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Eine starke Gruppe hatte Österreich bei der an diesem Wochenende stattfindenden Olympia-Qualifikation für die Winterspiele 2022 in Peking erwischt. In der slowakischen Stadt Bratislava unweit ihrer Landesgrenze musste die Eishockey-Nationalmannschaft der Alpenrepublik gegen den Gastgeber, Weißrussland und Polen antreten. Nur der Gruppenerste würde sich für das olympische Eishockey-Turnier im kommenden Februar qualifizieren. Am Ende setzte sich die Slowakei mit drei Siegen durch, Österreich belegte Rang 3.

Knappe Niederlage gegen die Slowakei
Am Donnerstag stand zum Auftakt die Partie gegen die Slowakei an. Zuvor hatte bereits am Nachmittag Polen überraschend den Mitfavoriten Weißrussland mit 1:0 besiegt und damit das Rennen zusätzlich spannend gemacht.
Die vom ehemaligen NHL-Spieler (1070 Spiele für die Buffalo Sabres) und -Trainer (u.a. Philadelphia Flyers) Craig Ramsay angeleiteten Slowaken hatten, frenetisch angefeuert von über 4.000 Zuschauern, einen starken Beginn und belohnten ihr druckvolles Spiel bereits nach 1:46 Minuten mit dem 1:0. Libor Hudacek überwand den ansonsten starken David Kickert im Tor der Österreicher mit einer Direktabnahme. Dass es bis zur ersten Pause bei dem Spielstand blieb war insbesondere ein Verdienst von Kickert. Aber auch das Penalty Killing funktionierte, indem die Gäste eine doppelte Unterzahl über die Dauer von 1:49 Minuten überstanden.
"Natürlich war es kein perfektes Spiel, aber mir hat der Großteil des ersten Drittels und sogar ein Teil des dritten Drittels gefallen, als wir einige Chancen hatten, das Spiel auszugleichen", sagte der Trainer der Österreicher Roger Bader. "Die Slowakei hatte mehr Schüsse, mehr Chancen und mehr Powerplays, aber ich denke, wir haben ein ziemlich gutes Spiel gemacht."
Im zweiten Drittel konnte die Offensive der Österreicher um Talent Marco Rossi (Minnesota Wild) kaum noch für Entlastung sorgen und war über weite Strecken in der eigenen Zone eingeschnürt. Doch Torhüter Kickert musste sich nur ein weiteres Mal geschlagen geben. Martin Gernat erhöhte nach 28:28 Minuten auf 2:0.
"Im zweiten Drittel hatten wir zu viele Turnovers in der neutralen Zone", sagte der österreichische Verteidiger Clemens Unterwerger. "Wir haben es den Slowaken zu leicht gemacht, in unsere Hälfte zu kommen und wir konnten uns nicht aus der Verteidigungszone befreien."
Die Slowakei wähnte sich zu Beginn bereits auf der Siegerstraße und legte etwas den Schongang ein. Das sollte sich rächen, denn Brian Lebler verkürzte den Spielstand nach 52:45 Minuten und leitete eine spannende Schlussphase ein. Der Ausgleich wäre fast ausgerechnet in Unterzahl gefallen, doch sie ließen einen 2-auf-1-Konter ungenutzt. Ebenso wollte es in der Schlussphase nicht mehr gelingen, die Begegnung in die Verlängerung zu zwingen.
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"Ich weiß nicht, warum wir nie ein Spiel leicht gewinnen können", sagte der slowakische Trainer Ramsay. "Egal, wie gut wir spielen, wir finden immer einen Weg, das Spiel knapp und sehr schwierig zu gestalten. Heute Abend war unser Torwart sehr gut, wenn wir ihn brauchten, und wir haben viele Torchancen kreiert, aber einige wirklich gute Chancen vergeben, weil wir versucht haben, es besonders toll zu machen."
"Es gibt immer zwei Punkte, die man ansprechen muss: das Ergebnis und die Leistung", sagte der österreichische Cheftrainer Roger Bader. "Natürlich bin ich enttäuscht, dass wir verloren haben, aber insgesamt bin ich mit der Leistung zufrieden. Ich denke, dass wir ein sehr gutes Spiel gemacht haben und wir können stolz auf diese Leistung sein."
Ein schwaches 2. Drittel gegen Weißrussland brachte das Aus
Die beiden Teams, die am Donnerstag verloren hatten, mussten am Freitag mit einem Sieg ihre letzte Chance auf den Gruppensieg nutzen. Am Ende hatte Weißrussland dank eines zweiten Drittels mit fünf Toren den 0:2-Rückstand nach 20 Minuten gegen Österreich wettgemacht und die wichtigen zwei Punkte eingefahren. Während Weißrussland damit in der letzten Partie gegen die Slowakei mit einem weiteren Sieg noch die Möglichkeit besitzt, die Olympia-Teilnahme perfekt zu machen, sind die tapferen Österreicher ausgeschieden.
