Red Bull Eishockey Akademie

Wer eine unscheinbare Straße in Liefering bei Salzburg entlang des Grenzflusses Saalach zu Deutschland fährt, wird am Ende auf einen großen Komplex stoßen, der seinesgleichen sucht. Die Red Bull Akademie, Ausbildungsstätte für junge Fußballer und Eishockeyspieler auf ihrem Weg zu einer Profi-Karriere, liegt etwas abgeschieden am Rande der Stadt. Doch mit seinen großflächigen Sportanlagen und dem Verwaltungs-, Kabinen-, Trainings- und Internatstrakt sowie zwei Eishallen (mit ganzjährigem Eis) und einer großen Fußballhalle, ist die Erscheinung nicht nur von außen mächtig.

Innen glänzt das im Jahr 2014 eröffnete Funktionsgebäude mit hellen und freundlichen Räumen. Kein Geringerer als Wayne Gretzky, The Great One, stattete der Ausbildungsstätte kurz nach der Eröffnung einen Besuch ab und erhielt die gleiche Führung mit exklusiven Eindrücken, die NHL.com/de kürzlich bekam. Eine Vitrine mit einem unterschriebenen Helm zeugt von diesem Anlass und ein Zitat von seiner Frau Janet Gretzky wurde gleich mit verewigt. Sie sagte damals zu ihrem Mann: „Stell dir vor, was aus dir geworden wäre, wenn du diese Trainingsmöglichkeiten gehabt hättest." Größer konnte das Kompliment für die Red Bull Academy nicht ausfallen.

Aber auch ehemalige Absolventen, die heute in der NHL ihre Runden drehen, sind voll des Lobes für die Einrichtung. „Sie war enorm hilfreich für meine Entwicklung“, schwärmt der kanadische Verteidiger Noah Dobson von den Montreal Canadiens. „Einfach nur jeden Tag in dieser Umgebung einer Eishockey-Akademie auf dem Eis sein zu können, das hat mir enorm geholfen, mein Spiel in vielen Bereichen weiterentwickeln zu können. Das hat mir den Sprung in die Juniorenliga von Quebec deutlich vereinfacht.“

Kraftkammer

Neben Dobsons Mannschaftskollegen, dem Slowaken Juraj Slafkovsky, der aber nur zeitweise in der Akademie zu Gast war und nicht offiziell zu den Absolventen gehört, durchlief auch der deutsche Stürmer JJ Peterka (Boston Bruins) die Altersstufen. Dieser hat sich kürzlich mit einer eigenen Eishalle und Trainingsmöglichkeiten auf dem Grundstück seiner Eltern im oberbayerischen Buchbach einen Traum erfüllt.

Auf die Frage von NHL.com/de, ob er sich damit eine kleine Akademie nach dem großen Vorbild geschaffen hat, reagierte er sichtlich erfreut. „Das habe ich noch nicht gehört, aber der Vergleich gefällt mir“, schmunzelte er. „Die Red Bull Akademie bietet eine Ausbildung auf höchstem Niveau und es freut mich, wenn meine kleine Einrichtung in einem Atemzug genannt wird und vielleicht auch das eine oder andere Talent zu einer großen Karriere fördern kann.“

Ab 14 Jahren können Jugendliche die Red Bull Eishockey Akademie besuchen und die Bewerbungszahlen vor allem aus Deutschland und Österreich, aber auch von internationalen Talenten, eine der weltweit modernsten Ausbildungsstätten zu besuchen, sind hoch. Um die 600 Bewerbungen gehen jährlich ein.

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Neben dem Anspruch, eine hohe sportliche Ausbildung zu gewährleisten, sieht das Konzept eine strukturierte schulische Ausbildung vor. Mit den umliegenden Schulen bestehen Kooperationen, so dass die Stundenpläne mit dem Training und Auswärtsfahrten abgestimmt sind. Mit einem integrierten Ampelsystem werden die Noten überwacht und bei Problemen eine kompetente Nachhilfe gewährleistet. Das Konzept beruht nach eigener Darstellung auf 49 Prozent Sport und 51 Prozent Ausbildung.

Aber auch die Entwicklung der Jugendlichen zu Erwachsenen mit entsprechenden Werten steht im Fokus. So begleiten Sportpsychologen und Coaches die persönliche Entwicklung der Nachwuchstalente. Es gibt eine strukturierte Nachmittagsbetreuung mit festen Lernzeiten.

