Als Eishockeyspieler eines Landes wie der Schweiz, in seiner Laufbahn eine Olympische Medaille zu gewinnen, ist ein großartiges Ereignis. Gleich zwei Mal Edelmetall zu ergattern, ist in diesem Fall ein Alleinstellungsmerkmal. Richard Torriani, auch genannt Bibi, stand im Kader der Schweiz bei den Olympischen Winterspielen 1928 und 1948, die jeweils im eigenen Land in der legendären Alpenstadt St. Moritz ausgetragen wurden. Bei beiden Turnieren nutzte die Schweiz den Heimvorteil und holte jeweils die Bronzemedaille. Somit konnte Torriani, der als einziger Spieler des Gastgebers im Abstand von 20 Jahren teilnahm, zwei Mal Edelmetall mit nach Hause nehmen. Bis heute eine unerreichte Leistung.
Torriani galt schon sehr früh als großes Talent des Eishockeys. Das bescherte ihm bereits im Alter von 16 Jahren die Nominierung für Olympia 1928 in seiner Heimatstadt. Geboren wurde er nämlich am 1. Oktober 1911 in St. Moritz. Der Überlieferung nach wurde Torriani 1928 in vier Spielen eingesetzt und trug ein extrem wichtiges Tor zum Gesamterfolg bei. Der junge Stürmer markierte im ersten Drittel den einzigen Treffer beim 1:0 gegen das Deutsche Reich am 16. Februar im letzten Gruppenspiel. Damit sicherte er der Schweiz mit dem Gruppensieg den Einzug in die Finalrunde, nachdem die vorherigen Gruppenspiele zwischen der Schweiz und Österreich (4:4) sowie dem Deutschen Reich und Österreich (0:0) jeweils unentschieden geendet hatten.
Durch einen 4:0-Erfolg gegen Großbritannien in der anschließenden Finalrunde mit Kanada und Schweden, gegen die es für die Schweiz allerdings Niederlagen setzte, konnte schließlich der dritte Platz sichergestellt werden.
Torriani wechselte 1929 vom EHC St. Moritz zum HC Davos, denen er bis zum Ende seiner aktiven Karriere 1950 treu blieb und mit ihnen 18 Schweizer Meisterschaften feierte. Mit den zwei Brüdern Ferdinand und Hans Cattini bildete Torrani die bei den Gegnern gefürchtete, sogenannte Ni-Reihe, die in der Folgezeit auch die Nationalmannschaft nachhaltig prägte.
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Der Erfolg blieb allerdings bei den Olympischen Spielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen aus, als die Schweiz mit der Ni-Reihe nur einen enttäuschenden 13. Platz belegte. Vernichtende Kritik gab es in der Heimat, dass die Nationalmannschaft fast nur aus Spielern des HC Davos bestand und die Teamführung mit den Akteuren despektierlich umgegangen sei, was zu einer Missstimmung und verminderter Einsatzbereitschaft führte. Auch wurde die Vorbereitung als mangelhaft angesehen.
Bei den ersten Olympischen Spielen nach dem 2. Weltkrieg 1948, erneut in St. Moritz ausgetragen, machten es die Schweizer dann wieder besser. Zu Beginn wurde Torriani eine besondere Ehre zuteil, indem er stellvertretend für die teilnehmenden Athleten den Olympischen Eid sprechen durfte. Gleich im ersten Spiel legte die Schweiz mit einem 5:4-Erfolg gegen die favorisierten US-Amerikaner den Grundstein zur Medaille. Auch die anderen Begegnungen in der Folge wurden teilweise zweistellig gewonnen, so dass der dritte Platz schon vor den abschließenden Paarungen gegen die Tschechoslowakei und Kanada feststand. Nachdem beide Partien verloren wurden, blieb es bei Bronze. Torriani steuerte zum Gewinn von Edelmetall in sechs Spielen zwei Tore und sechs Assists bei.
In 111 Länderspielen schoss Torriani 105 Tore und gewann neben den olympischen Bronzemedaillen eine Vielzahl von weiteren Medaillen. Bei den Weltmeisterschaften wurden es drei Bronzemedaillen und 1935 eine Silbermedaille. In den Jahren 1935 und 1939 war die Schweiz mit ihm im Kader zudem das beste europäische Land an den Weltmeisterschaften und holte sich den Europameistertitel.
Nach seiner aktiven Spielerkarriere trainierte Torriani das Schweizer und italienische Nationalteam sowie mehrere Vereinsmannschaften. Er gewann als Trainer mit dem EHC Visp erneut den Schweizer Meistertitel (1962). Torriani nahm auch an den Rennrodel-Weltmeisterschaften 1957 in Davos teil und belegte den zweiten Platz.
Torriani verstarb im Alter von 76 Jahren am 3. September 1988 in Chur. 1997 wurde er als erster Schweizer Spieler in die IIHF Hall of Fame aufgenommen. Er gilt bis heute als einer der besten Schweizer Eishockeyspieler aller Zeiten.