LONDON, Ontario - Als Nazem Kadri am Samstag mit dem Stanley Cup vor der Moschee in London vor Tausenden von Zuschauern auf die Bühne trat, sagte er, was viele in der Menge sicherlich dachten: "Das ist eine große Sache."
Kadri bringt den Stanley Cup in eine Moschee
Der Champion feiert mit Tausenden in seiner Heimatstadt London in der kanadischen Provinz Ontario

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Und das war es in vielerlei Hinsicht: für Kadri, für die Besucher der Londoner Moschee, für die muslimische Gemeinschaft insgesamt und für die Stadt.
Kadri begann seinen Tag mit dem Stanley Cup in derselben Moschee, die sein Großvater nach seiner Auswanderung aus dem Libanon im Jahr 1968 regelmäßig besuchte. Gleiches galt für den Stürmer selbst, als er in London aufwuchs. Es war vermutlich das erste Mal, dass der Stanley-Cup in einer Moschee präsentiert wurde.
"Wenn ich hier sitze und darüber nachdenke, dass ich ein Londoner Junge bin, dass dies die Straßen sind, in denen ich aufgewachsen bin, dass dies die Moschee ist, in die ich gegangen bin, dann scheint sich der Kreis zu schließen", sagte Kadri. "Ich bin sehr dankbar und fühle mich geehrt, der erste Muslim zu sein, der den Stanley Cup in eine Moschee bringen kann. Das ist etwas, an das ich mich immer erinnern werde. Es ist Teil meines Hintergrunds, Teil meiner Wurzeln und Teil von dem, was ich jetzt bin. Es gibt einen besonderen Grund, weshalb ich die Trophäe genau dort präsentiert habe. Die Gemeinde hat es verdient. Sie hat mich von Anfang an angefeuert, also wollte ich den Moment mit allen teilen."
Für die versammelte Menge - Muslime und Nicht-Muslime gleichermaßen - vor der Moschee in der gesperrten Oxford Street waren dies Augenblicke der Freude, des Zusammenkommens und der Integration, die Kadri und seine Familie stets zu fördern versuchen.

© Matthew Stockman/Getty Images
"Das ist wichtig, vor allem angesichts der Islamophobie in der heutigen Zeit", sagte Kadris Vater Samir. "Wir wollten einfach mit allen in Kontakt treten und sagen: Hört zu, wir sind nicht anders. Wir haben alle die gleichen Sorgen, wir haben alle die gleichen Verpflichtungen, wir arbeiten alle hart in unserer Gemeinschaft, um sie besser zu machen, und wir müssen noch härter arbeiten, um sie noch besser zu machen, und wir müssen die Ignoranz in unserer Gesellschaft loswerden."
Die muslimische Gemeinschaft in London leidet noch immer unter dem Anschlag vom 6. Juni 2021, bei dem vier Menschen aus einer Familie getötet und ein weiterer verletzt wurde, als ein Mann an einer Kreuzung in der Stadt mit einem Pickup in ein eine Fußgängergruppe fuhr. Die Ermittler erklärten, dass es sich um einen hasserfüllten Angriff handelte.
Wenig später kam die Gemeinde in der Londoner Moschee zusammen, um zu trauern. Ein religiöser Führer, der auf Kadris Feier sprach, sagte: Im Koran steht, dass Gott nach harten Zeiten wieder Leichtigkeit schaffen wird."
Der Londoner Bürgermeister Ed Holder meinte: "Dies war ein Ort, an dem wir uns alle unter Tränen zum Gebet versammelt haben. Heute treffen wir uns hier zu einer Feier, bei der wir alle fröhlich sind und unseren Stanley Cup Champion Nazem Kadri begrüßen können."
Kadri wurde während der diesjährigen Playoffs im Internet mit rassistischen und hasserfüllten Äußerungen attackiert, weil er an einem Zusammenprall mit Jordan Binnington von den St. Louis Blues in Spiel 3 der zweiten Runde beteiligt war. Der Torwart musste vom Eis und verpasste den Rest der Serie, die die Colorado Avalanche letztlich nach sechs Spielen für sich entschieden.
Nach Ansicht des in London lebenden Nawaz Tahir, der mit seinem kleinen Sohn und seiner Tochter an der Feier teilnahm, war die Veranstaltung ein dringend benötigter positiver Impuls für die muslimische Gemeinschaft in der Stadt und eine großartige Gelegenheit für seine Kinder, sich inspirieren zu lassen.
"Es ist ein großer Moment für unsere Gemeinschaft, die in letzter Zeit so viel Tragisches erlebt hat", hob Tahir hervor. "Deshalb ist es wichtig, zu einem fröhlichen Ereignis zusammenzukommen, um einen von uns zu feiern, der hier aufgewachsen ist und Teil unserer Gemeinschaft ist. Das zeigt unseren Kindern, dass alles möglich ist, egal welche Hautfarbe man hat oder welcher Religion man angehört. Man kann es bis an die Spitze schaffen und alles erreichen."
Kadri betonte, dass er genau aus diesem Grund den Tag mit dem Stanley Cup mit so vielen Menschen wie möglich begehen wollte. "Am Ende des Tages ist es das Ziel, unsere Jugend zu inspirieren und zu motivieren", sagte er. "Ich habe selbst Kinder und weiß, dass die junge Generation nach Vorbildern sucht, also gebe ich mein Bestes."
Nach dem Besuch in der Moschee absolvierte Kadri auf einem alten Feuerwehrauto eine 1,5 Meilen lange Parade durch London und winkte den Zuschauern zu, bevor er im Victoria Park ankam, wo eine weitere Menschenmenge wartete.
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Zu denjenigen, die ihn erwarteten, gehörten Mark und Dale Hunter, die Miteigentümer von London in der Ontario Hockey League. Es ist das Team, für das Kadri in seinen letzten beiden OHL-Saisons (2008-10) spielte. Holder und der stellvertretende Bürgermeister Josh Morgan überreichten ihm einen Schlüssel der Stadt.
"Es ist unglaublich. Es ist ein wahr gewordener Traum", führte Kadri weiter aus. "Ich habe nicht mit einer derartigen Beteiligung gerechnet und bin sehr dankbar für all diese Unterstützer. In der Moschee zu beginnen und hier aufzuhören, das ist die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Ich fühle mich so geehrt, die Stadt repräsentieren zu dürfen."
Samir Kadri äußerte sich in ähnlichen Worten zur eindrucksvollen Feier: "Es ist schwer zu verarbeiten. Ich fühle mich wie in einem Traum, aber es ist die Realität. Es ist schön, dass wir das mit unserer Gemeinschaft erleben können."
Nazem Kadri unterzeichnete im Sommer einen Siebenjahresvertrag im Gesamtwert von 49 Millionen Dollar bei den Flames. Mit ihnen wolle er nach Möglichkeit bald wieder eine Parade veranstalten, ließ er wissen.

