Eine integrierte Kantine sorgt den kompletten Tag über für eine angemessene und gesunde Ernährung der Sportler.

Die Spieler werden in fünf Mannschaften der unterschiedlichen Altersklassen ausgebildet. Die Spanne reicht von der U15 bis hin zu den Red Bull Hockey Juniors, einer U20- Mannschaft. Erst in der letzten Altersstufe erhalten die Spieler den heißbegehrten Red Bull Helm mit dem Logo des Sponsors. Durch die Teilnahme an der tschechischen U15-Liga und der Alps Hockey League mit Teams aus Kroatien, Slowenien und Italien dürfen sich die Spieler frühzeitig im Ausland messen.

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Die Akademie verfügt über einige High-Tech-Trainingsgeräte. Dazu zählen zwei Laufbänder für Schlittschuhe, was der Optimierung von Lauftechniken und dem Puckhandling in Bewegung dienen soll. Alles wird überwacht von top-ausgebildeten Trainern. Director of Development ist seit 2016 der frühere deutsche Nationaltorhüter Helmut De Raaf.

„Wir haben tolle Trainingsmöglichkeiten hier, aber das wichtigste ist nicht wie etwas aussieht, sondern wie man es nutzt und das wichtigste für mich ist immer das Eis“, verdeutlicht De Raaf im Gespräch mit NHL.com/de. „Das ist der Bereich, wo es zählt. Alles drumherum ist schön, aber es wird kein Spieler zum Beispiel im Kraftraum entwickelt. Es sind Tools, die man mit nutzen kann und sollte, aber die Wahrheit liegt auf dem Eis.“

Doch wie kam De Raaf zu dieser Position? „Ich habe in einer ähnlichen Funktion nach meiner aktiven Karriere 1999 in Mannheim begonnen“, erzählt er. „Es war damals das erste Eishockey-Internat in Deutschland. Später war ich im Profibereich, aber dann kam das Angebot, diese Position hier zu bekleiden. Ich sah für mich noch mehr Möglichkeiten, als wir sie damals in Mannheim schon hatten. Ich war schon vor dem Bau in diesem Projekt aus der Ferne beratend mit eingebunden. Von daher wusste ich genau, was mich erwartet und ich habe mich darauf gefreut.“

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Es ist De Raaf anzusehen, dass er auch im elften Jahr seines Wirkens immer noch Spaß daran hat. „Es ist meine Leidenschaft jeden Tag mit jungen Leuten zusammen zu sein, die riesengroße Träume und Ziele haben“, hebt er hervor. „Das muss man mitgehen und verstehen. Da braucht man selbst entsprechende Leidenschaft, dass sie merken, sie werden uneingeschränkt unterstützt. Dann sind sie bereit, auch an ihre Grenzen zu gehen und das leben wir ihnen vor.“

Trotzdem habe sich in den zehn Jahren einiges verändert, was man immer wieder berücksichtigen müsse. „Alles wurde internationaler“, betont De Raaf. „Wir haben mehr Möglichkeiten, uns international zu messen. Außerdem haben Spieler mit 14 Jahren heute schon Berater, Adviser, lauter so schöne Namen, wie die sich alle auch nennen. Dadurch wird die Entwicklung stetig unruhiger. Und natürlich auch wegen den digitalen Möglichkeiten und Social Media. Einerseits schön, denn man bekommt so mehr Informationen, aber es kommen mehr Einflüsse von außen herein. Während ein Spieler früher mit 22 Jahren als jung galt, sind das heute die 17- oder 18-Jährigen. Das bedeutet für die Vorbereitung, dass diese schneller und besser werden musste. Die Spieler müssen einfach früher bereit sein, schon im Männerbereich Leistung zu bringen.“

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Auch wenn die Ausbildung an der Akademie in erster Linie darauf ausgelegt ist, die Profi-Teams des EHC Red Bull München und EC Red Bull Salzburg mit Talenten zu versorgen, so ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Spieler aus dieser Ausbildungsstätte den Sprung in der NHL schaffen werden.

„Der große Vorteil bei uns ist, dass die Ausbildung sehr zentral passiert“, erklärt De Raaf. „Natürlich hat Nordamerika auch eine gute Ausbildung zu bieten, aber diese läuft sehr dezentral in vielen kleinen Einheiten oder Universitäten. Was wir hier bieten, ist ziemlich einzigartig.“