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Oshie würde Shootout-Regeländerung begrüßen

Capitals Stürmer erklärt NHL.com, was ihn zu einem der besten Penaltyschützen der Liga macht

von Tom Gulitti @tomgulittinhl / NHL.com Autor

WASHINGTON -- Unter den Themen, die am Dienstag beim NHL General Manager Meeting in Toronto besprochen wurden, stand auch zur Debatte, ob beim Shootout zu internationalen Regeln gewechselt werden sollte. Dadurch dürften Schützen nach der dritten Runde erneut einen Versuch wagen.

Nach dem aktuellen NHL Regelwerk muss zunächst jeder spielbereite Spieler schießen, bevor jemand ein zweites Mal ran darf. Wenn sich die GMs das nächste Mal im März in Boca Raton, Florida, treffen werden, wird diese potenzielle Regeländerungen erneut auf der Agenda stehen.

Washington Capitals Rechtsaußen T.J. Oshie ist ein starker Befürworter der Regeländerung:

"Mir machen Shootouts spaß, also würde ich definitiv dafür stimmen", sagte er. "Natürlich bin ich da etwas voreingenommen, weil ich sehr begeistert davon bin."

Es ist keine Überraschung, dass Oshie den Vorschlag mag. Er gehört zu den besten Penaltyschützen der Liga.

Seine Penaltyfähigkeiten machten den 29-jährigen bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi zu einem Nationalhelden. Beim Vorrundensieg gegen Gastgeber Russland traf er in sechs Anläufen vier Mal für die USA.

Seit er sich nach dem Trade mit den St. Louis Blues am 2. Jul 2015 den Capitals anschloss, traf Oshie 5 von 7 Penalties (71,4 Prozent). In dieser Saison liegt er bei 1 aus 1. Mit 36 Treffern bei 66 Anläufen in seiner Karriere liegt seine Quote bei 54,5 Prozent.

Unter den aktiven Spielern mit mindestens zehn Versuchen haben nur Jakob Silfverberg von den Anaheim Ducks (18 aus 30 / 60 Prozent) und Brandon Pirri von den New York Rangers (10 aus 17 / 58,8 Prozent) bessere Quoten. Riley Nash (6 aus 11) liegt mit Oshie gleichauf. Mit 17 spielentscheidende Penalties liegt Oshie gleichauf mit Patrick Kane von den Chicago Blackhawks und Frans Nielsen von den Detroit Red Wings.
 
Auch wenn Oshies natürliches Talent einen großen Teil seines Erfolges ausmacht, der Feinschliff war jahrelange harte Arbeit.

"Wenn du ein Kind bist, gehst du nach jedem Training an die Rote Linie und übst Penalties", sagte er. "Meinen Deke auf die Vorhand übe ich seitdem ich zwölf bin."

Mit der Hilfe von Oshie und den Capitals Torhütern Braden Holtby und Philipp Grubauer (denen er im Training oft gegenübersteht), analysiert NHL.com die Geheimnisse von Oshies Shooutout Erfolg.

Der Anlauf

Oshie beginnt jeden Penaltyanlauf in dem er zunächst nach rechts läuft und dann wieder in die Mitte zieht. Früher ging er eher direkt auf das Tor zu, aber das hat er irgendwann unterbewusst geändert.

Beim olympischen Shootout gegen Russland war es Oshies Vorteil, dass er jedes Mal gleich anlief und Bobrovsky so keine Möglichkeit gab, früh zu lesen, was er vorhat.

"Nachdem ich den ersten gemacht habe, dachte ich mir 'jetzt wirst du jeden genauso machen, da kommt Bobrovsky nie drauf', erklärte Oshie. "Seitdem mache ich immer das gleiche. Früher bin ich geradeaus in den Slot gefahren. Ich weiß nicht, wann ich das geändert habe, erst bei diesem Penalty ist mir das aufgefallen."

Auch unter dem aktuellen NHL Shootout Regelwerk hilft es Oshie immer, den gleichen Anlauf zu wagen, auch wenn die Goalies wissen wo er hingehen wird.

"Üblicherweise landet er wieder irgendwie in der Mitte", sagte Holtby. "Er will, dass der Goalie mit ihm mitgeht, damit er einen besseren Winkel bekommt. Er ist ziemlich gut darin."

Die Geschwindigkeit

Viele Spieler laufen sehr schnell an. Einige starten schnell und werden langsamer. Andere sind die ganze Zeit langsam.

Oshie bevorzugt den langsamen Anlauf.

"Da fühle ich mich am wohlsten", sagte Oshie. "Die Geschwindigkeit mit der ich anlaufe ist die, mit der ich mich am wohlsten fühle. Das gibt mir die meiste Zeit zu lesen und zu reagieren. Wenn alles gut aussieht, mache ich weiter wie geplant."

Die Anlaufgeschwindigkeit des Schützen gibt vor, welche Moves er machen kann.

