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Für McDavid ist Crosby die Nummer 1

Edmontons Jungstar sieht sich noch lange nicht auf Augenhöhe mit Pittsburghs Teamkapitän

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

110 Sekunden waren im Schlussabschnitt absolviert als Connor McDavid im eigenen Drittel an die Scheibe kam, sie über das Eis in die gegnerische Zone führte und dann quer zu Leon Draisaitl rüberlegte. Der deutsche Stürmer zog ab und der Puck landete durch die Schoner von Vancouver Canucks Schlussmann Richard Bachmann im Netz. McDavid hatte damit, im letzten Spiel der regulären Saison 2016/17, die 100-Punkte Marke vollgemacht und er ist nach Doug Weight vor 21 Jahren der erste Spieler der Edmonton Oilers dem dieses Kunststück gelang. Mit elf Zählern Vorsprung gegenüber Patrick Kane und Sidney Crosby konnte sich McDavid die Art Ross Trophy, die dem punktbesten Spieler einer Saison überreicht wird, sichern. Nur Crosby war in der NHL-Historie beim Gewinn seiner ersten Art Ross, am Ende der Spielzeit 2006/07, knapp sieben Monate jünger gewesen als McDavid.

Wie Crosby von vor zehn Jahren, wurde auch Edmontons Supertalent in seiner zweiten NHL-Saison als wertvollster Spieler der Liga mit der Hart Memorial Trophy und dem Ted Lindsay Award / ehemals Lester B. Pearson Trophy ausgezeichnet. Wie die Pittsburgh Penguins 2005 profitierten die Oilers 2015 davon, dass sie zur rechten Zeit bei einem NHL Draft als Erste zum Zug kamen. Wie die Penguins machten auch die Westkanadier im zweiten Jahr mit ihrem Jungstar einen Riesensprung in der Tabelle vom vorletzten Platz nach vorne und konnten sich sogar für die Stanley Cup Playoffs qualifizieren.

Für den zehn Jahre jüngeren McDavid war Pittsburghs Teamkapitän immer ein sportliches Vorbild gewesen. Ist schon die Zeit gekommen, dass er ihn als besten Spieler der Welt ablöst? Im Rahmen der NHL Player Media Tour verneinte er das vehement: "Sidney Crosby ist definitiv der Beste. Er hat alles geschafft. Er hat alles gewonnen. Er ist einer zu dem jedermann hochschaut. Das hat seine Gründe."

 

Crosby gewann dreimal den Stanley Cup mit den Penguins. Mit Team Canada holte er zweimal olympisches Gold, wurde Weltmeister und er gewann mit den Kanadiern den World Cup of Hockey im vergangenen Jahr.

"Zu behaupten, dass ich der Beste bin, würde mir niemals einfallen. Kein Eishockeyspieler würde von sich erzählen, dass er der Beste ist. So ticken wir alle nicht."

Eishockey ist eben eine Mannschaftssportart und damit hat der individuelle Erfolg immer hintenanzustehen. Statistiken und Zahlen sind das eine, doch durch einen überragenden Spieler wird das Team nur besser, wenn es dieser auch schafft die Kollegen auf dem Eis mitzunehmen.

"Wenn sich der einzelne Spieler steigert, dann kommt das auch der Mannschaft zugute."

McDavid ist sich sicher, dass es immer etwas zu verbessern gibt. "Ich muss an meinem Defensivspiel arbeiten. Auch bei den Bullys habe ich Verbesserungsbedarf. Sid ist [in diesen Punkten] großartig und über seine Offensivqualitäten brauchen wir gar nicht erst zu reden. Um Sid einzuholen, musst du das lernen, was er schon kann und auch alles gewinnen, was er schon gewonnen hat."

Video: EDM@CGY: McDavid nutzt seine Schnelligkeit und trifft

Edmontons Stürmerstar steht noch am Anfang seiner Karriere. Vor 2 1/2 Jahren, die Oilers standen kurz davor McDavid an Nummer 1 zu draften, prophezeite kein Geringerer als Wayne Gretzky gegenüber Jim Matheson vom Edmonton Journal, dass sich mit einem Spieler, wie dieser Junge einer ist, das Blatt einer Franchise wenden kann und fügte hinzu: "Er ist so gut wie kein anderer in den vergangenen 30 Jahren. Er wird der beste Liganeuling seit 30 Jahren sein - einhergehend mit [Mario] Lemieux und [Sidney] Crosby."

Irgendwann wird sich die Karriere von Crosby dem Ende nähern und ein Jüngerer wird in seine Fußstapfen als bester Spieler der Welt treten. Die Chancen, dass es Edmontons Teamkapitän sein wird, stehen nicht schlecht, unabhängig davon, ob er das hören möchte oder nicht. Zugeben würde er es ohnehin nie.

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