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Die Philadelphia Flyers haben sich im engen Rennen der Eastern Conference eindrucksvoll zurückgemeldet - und das auf eine Weise, die sinnbildlich für ihren jüngsten Aufschwung steht. Beim 2:1-Erfolg nach Verlängerung in der heimischen Xfinity Mobile Arena gegen die Boston Bruins am Sonntag sicherten sich die Flyers nicht nur zwei enorm wichtige Punkte, sondern auch erstmals seit dem 12. Januar wieder einen Platz, der zur Teilnahme an den kommenden Stanley Cup Playoffs berechtigen würde. Im Mittelpunkt stand dabei ausgerechnet ein 19-jähriger Rookie: Porter Martone.

Der Youngster krönte seine bislang kurze NHL-Karriere mit einem ganz besonderen Moment. Nach 2:31 Minuten in der Overtime verwertete Martone seinen eigenen Rebound im Powerplay und sorgte damit für den umjubelten Siegtreffer. Es war nicht nur sein erstes Tor in der NHL, es war gleich ein Game-Winner in der Verlängerung. Ein Einstand, wie er kaum spektakulärer sein könnte.

„‚Devo‘ hat mir den Puck perfekt in die Mitte gespielt, ich musste den Rebound nur noch reinmachen“, beschrieb Martone die Szene nüchtern. Die Bedeutung des Treffers war ihm dennoch bewusst: „Wie die Halle explodiert ist, das waren einfach riesige zwei Punkte für uns.“

BOS@PHI: Martone erzielt bei Überzahl in der OT sein erstes NHL-Tor

Ein Rookie als Unterschiedsspieler

Martone (NHL Draft 2025, Pick Nr. 6), erst am 29. März mit einem Einstiegsvertrag ausgestattet, entwickelt sich in kürzester Zeit zu einem entscheidenden Faktor im Saisonendspurt. In seinen ersten vier NHL-Spielen sammelte er bereits drei Punkte und sorgte vor allem mit seiner Spielfreude und Unbekümmertheit für frischen Wind im Angriff der Flyers.

Gegen Boston war er sogar an beiden Treffern direkt beteiligt. Bereits im ersten Drittel zeigte er seine Klasse, als er mit einem technisch anspruchsvollen Spielzug die Grundlage für die Führung legte. Mit einem Pass zwischen den eigenen Beinen leitete er einen 2-auf-1-Konter ein, den Christian Dvorak zur 1:0-Führung (5.) abschloss.

„Das war alles andere als ein einfacher Spielzug“, lobte Dvorak. „Der Pass kam perfekt auf meinen Schläger, ich musste ihn kaum bewegen. Das zeigt, wie hoch sein Hockey-IQ ist. Solche Aktionen machen den Unterschied. Heute war er ein riesiger Faktor für uns.“

Martones Selbstvertrauen ist dabei bemerkenswert. Trotz seines jungen Alters scheut er keine Verantwortung und sucht konsequent den Abschluss. Mit 20 Torschüssen in seinen ersten vier Einsätzen führt er die Liga in diesem Zeitraum sogar an. Das ist ein beeindruckender Wert, der seine offensive Präsenz unterstreicht.

Auch Teamkollege Noah Cates hob den Einfluss des Rookies hervor: „Er hat uns sofort geholfen. Gerade zu diesem Zeitpunkt der Saison ist es enorm wichtig, dass jemand reinkommt und Energie bringt. Dass er jetzt auch getroffen hat, gibt ihm und uns zusätzliches Selbstvertrauen.“

Starker Endspurt bringt Flyers in Position

Der Erfolg gegen die Bruins ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer starken Entwicklung in den vergangenen Wochen. Seit der Pause für die Olympischen Winterspiele hat Philadelphia eine Bilanz von 14-6-1 hingelegt und sich damit Schritt für Schritt zurück in den Playoff-Kampf gearbeitet.

Mit einer Saisonausbeute von 39-26-12 und den daraus resultierenden 90 Zählern nach 77 Saisonspielen stehen die Flyers aktuell auf dem dritten Platz der Metropolitan Division. Sie liegen einen Punkt vor den New York Islanders (89 aus 78), die zudem ein Spiel mehr absolviert haben, sowie zwei Zähler vor den Columbus Blue Jackets (88 aus 77 Spielen).

Alle wichtigen Szenen aus dem Spiel zwischen den Philadelphia Flyers und den Boston Bruins

Diese Konstanz ist besonders bemerkenswert, wenn man den Saisonverlauf betrachtet. Immer wieder gab es Rückschläge, doch das Team ließ sich davon nicht aus der Bahn werfen. „Es ist viel Wachstum zu sehen“, betonte Cheftrainer Rick Tocchet. „Es war manchmal eine Achterbahnfahrt, aber die Mannschaft ist über die gesamte Saison hinweg zusammengeblieben. Darauf bin ich wirklich stolz.“

Auch defensiv präsentierten sich die Flyers stabil. Torhüter Dan Vladar zeigte mit 18 Paraden (94,7 Prozent Fangquote) eine solide Leistung und hielt sein Team vor allem in kritischen Phasen im Spiel.

Geduld zahlt sich aus

Das Spiel selbst verlief lange ausgeglichen. Philadelphia ging früh in Führung, verpasste es jedoch, den Vorsprung auszubauen. Boston kam im dritten Drittel zurück und glich durch Pavel Zacha (41.) im Powerplay aus, nachdem Vladar zunächst einen Schuss von David Pastrnak stark pariert hatte.

In der Verlängerung nutzten die Flyers schließlich ihre Chance. Wieder war es Martone, der im richtigen Moment zur Stelle war. Sein Treffer macht ihn zum zweitjüngsten Spieler der NHL-Geschichte, der sein erstes Tor in der Verlängerung erzielt hat.

Für die Flyers könnte dieser Moment symbolischen Charakter haben. Nach Monaten außerhalb der Playoff-Ränge ist das Team rechtzeitig zur entscheidenden Saisonphase in Form gekommen. Die Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Impulsgebern scheint zu funktionieren.

Martone selbst will seinen kometenhaften Start nüchtern einordnen: „Es ist natürlich etwas Besonderes, so ein erstes Tor zu erzielen, noch dazu als Siegtreffer in der Verlängerung. Aber ich will einfach weiter mein Spiel machen, Chancen kreieren und der Mannschaft helfen.“

Genau das dürfte der Schlüssel für Philadelphia sein. Wenn es den Flyers gelingt, diese Balance aus Energie, Disziplin und individueller Klasse aufrechtzuerhalten, erscheint nicht nur der Playoff-Einzug realistisch, sondern vielleicht auch mehr.

Der Sieg gegen das Team von Trainer Marco Sturm war jedenfalls ein deutliches Signal an die Konkurrenz: Die Flyers sind zurück im Rennen. Und sie haben offenbar genau zur richtigen Zeit Fahrt aufgenommen.

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