"Wenn du schnell bist, ist es schwerer von einer Seite zur anderen zu ziehen und dennoch den Puck hochzubekommen", sagte Oshie. "Wenn du langsam bist, hast du diesen Sekundenbruchteil mehr, damit du sie hochbekommst. Üblicherweise versuchen die Jungs, die schnell sind und dennoch mischen, so schnell zu sein, damit sie den Goalie von der einen zur anderen Seite schicken können."

Video: FLA@WSH: Oshie unter Latte zum zweiten Treffer

Die Entscheidung

Oshie hat "eine Art von Grundidee", welchen Move er machen möchte, bevor er den Versuch startet.

"Dann, auf Höhe der Bullykreise entscheidet er sich", sagte er.

Diese Entscheidung hängt meistens davon ab, was der Torhüter in dieser Situation tut und nicht von einem Scouting Video.

"Früher habe ich mir viele Videos angesehen aber ich bin trotzdem dabei geblieben, darauf zu schauen, was der Torhüter vor hat. Ich klebe nicht daran, dass sie mir womöglich zugesehen haben und nun versuchen werden, mir etwas anderes aufzuzwingen", sagte er.

Die Moves

Oshie erklärte, dass er vier "Standard-Moves" hat und einige, mit denen er sie "vermischt".

"Es ist eher Instinkt, dass ich an diesen vier festklebe", erklärte er. "Aber es gibt sicherlich acht andere Gute, die ich zwar kann aber nicht mache. Sie sind für mich einfach nicht notwendig."

Im olympischen Penaltyschießen hat er alle vier Standard-Moves gegen Bobrovsky gebracht. Auch wenn es über zweieinhalb Jahre her ist, kann er ohne Verzögerung wiederholen, was er damals bei jedem Versuch gemacht hat.

"Drei Mal gings durch die Hosenträger", erzählte er. "Einer war ein Vorhand-Deke, ein weiterer war ein Rückhand-Deke und ein anderer ein Vorhand-Deke mit hohem Abschluss."
Oshie traf alle vier seiner Hosenträgerversuche. Zusätzlich traf er auch mit seinem Vorhand-Deke Move. Es schien auch so, als ob er Bobrovsky auch mit seinem Rückhand-Deke schlagen würde, doch der russische Keeper brachte gerade eben noch seinen Schläger an den Puck.

Es schien auch so, als ob Oshie Bobrovskie mit seinem Vorhand-Deke mit hohem Abschluss Move schlagen würde, doch dann schoss er über die Querlatte.

"Er hat viele Moves, die gleich aussehen", erzählte Holtby. "Wenn du einen machst, dann eröffnet es ihm die Chance auf einen anderen Move. Er weiß, wo der Sweet Spot ist um zu schießen. Wo du nicht wirklich reagieren kannst und wo du keine wirkliche Abwehrchance hast. Viele Jungs haben Probleme damit, diese Stelle zu finden aber er weiß ziemlich genau wo sie ist."

Damit er die Goalies noch etwas verwirren kann, hat Oshie noch einige Moves auf Lager. So zum Beispiel sein angetäuschter Schuss.

"Seine Täuschungsmanöver sind unglaublich", schwärmte Grubauer. "Damit ist es sehr schwer für uns Goalies, sein Spiel zu lesen. Es ist völlig egal ob er schnell oder langsam anläuft. Er hat wirklich gute Hände."

Als Oshie bei den Blues spielte, hat er seine Penaltymoves an fast jedem Spieltag im Morning Skate trainiert. Seitdem er bei den Capitals ist, übt er sie "alle parr Wochen".

"Es ist dieses eine Mal. Nur du gegen den Torwart. Eins auf Eins und einer wird gewinnen", sagte Oshie. "Da kommt der Wettbewerbsgedanke aus mir heraus oder so."

Auch wenn das Shootouttraining gegen Oshie das Potenzial hat, frustrierend für Holtby und Grubauer zu werden, sie sagen, dass es hilfreich ist.

"Es macht dich geduldiger. Es zeigt dir deine Schwächen auf", erklärte Holtby. "Er knan dir dabei helfen, dich zu ändern. Es ist immer anders gegen Jungs anzutreten, die nicht so Talentiert sind. Die sind fast genauso schwer abzuwehren wie die talentierten. Aber er hat den perfekten Mix. Er weiß wie er sein Talent einsetzen muss und er kann sehr gut auf die Torhüter reagieren."

Ab und zu probiert Oshie im Training einen neuen Move aus aber dennoch bleibt er in Spielen bei seinen vier Standard-Moves.

"Im Sommer albere ich immer ein wenig rum und übe verschiedene Dinge und mache unterschiedliche Moves", erklärte er. "Meine Moves sind keine wirklichen Highlights. Für mich sind es einfach nur Möglichkeiten, den Puck in die Maschen zu bekommen. Es gibt viele Jungs in der Liga, denen es mehr Spaß macht zuzuschauen als mir."

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