere Jahre eine Erfolgsgarantie war. Dazu zählen Elemente wie harte Arbeit in beide Richtungen, aggressives Forechecking und knackiges Körperspiel.