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Seit 30 Jahren lenkt und führt Gary Bettman als Commissioner die Geschicke der NHL. Vor Spiel 3 des Stanley Cup Finals 2023 war der NHL-Boss vor Ort in der FLA Live Arena. Dabei sprach Bettman exklusiv mit dem Sender Sky Sport über die Sunbelt-Serie, die Bedeutung von deutschen Spielern in der Liga und die ultimative Ehre der Übergabe des Stanley Cups.

Der besondere Reiz der Sunbelt-Serie

Mit den Vegas Golden Nights (Las Vegas, Nevada) und den Florida Panthers (Sunrise, Florida) stehen sich im Stanley Cup Finale 2023 zwei südlich verortete Teams außerhalb der traditionellen Märkte gegenüber.

"Es ist warm draußen", lachte Bettman darauf angesprochen. "Es ist großartig. Wir werden einen Champion krönen, der zuvor noch nie einen Stanley Cup gewonnen hat. Das Level an Begeisterung, das wir in Süd-Florida und in Nevada sehen, ist phänomenal. Es zeigt, dass Hockey überall funktioniert und die Fans begeistert."

Vegas als Hockey-Town: Die erstaunliche Entwicklung der Golden Knights

Während die im Jahr 1992 gegründeten Panthers seit der Saison 1993/94 in der NHL spielen, sind die 2016 gegründeten Golden Knights das zweitjüngste Team in der NHL. Gleich in ihrer Auftaktsaison 2017/18 drang Vegas bis ins Stanley Cup Finale vor, qualifizierte sich in seinen fünf Jahren viermal für die Playoff und sicherte sich bereits drei Division- und zwei Conference-Titel.

"Es ist absolut unglaublich", sagt Bettman zur Entwicklung der Golden Knights. "Als wir nach Vegas gegangen sind, waren wir es, die als erste Sportliga überhaupt ein Profi-Team dort etabliert hat. Zu diesem Zeitpunkt war Vegas die größte Stadt in den USA, die noch kein Sport-Team in den obersten Ligen hatte. Wir haben immer daran geglaubt, dass Sport-Fans und die Menschen in Vegas sich zusammenfinden werden, um das Hockey-Team hier zu unterstützen. Das war nicht weniger als sensationell, weil die Fans das Gefühl haben, dass die Golden Knights ein Teil ihrer Gemeinschaft sind, immerhin ist die Mannschaft nicht hierher umgezogen, sondern wurde dort neu aufgebaut. Schon ein Jahr bevor sie angefangen haben, in der NHL zu spielen, war ich dort, um zu helfen, den Team-Namen zu verkünden. 5000 Leute sind erschienen, einfach nur um zu die ersten zu sein, um den Namen zu erfahren."

FLA@VGK, Sp2: Marchessault schießt PPG vom Kreis aus

Gibt es bald wieder Hauptrunden-Spiele in Deutschland?

Das Stanley Cup Finale 2023 mag zwar ohne Spieler aus Deutschland, der Schweiz und Österreich stattfinden, doch schätzt Bettman die Qualität und Rolle der Spieler aus dem DACH-Raum sehr.

In der Saison 2022/23 kamen acht Deutsche (Leon Draisaitl, Tim Stutzle, Moritz Seider, JJ Peterka, Nico Sturm, Lukas Reichel, Philipp Grubauer, Thomas Greiss), zwölf Schweizer (Nico Hischier, Kevin Fiala, Timo Meier, Roman Josi, Nino Niederreiter, J.J. Moser, Philipp Kurashev, Pius Suter, Denis Malgin, Jonas Siegenthaler, Tim Berni und Akira Schmid) und zwei Österreicher (Marco Rossi und Marco Kasper) in der NHL zum Einsatz.

Leon Draisaitl mit seiner Punkteserie von 8-Spielen

Angesprochen auf die steigende Anzahl und die steigende Qualität der deutschen Spieler sagte Bettman: "Hockey entwickelt sich sehr gut dort. Wie auch andere Länder in Nord-Europa sehen wir in Deutschland eine Quelle für großartige Spieler für unser Spiel."

Überhaupt sei der deutsche Markt laut Bettman "sehr wichtig für uns", denn: "Deutschland ist ein wichtiger Markt für alles in Europa, insbesondere aber auch in Sachen Hockey zählt es zu den größten Märkten. Wir wissen, dass Deutschland großartige Hockey-Fans hat."

Nachdem die Nashville Predators (in der Schweizer Hauptstadt Bern) und die San Jose Sharks (in der deutschen Hauptstadt Berlin) zuletzt im Herbst 2022 im Rahmen der NHL Global Series Challenge für Freundschaftsspiele im DACH-Raum vorbeigeschaut hatten, verriet der Commissioner, dass es Überlegungen gibt, bald auch Hauptrunden-Partien dort auszutragen.

"Wir hatten ja schon Pre-Season-Spiele dort und arbeiten daran, noch mehr Spiele der regulären Saison in Europa auszutragen", so Bettman. "Deutschland ist da sicherlich auf unserer Liste, auch wenn ich hiermit noch keine offizielle Aussage tätige. Wir haben das aber im Blick."

Zurück auf dem Eis: Bettman wird den Stanley Cup überreichen

In ein paar Tagen wird Bettman übrigens wieder einer der schönsten Bereiche seines Berufs zuteil: Er darf dem frisch gebackenen Stanley Cup Champion den Heiligen Gral des Eishockeys überreichen.

Als in der Vorsaison der deutsche Mittelstürmer Nico Sturm den 20 Kilogramm schweren Silberling mit den Colorado Avalanche gewann, war allerdings überraschend der stellvertretende Commissioner Bill Daly zur Cup-Übergabe auf dem Eis.

"Letztes Jahr hatte ich Covid. Körperlich hätte ich es schaffen können, aber ich hätte gegen das Covid-Protokoll verstoßen, das wir über zwei Jahre etabliert hatten. Es wäre also nicht vernünftig gewesen", erklärt Bettman. "Für mich war es ein seltsamer Moment, es im Fernsehen verfolgen zu müssen. Keiner wusste, dass ich den Stanley Cup nicht übergeben würde, also haben daraufhin viele Nachrichten mein Telefon gesprengt, weil alle besorgt um mich waren."

2023 wird Bettman aber zurück sein und entweder Golden-Knights-Kapitän Mark Stone oder Panthers-Kapitän Aleksander Barkov den Stanley Cup überreichen.

"Es ist und bleibt die größte Ehre für jeden", so Bettman, der sich schon sehr auf diesen besonderen Moment freut: "Es ist das Beste an meinem Beruf!"