Ratlosigkeit herrschte im Lager der Österreicher. Nach Toren von Raphael Herburger nach 8:35 Minuten und Brian Lebler auf Vorarbeit von Rossi nach 18:40 Minuten und der damit verbundenen 2:0-Führung sah es sehr gut aus. Doch ein katastrophales zweites Drittel machte alles zunichte. Angeführt vom zweifachen Torschützen und Kapitän Yegor Sharangovich von den New Jersey Devils zogen die Weißrussen auf 5:2 davon.
"Ich denke, meine Hauptaufgabe als Kapitän dieses Teams ist es, auf dem Eis zu führen", sagte der 23-jährige Sharangovich, dem zum 2:2 (25:55) und 3:2 (32:25) ein Doppelschlag gelang. "In der Umkleidekabine haben wir viele erfahrene Jungs wie Andrei Stas und Nick Bailen, die unser Team mit Worten inspirieren."
"Ich bin mir nicht sicher, was passiert ist", äußerte sich Bader resigniert. "Normalerweise ist es ziemlich gut, wenn man zehn Schüsse in einem Drittel zulässt, und selbst wenn man drei Tore zulässt, ist das mehr als normal. Aber aus irgendeinem Grund sind fünf davon ins Tor gegangen, und natürlich hat Weißrussland gute Schützen, und sie haben das ausgenutzt und an Schwung gewonnen."
Bernhard Starkbaum, der zu Beginn den Vorzug vor Kickert erhielt und sich im ersten Drittel bei zehn Schüssen schadlos hielt, konnte einem leidtun. Er wurde in der zweiten Drittelpause nach 15 Saves bei 20 Schüssen ausgewechselt. Besonders das 5:2 durch Geoff Platt 22 Sekunden vor der zweiten Pause schmerzte die Österreicher.
"Das fünfte Tor ganz am Ende des Drittels war besonders verheerend", meinte Bader. "Das hat es uns wirklich schwer gemacht, zurück zu kommen. Es ist schwer zu sagen, was genau passiert ist. Ich werde mir das Video ansehen müssen."
Sieg zum Abschluss bringt 3. Platz
Mit einem versöhnlichen 4:1-Sieg gegen Polen verabschiedeten sich die Österreicher am Sonntag aus Bratislava mit dem 3. Platz in der Gruppe.
"Nach zwei schweren Spielen war es unser Ziel, dieses Spiel zu gewinnen", sagte Stürmer Raphael Herburger. "Auch wenn es nichts gebracht hat, wir sind eine stolze österreichische Mannschaft. In den letzten Spielen hatten wir einige schlechte Momente, also wollten wir das ganze Spiel spielen, und Brian hatte drei schöne Tore, was uns eine sehr gute Chance auf den Sieg gab."
Lebler schraubte mit einem Hattrick seine Bilanz an diesem Wochenende auf fünf Tore. Er erzielte damit über 70 Prozent der österreichischen Tore (5/7). Trotz einem Torschussverhältnis vom 11:2 im 1. Drittel und der frühen Führung durch Manuel Ganahl nach 4:10 Minuten, konnten die Österreicher erst 58 Sekunden vor der Sirene durch Lebler erneut in Führung gehen, nachdem die Polen nach 11:53 Minuten durch Maciej Urbanowicz einige ihre wenigen Möglichkeiten zum Ausgleich nutzten. Im restlichen Spielverlauf hielt sich Kickert im Tor der Österreicher allerdings mit insgesamt neun Saves schadlos.
Lebler baute jeweils in zweiten (34:38) und dritten Drittel (53:03) die Führung der Österreicher zum verdienten Sieg aus. Das 4:1 bereitete NHL-Talent Rossi mit vor und schloss das Turnier mit insgesamt zwei Torvorlagen ab.
"Ich weiß nicht, ob das mein erster Hattrick mit der Nationalmannschaft war oder nicht", sagte Lebler. "Ich versuche einfach, an den richtigen Stellen zu stehen, und wenn ich mit Zwerger und Rossi spiele, dann sind das talentierte Jungs, die ein sehr gutes Gespür für das Eishockey haben. Sie haben die meiste Zeit den Puck, und ich versuche einfach, den Weg frei zu machen, und das ist uns auch ein paar Mal gelungen."
Slowakei qualifiziert sich ungeschlagen
Im zweiten Spiel am Freitag besiegte die Slowakei den Gegner Polen klar mit 5:1 und war damit nach zwei Siegen auf dem Kurs zum Gruppensieg und der Qualifikation für Olympia. Diese machten sie am Sonntag durch einen 2:1-Sieg in der abschließenden Partie gegen Weißrussland, dem dritten an diesem Wochenende, klar.
Neben der Slowakei qualifizierten sich in den weiteren Qualifikationsturnieren Dänemark und Lettland. Damit stehen auch die Gruppen für das olympische Turnier fest:
Gruppe A: Kanada (1), USA (6), Deutschland (7), China (12)
Gruppe B: ROC (2), Tschechien (5), Schweiz (8), Dänemark (11)
Gruppe C: Finnland (3), Schweden (4), Slowakei (9), Lettland (10)