EDM@VGK: Fleury gegen Oilers mit dem 61. NHL-Shutout

Die NHL hat am 26. Mai den Re-Start des Spielbetriebes mit 24 Mannschaften angekündigt. Sie werden in einem Format mit Vorrunde der Stanley-Cup-Qualifikanten, in Best-of-5-Serien der Stanley-Cup-Qualifikation und Playoffs den Stanley-Cup-Sieger 2020 ermitteln. In einer Serie wirft NHL.com/de einen Blick auf den Starfaktor der einzelnen Teams und präsentiert jeweils einen herausragenden Spieler. In dieser Ausgabe: Marc-Andre Fleury von den Vegas Golden Knights.

Im Kader der Vegas Golden Knights befinden sich zahlreiche Spieler mit Star-Potenzial: Flügelstürmer Jonathan Marchessault, der einen Lamborghini im Golden-Knights-Design fährt. Center William Karlsson, der mit seiner blonden Mähne und dem Spitznamen "Wild Bill" einer der Aushängeschilder für die sensationelle Debütsaison war. Mark Stone, der im Vorjahr von den Ottawa Senators kam, für 9,5 Millionen US-Dollar unterschrieb, ohne Anlaufschwierigkeiten perfekt in Vegas System passte und dabei checkte und scorte. Oder Verteidiger Shea Theodore auf den sie in "Sin City" große Stücke setzen und in ihm ein riesiges Abwehrtalent sehen. Doch sie alle werden überstrahlt von dem Mann, der zwischen den Pfosten steht: Torwart Marc-Andre Fleury.

Ein Glücksgriff im Expansion Draft

Für die Golden Knights war es beim Expansion Draft ein absoluter Glücksfall, dass die Pittsburgh Penguins ihren langjährigen Starter nicht schützten und stattdessen auf den jüngeren Matt Murray vertrauten. Vegas langte zu und landete mit dem damals 32-Jährigen einen absoluten Glücksgriff. Gleich in seiner Debüt-Saison bei den Golden Knights war der Kanadier das ultimative Rückgrat der komplett neu zusammengestellten Mannschaft und glänzte mit 29 Siegen in 46 Starts, vier Shutouts, 2,24 Gegentoren pro Spiel und einer Fangquote von 92,7 Prozent in der regulären Saison 2017/18. Fleurys Gesicht strahlte von vielen Plakaten - auch unter dem Hashtag #VegasBorn, weil sich der in Sorel, Quebec geborene Goalie sofort mit dem neuen Franchise identifizierte. Sein Name löste auch bei Ansage der Starting-Six die lautesten Begeisterungsstürme bei den Fans aus.

Fleury war nicht nur ein verlässlicher Vertreter seiner Zunft, sondern auch ein Entertainer: Mit teils spektakulären Saves hob er das Publikum immer wieder aus den Sitzen. Auch in den folgenden Playoffs, in denen das Märchen weitergeschrieben wurde. In der Hauptrolle: Der 1,88 Meter große und 82 Kilogramm schwere Linksfänger, der die gegnerischen Stürmer reihenweise zur Verzweiflung brachte und regelmäßig den Unterschied ausmachte.

Dass die Golden Knights knapp vor dem ultimativen Ziel scheiterten (1:4 im Stanley-Cup-Finale gegen die Washington Capitals), lag nicht am Schlussmann. Es hätte bereits sein vierter Stanley-Cup-Sieg sein können (2009, 2016 und 2017 mit den Penguins). Seine unglaubliche Bilanz in den Playoffs 2018: 20 Starts, 13 Siege, vier Shutouts, ein Gegentorschnitt von 2,24 sowie eine Fangquote von 92,7 Prozent.

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Auf Fleury bleibt Verlass

Dass diese Leistung keine Eintagsfliege war, stellte "Flower", wie Fleury in Vegas liebevoll genannt wird, auch in seiner zweiten Saison im Spielerparadies unter Beweis: Die Nummer 29 war mit 62 Starts ein Dauerbrenner, holte 35 Siege, hatte einen Gegentorschnitt von 2,51 sowie eine Fangquote von 91,3 Prozent. Außerdem feierte Fleury acht Shutouts. Schnell machten Bilder die Runde, die den Publikumsliebling auf dem Eis mit einem übergroßen, aufblasbaren Donut zeigen. Der Grund: Shutouts, also Spiele ohne Gegentor, werden in Nordamerika auch Donuts genannt - genauso wie die gleichnamigen, süßen Kringel. Acht weiße Westen waren die zweitmeisten in Fleurys Karriere. Mehr schaffte er nur mit deren zehn 2014/15 in Pittsburgh.

In den späteren Playoffs wäre womöglich erneut ein längerer Run möglich gewesen, doch in einer brutal emotionalen und physischen Serie gegen die San Jose Sharks zogen die Golden Knights in der Overtime von Spiel 7 den Kürzeren - trotz zwischenzeitlicher 3:0-Führung zur Mitte des dritten Drittels. Den damaligen Momentum-Swing der Sharks konnte aber auch Fleury nicht stoppen. Insgesamt war erneut auf ihn Verlass: Sieben Starts, ein Shutout, 2,70 Gegentore pro Spiel und 90,9 Prozent Fangquote bestätigen das.

Neue Konkurrenz: Spielt der Superstar in den Playoffs?

In der Saison 2019/20 hatten die Golden Knights zunächst Probleme, konstante Leistungen abzurufen. Das galt auch für Fleury, der bis zur Unterbrechung der regulären Saison 48 Starts erhielt, 27 Siege einfuhr und fünf Shutouts vorweisen konnte. Mit einem Gegentorschnitt von 2,77 sowie eine Fangquote von 90,5 Prozent wies er seine bislang schwächsten Werte seit seinem Wechsel nach Vegas auf. Nach einer soliden, wenn auch nicht überragenden Saison stellt sich nun die große Frage: Wird der Superstar auch in den Playoffs im Tor stehen?

Der Grund für diese nicht für möglich gehaltene Frage: Robin Lehner. Der 28-jährige Schwede wurde vor der Trade-Deadline am 24. Februar via Trade von den Chicago Blackhawks akquiriert. Lehner hatte in der Vorsaison die Jennings Trophy für die wenigsten Gegentore in der Hauptrunde gewonnen und danach ein starkes Jahr in "Windy City" gespielt (31 Starts, 3,01 Gegentore/Spiel, 91,8 Prozent Fangquote). Kaum in Vegas angekommen, war Lehner schier unbezwingbar, gewann alle seine drei Starts im Golden-Knights-Trikot mit beeindruckenden Statistiken (1,67 Gegentore/Spiel, 94,0 Prozent Fangquote, ein Shutout).

Seit Lehners Ankunft in Las Vegas kam der 35-jährige Fleury auf vier Starts (2,51 Gegentore/Spiel, 89,4 Prozent Fangquote, ein Shutout). Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Gut möglich, dass neben den Trainingseindrücken auch die Leistungen in der Vorrunde der Stanley-Cup-Qualifikanten, entscheidend sein werden. Sollte Lehner nicht deutlich die Nase vorne haben, dürfte wohl weiterhin Fleury zwischen den Pfosten stehen. Diesen Status hat sich der Superstar der Golden Knights in den letzten drei Jahren hart erarbeitet.