Dass so etwas wie die Hautfarbe eines Menschen ein Hindernis bei der Karriere sein kann, klingt geradezu absurd und grotesk. Robinson selbst aber musste diese negativen Erfahrungen machen. „Viele Spieler wollen nicht darüber reden, was ihnen passiert ist. Wie ich damals wollen sie sich lieber auf Eishockey konzentrieren“, so der 41-jährige Kanadier. „Es gab immer wieder Hindernisse, egal ob es an der Hautfarbe lag oder nicht. Ich musste mich immer wieder anpassen. Ich habe mir auch gedacht, dass auf dem Eis aus Emotionen heraus Dinge gesagt wurden. Ich wollte daraus nie ein Problem machen, weil ich nicht im Mittelpunkt stehen wollte. Ich habe es also für mich behalten. Für die Kinder von heute ist das zum Glück anders. Sie passen jetzt besser auf, was gesagt wird und gehen sofort zu den Verantwortlichen, um das anzusprechen. Genau das sollten sie auch. Jeder verdient die Chance, diese tolle Sportart zu spielen. Egal ob jung oder alt, egal welche Hautfarbe er hat oder woher er kommt.“
Der Fall Victor: Ein spannendes Talent für das deutsche Eishockey
Das unterstreicht Robinson in seiner täglichen Arbeit in Deutschland. Eines seiner Herzensprojekte ist ein Waisenkind aus Ghana, das von Robinson und ‚Hockey is Diversity‘ derzeit unterstützt wird.
„Sein Name ist Victor und er hat viel Talent“, berichtet Robinson. „Er kommt aus Ghana, lebte zuletzt in Italien auf der Straße und war krank. Er wurde von einem Deutschen adoptiert und bekommt jetzt die Chance, bei uns in der U5 und U7 zu spielen. Er bringt viel Leidenschaft mit, ist ein toller Typ, der zuvor ein hartes Leben hatte. Ich habe mich in seine Lage versetzt und versuche, meine Erfahrung an ihn weiterzugeben und ihn zu fördern. ‚Hockey is Diversity‘ unterstützt ihn mit Ausrüstung oder bei den Fahrten zu den Spielen. Die Botschaft ist: Es geht nicht darum, Afrikaner, Asiate oder Europäer, schwarz oder weiß zu sein, sondern darum, dass Kinder die Möglichkeit bekommen, Eishockey zu spielen.“
Der Fall von Victor zeigt aber auch, welch spannende Talente und Persönlichkeiten der Eishockeysport ohne diese Arbeit verlieren würde.
„Er ist ein guter Junge, arbeitet hart und liebt das Spiel“, so Robinson. „Er ist gerade einmal sieben Jahre alt, spielt aber schon wie ein Zehnjähriger. Er schießt viele Tore, ist ein guter Skater und ein guter Athlet. Er liebt Eishockey, ist besessen von diesem Spiel und geradezu hyperfokussiert. Ich erkenne mich selbst in ihm, als ich jung war. Er ist nach der Schule immer der Erste auf dem Eis, und ich muss ihn schon fast bremsen.“
Robinson sieht die NHL auf einem guten Weg
Auch die NHL unterstützt ‚Hockey is Diversity‘, was Robinson nicht entgangen ist. „Die NHL hat sich verändert“, sagt Robinson. „Ich denke, Gary Bettman hat sich dieser Sache angenommen und hat viel verändert. Ich bin jetzt noch mehr ein Fan von ihm, als ich es damals als Spieler schon war. Das Spiel hat so viele verschiedene Gesichter. Wir sind jetzt in Schweden, waren zuvor in Australien, davor in China. Es geht darum, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen und neue Märkte zu erschließen.“
Zuletzt war Robinson bei den Global Series in Stockholm selbst vor Ort, wo er unter anderem ein Foto mit Ryan Reaves von den Toronto Maple Leafs veröffentlichte. „Wir verstehen unseren jeweiligen Hintergrund“, erklärt Robinson. „Er ist ein Vollprofi, auch wenn er gerade nicht spielt. Wir hatten gute Gespräche. Dass Kinder jemanden wie ihn sehen, ist sehr wichtig.“